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Völkermord in Ruanda : Angst vor Wiederholung

August 1994: Ruandische Kinder flehen zairische Soldaten an, ihnen und ihren Müttern das Überqueren einer Brücke zu gewähren. Kurz zuvor war die Grenze nach Zaire geschlossen worden. Bild: dpa

Vor 25 Jahren begann in Ruanda einer der größten Völkermorde seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Furcht vor einem neuen Genozid ist auch Jahrzehnte später nicht gewichen.

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          Es war ungefähr 20.30 Uhr, als am 6. April 1994 über Kigali ein Flugzeug vom Typ Falcon 50 abgeschossen wurde. An Bord des Geschäftsflugzeugs befanden sich die Staatschefs von zwei afrikanischen Staaten: Burundis Herrscher Cyprien Ntaryamira und Ruandas Präsident Juvénal Habyarimana, der sich in Begleitung seines Armeechefs Déogratias Nsabimana befand. Die Gruppe, alle Angehörige des Stamms der Hutu, war auf dem Rückflug von einer Konferenz in Daressalam gewesen, als das Flugzeug im Landeanflug auf die ruandische Hauptstadt von einer Boden-Luft-Rakete getroffen wurde. Überlebende gab es keine. Die Täter wurden nie dingfest gemacht.

          Thilo Thielke

          Freier Berichterstatter für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Eine halbe Stunde nach dem Anschlag begann eines der größten Gemetzel seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Es dauerte etwa drei Monate und kostete rund eine Million Menschen das Leben. Die ersten Opfer waren sogenannte moderate Hutu. Dann wurde Jagd gemacht auf die Angehörigen des Niloten-Stamms der Tutsi, deren Vorfahren vor Jahrhunderten aus dem Norden in die Gegend eingewandert waren. Sie wurden zu Tode gehackt, lebendig verbrannt, von Bulldozern zermalmt. Oft waren Milizionäre im Dienst der herrschenden Partei die Täter, aber oft griffen auch einfache Nachbarn – aufgehetzt vom Hutu-Sender „Libre des Mille Collines“ – zu Messern und Macheten. Später wurden viele Hutu Opfer der vorrückenden Tutsi-Armee, die schließlich die Macht im Land der tausend Hügel übernahm und sie bis heute nicht abgegeben hat. Zehntausende von Hutu-Flüchtlingen wurden zudem in kongolesischen Lagern von Seuchen dahingerafft.

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