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Lehren aus Fukushima : Kaiser Naruhito dankt und mahnt

Buddhistische Mönche beten in Kesennuma für die Opfer der verheerenden Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe vor zehn Jahren. Bild: dpa

Vor zehn Jahren überrollte ein Tsunami den Nordosten Japans, zerstörte Küstenstädte und führte im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi zur Kernschmelze. Fast 19.000 Menschen sind damals gestorben.

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          Japan gedenkt an diesem Donnerstag der fast 19.000 Menschen, die bei der verheerenden Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe vor zehn Jahren ums Leben kamen. In den Tsunamigebieten im Nordosten Japans beteten Überlebende des Unglücks bei Sonnenaufgang an der Küste. Andere legten an den Gräbern der Verstorbenen Blumen nieder. Um 14.46 verharrten viele Menschen in Japan für eine Gedenkminute.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Am 11. März vor zehn Jahren um 14:46 Uhr Ortszeit hatte ein schweres Erdbeben der Stärke 9 vor der Küste die Region im Nordosten erschüttert. Fast eine Stunde später traf ein gewaltiger Tsunami das Land und riss Menschen und Häuser mit sich fort. Die Flutwelle überschwemmte im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi die Notstromaggregate. In der Folge kam es zu Wasserstoffexplosionen und zur Kernschmelze in drei der sechs Reaktoren.

          Vor allem in den westlichen Ländern wurde der Atomunfall in dem Kraftwerk Fukushima Daiichi zum Symbol für die dreifache Katastrophe, die in Japan mit der Chiffre „3/11“ verbunden ist. Im Gegensatz zu Deutschland, das nach dem Unfall im fernen Kraftwerk Fukushima Daiichi den Ausstieg aus der Atomkraft einleitete, hält Japan an der Technologie als Teil einer umweltfreundlichen Energieversorgung fest.

          Eine betende Frau an der Küste von Hisanohama
          Eine betende Frau an der Küste von Hisanohama : Bild: AFP

          Kaiser Naruhito erinnerte während der zentralen Gedenkveranstaltung in Tokio an die Verstorbenen und an das Leid derjenigen, die nach der Katastrophe die Region um das havarierte Kraftwerk verlassen mussten und bis heute nicht zurückkehren konnten. Naruhito sprach den Opfern sein tiefstes Mitgefühl aus und dankte allen Japanern und ausländischen Freiwilligen und Einsatzkräften, die in den vergangenen zehn Jahren geholfen hätten. Der Kaiser mahnte dazu, die Lehren aus der Katastrophe nie zu vergessen.  

          Viele Tausend Menschen starben

          Anders als in Europa und Deutschland, wo das Interesse vor allem auf den Atomunfall fokussiert, blickt Japan mehr auf die Opfer der Flutkatastrophe. Die Zahl der Toten wird mit fast 16.000 beziffert. Hinzu kommen etwa 2500 vermisste Menschen, die vermutlich ins Meer gespült wurden. Mehr als 3000 Menschen starben nach der Katastrophe an den psychischen und physischen Lasten der teils jahrelangen Evakuierung und werden zusätzlich als Todesopfer gezählt.

          Etwa 40.000 Menschen leben immer noch fern der Heimat, die meisten davon in der Präfektur Fukushima. Manche können nicht zurückkehren, weil ihre Häuser in der verbliebenen Sperrzone um das havarierte Kraftwerk stehen. Manche wollen nicht zurückkehren, weil sie nach zehn Jahren ihr Leben anderswo neu aufgebaut haben. Die Sperrzone rund um das Kraftwerk beträgt derzeit noch 337 Quadratkilometer oder 30 Prozent der ursprünglichen Fläche. Die Sperrzone entspricht etwa 38 Prozent der Fläche Berlins.

          Der Vorsitzende der japanischen Atomaufsicht, Fuketa Toyoshi, warnte am Jahrestag des Desasters vor Nachlässigkeit. Der Kampf für Sicherheit sei eine stete Schlacht, die Zahl von unerwarteten Vorfällen zu verringern, sagte Toyoshi. Wenn man sich nur auf frühere Erfahrungen verlasse, ließen sich schwere Unfälle nicht vermeiden. Japan hatte nach dem Atomunglück die Aufsicht neu strukturiert, weil die vorherige Regulierungsbehörde zu stark unter dem Einfluss der Energieversorger stand.

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