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Aung San Suu Kyi : Burmas Stachel

Freiheit für die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi Bild: dpa

Wenn es eine Person gibt, die den anschwellenden Straßenprotest inspirieren kann, dann ist es die 62 Jahre alte Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, die wie niemand sonst für die Hoffnung auf Demokratie in Burma steht.

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          Am Wochenende wurde sie zum ersten Mal wieder in der Öffentlichkeit gesehen. Sie trat kurz aus ihrem Haus, das sie in den vergangenen 17 Jahren nur ganz selten verlassen durfte, und grüßte die Mönche, die vorbeimarschierten. Mit einem der Demonstrationsanführer kam es zu einem kurzen Gespräch, Augenzeugen wollen Tränen gesehen haben; dann verschwand sie wieder hinter der Tür. Warum die Junta zuließ, dass die burmesische Oppositionsführerin an diesem heiklen Punkt der politischen Entwicklungen eine Solidaritätsadresse abgeben durfte, gehört zu den vielen Fragen, auf die Kenner des Landes derzeit Antworten suchen. Denn wenn es eine Person gibt, die den anschwellenden Straßenprotest inspirieren kann, dann ist es die 62 Jahre alte Aung San Suu Kyi, die wie niemand sonst für die Hoffnung auf Demokratie in Burma steht.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Als sie vor 19 Jahren in ihre Heimat zurückkehrte, um sich um ihre kranke Mutter zu kümmern, entdeckte sie ein Land wieder, das sie fast nur aus Büchern kannte. Beinahe dreißig Jahre hatte sie im Ausland verbracht, zunächst in Indien, wo ihre Mutter als Botschafterin diente, dann im britischen Oxford und bei den Vereinten Nationen in New York. Später kehrte sie nach Oxford zurück, heiratete einen Briten und begann sich verstärkt mit der Geschichte Burmas zu beschäftigen, die eng mit der eigenen Familie verbunden ist. Ihr Vater, Aung San, führte die burmesische Befreiungsarmee gegen die britische Kolonialmacht und gilt als einer der Staatsgründer Burmas; als er 1947 ermordet wurde, war sie gerade zwei Jahre alt.

          Zurück auf burmesischem Boden geriet sie rasch in den Strudel der Demokratiebewegung, gegen die die Junta brutal vorging. Ihre „Nationalliga für Demokratie“ (NLD) setzte sich an die Spitze der gewaltfreien Rebellion. 1990 ertrotzte sie sich Wahlen, die sie mit einer überwältigenden Mehrheit gewann. Aber statt den Triumph der Demokraten zu respektieren, brachten die Generäle zahlreiche NLD-Führer hinter Gitter und stellten die Wahlsiegerin unter Hausarrest.

          Aung San Suu Kyi zeigt sich an ihrer Haustür (Videobild)

          Bis heute ist Aung San Suu Kyi, die 1991 den Friedensnobelpreis erhielt, der Stachel im Fleisch der Junta. Wann immer die international weithin isolierten Generäle Kontakt zu anderen Regierungen aufnehmen, werden sie auf die Oppositionsführerin angesprochen. In der ganzen Welt bildeten sich Solidaritätskomitees, die nicht nur zum traurigen Jahrestag die Freilassung Frau Suu Kyis fordern. Selbst die in politischen Angelegenheiten zurückhaltende Ehefrau des amerikanischen Präsidenten George W. Bush setzte sich unlängst für sie ein. Zweimal, 1995 und im Jahr 2002, wurde der Hausarrest aufgehoben, aber beide Male waren die Militärs so schockiert von der ungebrochenen Popularität der Oppositionsführerin, dass sie sie wieder einsperren ließen.

          Die Angebote, ins Exil zu gehen, lehnte Frau Suu Kyi regelmäßig ab. Sie verzichtete auf die Teilnahme an der Beerdigung ihres Mannes; ihre beiden Söhne hat sie seit 19 Jahren nicht mehr gesehen. Die Entbehrungen haben Spuren hinterlassen. Ein Demonstrant, der Frau Suu Kyi am Samstag gesehen hat, beschrieb sie als „blass“. Seit Anfang der Woche ist ihr Haus in Ranguns University Avenue wieder abgeriegelt.

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