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Auschwitz-Schriftzug gestohlen : Keine normalen Metalldiebe

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Frankfurt, 18. Dezember. Der zynische Schriftzug "Arbeit macht frei" über dem Eingang zum Konzentrationslager Auschwitz ist eines der Symbole der nationalsozialistischen Verbrechen. Zugleich enthält das Tor, zu dessen Herstellung ...

          Der zynische Schriftzug "Arbeit macht frei" über dem Eingang zum Konzentrationslager Auschwitz ist eines der Symbole der nationalsozialistischen Verbrechen. Zugleich enthält das Tor, zu dessen Herstellung polnische politische Häftlingen gezwungen worden waren, ein Zeichen des Widerstands der wehrlosen Häftlinge: Das "B" in Arbeit steht auf dem Kopf. Am Freitag morgen entdeckten Wächter der Gedenkstätte, dass der fast fünf Meter lange Schriftzug fehlte - er war gestohlen worden. Der Diebstahl rief große Empörung hervor, denn dass es sich bei den Tätern nicht um einfache Metalldiebe handeln kann, gilt als sicher, auch wenn am Freitag von ihnen noch jede Spur fehlte. "Das ist kein Diebstahl, das ist eine Entweihung dieses Ortes", sagte ein Museumssprecher. Ähnliche Worte wählte auch die israelische Regierung, die die "scheußliche Tat" verurteilte. Der Leiter der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem Avner Shalev sprach von einer "Kriegserklärung" vermutlich von Neonazis. Bestürzt äußerte sich auch die Bundesregierung. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes äußerte die Hoffnung, dass die Tat bald aufgeklärt werde.

          Polens Präsident Lech Kaczynski äußerte sich wie viele andere polnische Politiker entrüstet über einen Anschlag auf das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus - selten konnte man in den vergangenen Jahren die polnische Politik lagerübergreifend mit derart gleichlautenden Erklärungen vernehmen. Ministerpräsident Donald Tusk ordnete "schnellstmögliche Aufklärung" an.

          Die Polizei leitete sofort nach Bekanntwerden des Diebstahls, der vermutlich zwischen drei und fünf Uhr in der Nacht verübt worden ist, eine Großfahndung ein und kontrollierte an Straßensperren Autos. Die Frage, wie es überhaupt zu dem Diebstahl kommen konnte, beschäftigte derweil das ganze Land - aus Spuren im Schnee schließt die Polizei, dass die vermutlich mindestens drei Diebe den Schriftzug als Ganzes durch ein Loch im Zaun der Gedenkstätte abtransportiert haben. Das Gelände des Lagers Auschwitz wird zwar zum Teil von Kameras überwacht, aber die Kamera, die das Eingangstor erfasst, kann laut Berichten polnischer Medien Bilder nur direkt übertragen, aber nicht aufzeichnen. Gefragt wird nun, ob die Gedenkstätte von genügend Wachleuten bewacht werde - und wo sie in der kalten Winternacht gewesen seien. In polnischen Medien wurde spekuliert, es könne sich um eine Tat auf Bestellung gehandelt haben. Sicher ist nach Angaben der Polizei und der Museumsleitung auf jeden Fall, dass die Täter gut vorbereitet waren und genau wussten, auf welchen Wegen sie sich zu bewegen und wie sie vorzugehen hatten.

          Die Besucher des Museums bekamen das Tor indes schon am Mittwoch so zu sehen, wie es seit den Verbrechen der Nationalsozialisten, die dort zwischen 1940 und 1941 mehr als eine Million Menschen ermordeten, aussah. Die Museumsleitung ließ eine Kopie anbringen, die angefertigt worden war, als das Original vor einigen Jahren restauriert wurde.

          Die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten der Bundesländer hatten erst Anfang der Woche beschlossen, dass Deutschland die Erhaltung der Gedenkstätte unterstützen wird, indem es sich mit insgesamt 60 Millionen Euro an der im Sommer gegründeten Internationalen Auschwitz-Stiftung beteiligt.

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