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Ausbildung von Peschmerga-Kämpfern : Von der Leyen: „Der IS ist unser gemeinsamer Feind“

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Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Brigadegeneral Gert-Johannes Hagemann (r.) beobachten die Ausbildung kurdischer Kämpfer an einer Panzerabwehrwaffe Bild: AFP

Die Verteidigungsministerin steht unter Druck: immer mehr internationale Verpflichtungen, Ausrüstungsmängel bei der Bundeswehr und der „Foto-Ministerin“-Vorwurf. Nun besuchte von der Leyen in Hammelburg die Ausbildung kurdischer Kämpfer.

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          Der deutsche Ausbilder an der Infanterieschule der Bundeswehr im unterfränkischen Hammelburg hebt die Hand. „Very, very good job“, sagt er. Die vier kurdischen Peschmerga schlagen reihum ein. Wenige Meter daneben steht Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und lässt sich von Brigadegeneral Gert-Johannes Hagemann am Donnerstag in bullig warmer Herbstsonne die Ausbildung der Kurden an der Panzerabwehrwaffe „Milan“ erklären. 30 dieser Waffen und 500 Lenkflugkörper dafür bekommen die Kurden von Deutschland für den Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) im Nordirak.

          Seit vergangenem Freitag sind die 32 kurdischen Offiziere bereits in Deutschland, tagelang haben sie sich mit der laut Hagemann „leicht zu erlernenden“ Panzerabwehrwaffe mit rund zwei Kilometer Reichweite befasst. In der Theorie, in der Simulation und seit einigen Tagen auch in echt. Was das heißt, zeigen die Kurden im Übungsdorf „Bonnland“ der Bundeswehr. Sie klappen die Dreibeine der Waffe aus, montieren sie, demontieren sie. Und wieder von vorne. Immer und immer wieder. Im Ernstfall darf schließlich nichts schiefgehen. Dazwischen hört man immer wieder englische Wortfetzen und einen kurdischen Dialekt.

          „Erst der Anfang“

          Die Ministerin zeigt sich beeindruckt von der Lernwilligkeit und dem Engagement der Peschmerga, „die stellvertretend für viele andere im Nordirak“ gegen die IS-Terroristen aufgestanden seien. Der „Islamische Staat“ sei gut finanziert und mit moderner Waffentechnik ausgerüstet, während die kurdischen Soldaten größtenteils mit veralteten Waffen noch aus Sowjetzeiten kämpfen müssten. Von der Leyen kündigt an, die Ausbildung an der „Milan“ sei erst der Anfang, „die Zusammenarbeit wird sicher fortgesetzt und intensiviert“. Zudem werde die Bundeswehr Ärzte in den Nordirak schicken, um Minen-Opfer zu behandeln.

          Der kurdische Major, der die Gruppe der Offiziere anführt, dankt der Bundeswehr ausdrücklich für Waffen, Munition und die Schulung. Deutschland sei „das erste Land, das uns Peschmerga für den Kampf gegen die IS-Miliz ausbildet“. Die Lage im Irak sei kritisch, sagt er, im kurdischen Norden allerdings „etwas besser“. Der 36 Jahre alte Major sieht den Westen allerdings auch in der Verantwortung, sich im Kampf gegen den IS weiter zu engagieren. Die IS-Kämpfer aus Europa, die in den Irak und nach Syrien reisten, seien noch „viel zielstrebiger und viel grausamer“ als die einheimischen IS-Kämpfer.

          Im Gespräch mit Ministerin und Brigadegeneral: Ein kurdischer Major berichte über die Kämpfe mit der IS-Terrormiliz

          Die jüngst als „Foto-Ministerin“ kritisierte von der Leyen vermeidet bei ihrem Besuch in Hammelburg einen allzu intensiven Kontakt zur Presse. Sie widmet sich demonstrativ dem Gespräch mit Bundeswehr-Soldaten und Peschmerga-Kämpfern. Dem Peschmerga-Major sagt sie auf Englisch: „Der IS ist unser gemeinsamer Feind.“ Ansonsten belässt es von der Leyen bei einem knappen Statement mit nur wenigen Nachfragen, ehe sie mit einem Helikopter der Luftwaffe wieder Richtung Berlin abhebt. Kurz zuvor bringt sie noch die Erhöhung des Wehretats ins Gespräch. Eine bessere Materiallage koste eben mehr Geld.

          Das bekommen in gewisser Weise auch die Peschmerga zu spüren. Denn eine Lenkrakete für die „Milan“ kostet der Bundeswehr zufolge um die 7.000 Euro. Deshalb wurde an den ersten sechs Tagen der Ausbildung auch keine einzige der Panzerabwehraketen abgefeuert. „Morgen wird geschossen“, kündigt Brigadegeneral Hagemann an. Schon am Samstag kehren die kurdischen Soldaten in ihre Heimat zurück. Dort sollen sie als Multiplikatoren andere Soldaten im Umgang mit der tragbaren Waffe schulen. „Die ’Milan’ ist sehr wichtig für uns“, sagt der kurdische Major, denn bisher habe man nicht über panzerbrechende Waffen verfügt.

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