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24 Tote nach Nato-Angriff : Pakistan bestellt amerikanischen Botschafter ein

  • Aktualisiert am

Isaf-Kommandeur John Allen Bild: dpa

Bei einem Angriff von Nato-Kampfhubschraubern auf einen Militärposten an der Grenze zu Afghanistan sind 24 pakistanische Soldaten getötet worden. Ministerpräsident Gilani bestellte den amerikanischen Botschafter ein.

          Ein Luftangriff von Nato-Hubschraubern auf zwei pakistanische Militärposten hat nach Regierungsangaben 24 Soldaten das Leben gekostet. Nach dem Vorfall im Nordwesten des Landes an der Grenze zu Afghanistan schloss Pakistan am Samstag eine wichtige Nachschubroute für das Militärbündnis. Die Nato kündigte daraufhin eine Untersuchung des Vorfalls an. In einer Erklärung vom Samstag sprach der Oberbefehlshaber der Nato-Schutztruppe Isaf in Afghanistan, John Allen, sein Bedauern über mögliche Tote oder Verletzte unter den pakistanischen Sicherheitskräften aus. Zu dem tödlichen Angriff bekannte sich das Militärbündnis mit Verweis auf die fortdauernde Untersuchung aber nicht.

          Die pakistanischen Streitkräfte erklärten am Samstag in einer Stellungnahme, die Nato-Hubschrauber hätten am Vorabend in der Stammesregion Mohmand willkürlich das Feuer auf zwei Kontrollposten eröffnet. Sie seien nicht provoziert worden. Das staatliche Fernsehen berichtete von 24 getöteten Soldaten. Zwei Behördenmitarbeiter in Mohmand bestätigten die Angaben. 13 weitere Soldaten seien verletzt worden.

          Zwei Kontrollposten angegriffen

          Gewährspersonen in Mohmand und Peshawar sagten, die Hubschrauber hätten zwei etwa 300 Meter voneinander entfernte Kontrollpunkte angegriffen. Ein Posten sei zwei Mal angegriffen worden. Unter den Todesopfer seien zwei Offiziere. Der Gouverneur der Provinz Khyber Pakhtunkhwa sprach von einem „Angriff auf die pakistanische Souveränität“. Der pakistanische Ministerpräsident Yusuf Raza Gilani verurteilte den mutmaßlichen Nato-Angriff als „schweren und inakzeptablen“ Akt. Seine Regierung werde von der Nato und den Vereinigtten Staaten aufs Schärfste eine Erklärung verlangen, hieß es in einer Stellungnahme. Aus Protest gegen den mutmaßlichen Nato-Angriff bestellte Gilani den amerikanischen Botschafter in Pakistan, Cameron Munter, ein, wie das Außenministerium in einer Stellungnahme mitteilte.

          Die Kontrollposten im Dorf Salala seien erst kürzlich errichtet worden, um pakistanische Taliban am Grenzübertritt zu hindern, sagten Maqsood Hasan und Hamid Khan aus der örtlichen Verwaltung. Die pakistanischen Streitkräfte machen die Taliban für zahlreiche Angriffe auf Soldaten im Grenzgebiet verantwortlich. Ein Nato-Sprecher in Kabul sagte der britischen Rundfunkanstalt BBC, man untersuche den Vorfall. „Höchstwahrscheinlich“ habe eine vom Militärbündnis und den afghanischen Streitkräften angeforderte Luftunterstützung aus der Grenzregion für die pakistanischen Todesopfern geführt, sagte Sprecher Carsten Jacobsen.

          Im vergangenen Jahr gab es schon einmal einen ähnlichen Vorfall, als ein amerikanischer Hubschrauber versehentlich zwei pakistanische Soldaten tötete. Das führte zu einer erheblichen Belastung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Pakistan. Pakistan schloss vorübergehend die Grenze und unterbrach damit für zehn Tage die Versorgung der Nato-Truppen in Afghanistan. Die Vereinigten Staaten entschuldigten sich schließlich für den Vorfall.

          Pakistan reagiert mit Schließung von Grenzübergangen

          Auch am Samstag wurden die beiden Grenzübergange zum benachbarten Afghanistan geschlossen, wie Zollbeamte erklärten. Es habe eine mündliche Anweisung gegeben, alle Nachschublieferungen der Nato zu stoppen. Die nun geschlossene Route führt über den Khyber-Pass, über den die Nato etwa 30 Prozent ihrer Nachschublieferungen für die Truppen in Afghanistan abwickelt. Der jüngste Vorfall dürfte die Beziehung zwischen Islamabad und Washington weiter strapazieren. Das Verhältnis hatte bereits unter der Tötung des Al-Qaida-Führers Osama Bin Ladin durch ein Kommando der amerikanischen Spezialkräfte in Pakistan deutlich gelitten. Die pakistanischen Behörden waren verärgert, dass sie nicht im Vorfeld über den Einsatz Anfang Mai informiert worden waren. Seither reagieren sie besonders sensibel auf Eingriffe in die Souveränität ihres Landes.

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