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Anschlag in Christchurch : 200 Nutzer sahen live auf Facebook zu

  • -Aktualisiert am

Um die 200 Menschen schauten dem Attentäter von Christchurch live bei seiner Mordserie zu. Melden tut das Video niemand davon. Bild: dpa

Der Attentäter von Christchurch übertrug seine Tat live auf Facebook – 200 Menschen sahen zu. Problematisch fanden sie das Video wohl nicht, wie aus den nun vom Konzern veröffentlichten Daten hervorgeht.

          Der Attentäter von Christchurch dokumentierte seine Mordserie, die mit 50 Toten endete, mit einer am Helm befestigten GoPro-Kamera und teilte das 17 Minuten lange Video live auf Facebook. Bis das Original aus dem sozialen Netzwerk entfernt wurde, konnten andere Nutzer es ansehen und weiterverbreiten. Einige Zahlen dazu hat der Konzern am Dienstag in einem „Update zu Neuseeland“ veröffentlicht.

          Knapp 200 Menschen schauten demnach live zu, wie der Rechtsterrorist die Al-Nur-Moschee in Christchurch stürmte und wahllos Menschen erschoss. Auffällig ist dabei, dass keiner der Live-Zuschauer das Video als problematisch empfand und zur Überprüfung an Facebook meldete. Erst nach 29 Minuten, rund zwölf Minuten nach dem Ende der Live-Übertragung, sei die erste Meldung eingegangen, so der Konzern. 

          Dass es solang dauerte, bis der erste Nutzer reagierte, könnte dadurch zu erklären sein, dass das Video zunächst einmal unter Gleichgesinnten unter anderen in dem Forum „8chan“ geteilt wurde. Dort mischen sich Radikale mit Schaulustigen, die solche Inhalte als Sensationen betrachten. Zudem hatte der Attentäter die Liveübertragung in dem Forum angekündigt, um die Nutzer auf seine Übertragung aufmerksam zu machen. 

          Facebook löschte das Video erst auf Anfrage der Polizei

          Wie es lange es nach der ersten Meldung dauerte, bis das Originalvideo schließlich von Facebook entfernt wurde, ist der Stellungnahme des Internetkonzerns nicht zu entnehmen. Der Konzern reagierte nach eigenen Angaben jedoch erst, als die neuseeländische Polizei ihn auf den Inhalt aufmerksam machte: „Wir entfernten das Video des Angreifers innerhalb von Minuten nach ihrer (der Polizei) Anfrage an uns.“

          Bis dahin sahen etwa 4000 Nutzer das Originalvideo auf Facebook. Der Konzern sperrte zudem die Konten des Täters sowohl auf Facebook als auch auf Instagram. 

          Um nun zumindest auf den eigenen Plattformen die Kopien des Videos zu finden und zu löschen, nutzt Facebook nach eigenen Angaben das „Global Internet Forum to Counter Terrorism“ (GIFCT). Die Partnerschaft ist 2017 von den Internet-Riesen Google, Facebook, Microsoft, Twitter und YouTube ins Leben gerufen worden, um der Verbreitung terroristischer Inhalte auf ihren Plattformen entgegenzuwirken. Über eine Datenbank können die Unternehmen Google zufolge „digitale Fingerabdrücke“ für terroristische Inhalte erstellen und diesen mit anderen Firmen teilen, um Weiterverbreitung zu erkennen. Über diese Methode des „Hashing“ konnte Facebook eigenen Angaben zufolge in den ersten 24 Stunden nach dem Anschlag etwa 1,5 Millionen Videos weltweit löschen. Mehr als 1,2 Millionen davon seien bereits beim Hochladen blockiert worden.

          „Wir bleiben geschockt und betrübt angesichts dieser Tragödie und sind entschlossen, mit den Führungen in Neuseeland und anderen Ländern sowie der Technologieindustrie zusammen zu arbeiten, um Hassreden und die Bedrohung durch Terrorismus zu bekämpfen“, teilte Facebook zudem mit. 

          Die neuseeländische Premierministerin griff die Rolle der sozialen Netzwerke in einer viel beachteten Parlamentsrede am Dienstag auf und forderte Facebook auf, die Verbreitung terroristischer Inhalte zukünftig wirksamer zu unterbinden. Laut ABC erwägen neuseeländische Unternehmen, ihre Werbeanzeigen bei Facebook zurückzuziehen, bei einigen wie dem staatlichen Lotto-Konzern ist die Entscheidung bereits gefallen. Ein Sprecher des Unternehmens begründete das laut ABC damit, dass für Werbung auf Facebook „der Ton sich nicht richtig anfühlt im Nachgang dieser Ereignisse“. Auch Google ist von dem Vertrauensentzug betroffen.

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