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50 Jahre Invasion der Schweinebucht : Zur falschen Zeit am falschen Ort

Félix Rodríguez war fast sein ganzes Leben lang für den amerikanischen Auslandsgeheimdienst CIA im Einsatz Bild: dapd

Zuletzt lachen die Castros: Vor fünfzig Jahren erlebte Amerika unter der Führung von John F. Kennedy in Kubas Schweinebucht eines seiner größten Desaster. Dabei hatte es an Warnungen nicht gemangelt.

          6 Min.

          Ein halbes Jahrhundert danach ist sich Félix Rodríguez noch immer sicher: „Wir hätten es schaffen können!“ Die desaströs gescheiterte Invasion in der Schweinebucht, die am 17. April 1961 begann, hätte gelingen und zum Sturz Fidel Castros führen können. „Ich glaube schon“, sagt Rodríguez und nickt. Wenn Kennedy seine Leute nicht im Stich gelassen hätte.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Félix Rodríguez wurde 1941 in Havanna geboren. Er war fast sein ganzes Leben lang an allen Ecken und Enden der Welt für den amerikanischen Auslandsgeheimdienst CIA und für die Armee im Einsatz, immer im Kampf gegen den Kommunismus. Er hat in Laos und in Vietnam Kampfhubschrauber geflogen, er tummelte sich als Agent in Mittel- und Südamerika, er hatte seine Finger bei der Iran-Contra-Affäre im Spiel. Er hat viele Auszeichnungen und Medaillen bekommen, heute bezieht er eine schöne Rente. Als bolivianische Spezialeinheiten, ausgebildet und ausgerüstet von der CIA, am 9. Oktober 1967 bei La Higuera im bolivianischen Dschungel Ernesto „Che“ Guevara aufspürten und im Gefecht verwundeten, war Félix Rodríguez der letzte Mensch, der mit dem argentinischen Weltrevolutionär sprach.

          Ob der „Comandante“ einen letzten Willen habe, fragte Rodríguez den schwer verletzten Guerillaführer, der kurz darauf von einem bolivianischen Kommando erschossen werden sollte. „Sage Fidel, dass er bald eine triumphale Revolution in Amerika erleben wird. Und sage meiner Frau, sie solle wieder heiraten und versuchen, glücklich zu sein.“ Daraufhin übergab Guevara Rodríguez seine Pfeife mit dem halb aufgerauchten Tabak. Guevaras Rolex „GMT Master“ löste Rodríguez später vom Handgelenk des Leichnams und nahm sie an sich.

          Treue Feinde: Gegner Castros bei einer militärischen Übung in Nicaragua – drei Jahre nach der gescheiterten Invasion in der Schweinebucht

          50. Jahrestag des Sieges über das Imperium

          Gut sechs Jahre vor der Begegnung mit seinem Erzfeind Guevara hätte es Rodríguez beinah selbst erwischt. Im Februar 1961 war er, nach gut zwei Jahren Exil in Amerika, mit einem Boot von Florida aus nach Kuba zurückgekehrt. Er war Mitglied einer Einheit, die während der Landung der CIA-Truppen im Süden Kubas in der Hauptstadt die Rebellion gegen die Castro-Herrschaft lostreten sollten. Weil aber die Invasion in der Schweinebucht schon nach 72 Stunden zu einem kläglichen, für den jungen Präsidenten John F. Kennedy demütigenden Ende fand, mussten sich Rodríguez und seine Leute so rasch wie möglich vor Fidel Castros Häschern retten. Kurz nach dem triumphalen Einzug der Revolutionäre unter Fidel und Raúl Castro am Neujahrstag 1959 waren Rodríguez und seine Familie zum ersten Mal aus Kuba geflohen. Nach der missratenen Aktion in der Schweinebucht floh er ein zweites Mal. Seitdem hat er kubanischen Boden nicht mehr berührt.

          Und bis heute sind die Castro-Brüder in Havanna an der Macht. Den 50. Jahrestag ihres Sieges über das Imperium werden sie heute mit einer gewaltigen Militärparade auf der „Plaza de la Revolución“ in Havanna und drunten an der „Bahía de Cochinos“ begehen. Die Kennedy-Brüder John F. und Robert aber, die mit einem Husarenstreich die Castro-Herrschaft hatten beenden wollen, sind lange tot: erschossen 1963 und 1968.

          Planungen zur Invasion Kubas und zum Sturz der Castros hatten schon im März 1960 unter dem republikanischen Präsidenten Dwight Eisenhower begonnen. Treibende Kraft war der ehrgeizige CIA-Operationschef Richard Bissell. Obwohl das Ausmaß der geplanten Operation bald alles überstieg, was die CIA bis dahin unternommen hatte, wurde das Pentagon nicht in die Beratungen einbezogen. 16 Kampfflugzeuge, in den Farben der kubanischen Luftwaffe getarnt, sollten eingesetzt werden (am Ende waren es nur acht), dazu Transportflugzeuge, Landungsboote, Frachtschiffe, schwere Maschinengewehre, Artillerie und Schnellfeuergewehre.

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