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Stimmung in Großbritannien : 112 Brexit-Wahlkreise wollen doch lieber bleiben

Brexit-Gegner demonstrieren im Juli vor dem britischen Parlament. Bild: EPA

Selbst der Wahlkreis von Boris Johnson will nicht mehr raus aus der EU: In vielen Gegenden, die für den Brexit gestimmt haben, hat sich die Stimmung geändert – vor allem unter Anhängern einer Partei.

  • Aktualisiert am

          Weniger als acht Monate vor dem geplanten EU-Austritt Großbritanniens hat Premierministerin Theresa May noch kein Konzept vorgelegt, das sowohl ihre Partei als auch die Europäische Union akzeptiert. Und laut einer Analyse der britischen Sonntagszeitung „Observer“, die zur Guardian-Mediengruppe gehört, wollen Wähler in 112 Wahlkreisen, die sich 2016 für einen Austritt aus der EU ausgesprochen haben, nun doch lieber Teil der Gemeinschaft bleiben.

          Den Stimmungswandel führt der „Guardian“ vor allem auf ein Umdenken von Labour-Wählern zurück, die vor zwei Jahren für den Austritt aus der EU gestimmt haben. Am stärksten ist der Trend demnach in Nordengland und Wales, wo die Labour-Partei traditionell stark ist. Nach Angaben des „Guardian“ sind derzeit 341 der insgesamt 632 Wahlkreise in England, Schottland und Wales für einen Verbleib Großbritanniens in der Gemeinschaft. Beim Referendum im Juni 2016 waren es nur 229.

          Auch Boris Johnsons Wahlkreis

          Unter den Wahlkreisen, in denen sich die Haltung zum Brexit geändert hat, ist demnach auch Uxbridge und South Ruislip, der Wahlkreis von Boris Johnson. Der ehemalige Außenminister hatte sich vor dem Referendum für einen EU-Austritt Großbritanniens stark gemacht. In seinem Wahlkreis sei die Zustimmung für einen Verbleib in der EU laut „Guardian“ von 43,6 auf 51,4 Prozent angestiegen.

          In England haben demnach 97 Wahlkreise ihre Einstellung zum Brexit geändert, in Wales 14 und in Schottland einer. Die Analysten von Focaldata kommen deshalb zu dem Schluss, dass 53 Prozent der wahlberechtigten Briten sich derzeit wünschen, dass Großbritannien in der EU bleibt, und sich 47 Prozent für einen Austritt aussprechen.

          Im Juni 2016 hatten sich 51,9 Prozent der Briten für einen Austritt aus der EU ausgesprochen, 48,1 Prozent waren dagegen. War das Ergebnis damals schon knapp, hat sich die Stimmung der Briten zum Brexit angesichts der schleppenden Verhandlungen zwischen London und Brüssel inzwischen gewandelt – zumindest legen das Umfragen nahe. Erst am Freitag hatte das Meinungsforschungsinstitut YouGov die Ergebnisse einer Befragung veröffentlicht, der zufolge sich die Hälfte der Briten ein weiteres Brexit-Referendum wünscht, sollten die Austrittsverhandlungen mit der EU ohne Einigung bleiben. Einem zweiten Referendum hat Premierministerin May allerdings wiederholt eine Absage erteilt.

          Für die Untersuchung im Auftrag des „Observers“ werteten die Analysten von Focaldata laut „Guardian“ zwei Umfragen von YouGov mit insgesamt mehr als 15.000 Teilnehmern aus, eine war vor der Vorstellung von Theresa Mays Weißbuch zum Brexit am 6. Juli durchgeführt worden, die andere danach. Zusätzlich verwendeten die Meinungsforscher Bevölkerungszahlen und Daten des nationalen Statistikamtes. Die Analyse wurde von „Best for Britain“, einer Organisation, die sich für den Verbleib Großbritanniens in der EU einsetzt, und der antirassistischen Organisation „Hope Not Hate“ in Auftrag gegeben.

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