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August Hannig : Der Nüchterne

August Hanning (1998) Bild: AP

Den Nimbus eines Geheimdienstchefs will August Hanning nicht verbreiten. Er agiert nüchtern, sachlich, präzise in der Weise, die eine juristische Ausbildung vermittelt. Der Chef des Bundesnachrichtendienstes, des 6000 Mitarbeiter zählenden deutschen Auslandsgeheimdienstes, ist auch nicht in jener diskreten Behörde aufgestiegen, sondern vor fünf Jahren von Bundeskanzler Schröder in das Präsidentenamt geholt worden.

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          Den Nimbus eines Geheimdienstchefs will August Hanning nicht verbreiten. Er agiert nüchtern, sachlich, präzise in der Weise, die eine juristische Ausbildung vermittelt. Der Chef des Bundesnachrichtendienstes, des 6000 Mitarbeiter zählenden deutschen Auslandsgeheimdienstes, ist auch nicht in jener diskreten Behörde aufgestiegen, sondern vor fünf Jahren von Bundeskanzler Schröder in das Präsidentenamt geholt worden. Diesen Berufsweg teilt Hanning mit manchen Vorgängern, etwa dem späteren Staatssekretär Geiger oder dem späteren Außenminister Kinkel. Aber Hanning kannte den Bundesnachrichtendienst zuvor schon genauer - er war in den letzten Regierungsjahren Kohls im Kanzleramt als Abteilungsleiter für die Koordinierung der Geheimdienste zuständig; er prägte und veränderte den BND in seiner bisherigen Amtszeit als Präsident stärker als die meisten seiner acht Vorgänger.

          Johannes Leithäuser
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Hanning hat die Behörde, die 1990 mit dem Ende des Ost-West-Konflikts eine Phase der Verunsicherung erlebte, mit einem neuen Rollenverständnis ausgestattet und auch erreicht, diese veränderte Funktion des Dienstes seinen "Kunden" nahezubringen, also den Empfängern nachrichtendienstlicher Erkenntnisse im Kanzleramt, im Auswärtigen Amt und in anderen Ministerien, doch auch gegenüber der Öffentlichkeit ein Bild zu zeichnen, das die klassischen Geheimdienstklischees durch neue Eindrücke einer seriös und umfassend Informationen aufbereitenden Nachrichtenagentur ersetzte.

          Diese nüchterne Informationsaufgabe bestimmte Hannings Rolle auch im aktuellen Fall. Die Erkenntnisse über die Gefährdung des Bundespräsidenten waren offenbar auch die Frucht einer gezielten Voraufklärung am geplanten Besuchsort. Sie wurden eingefügt in eine Informationslage, die der Nachrichtendienst ständig vor allem in jenen Gegenden aktualisiert, in denen deutsche Interessen berührt sein könnten. Auf seine Quellen in der arabischen Welt hält sich der BND überhaupt viel zugute; sie sind übrigens wesentlich die Frucht jener beschämenden Vorgänge in den achtziger Jahren, in denen deutsche Exporteure den Diktatoren im Irak und in Libyen die technischen Voraussetzungen zur Herstellung von Giftgas lieferten. Die Beobachtung der arabischen Welt ist seither auch ein Schwerpunkt von Hannings eigener Aufmerksamkeit geblieben. Schon lange vor den Terrorangriffen auf Amerika am 11. September 2001 - die er selbst freilich auch als Überraschung erlebte - informierte er über wachsende, von einem radikalen Islam ausgehende Gefahren für die westliche Welt, wobei der Bogen der Besorgnis sich von den Philippinen über Zentralasien bis in den Mittelmeerraum spannte. Hanning kennt alle diese Gegenden aus eigener Anschauung. Er war an den Befreiungsaktionen deutscher Geiseln auf den Philippinen und in Algerien/Mali beteiligt, sah sich vor Jahren selbst in Tschetschenien um, begleitete den Austausch von Toten und Gefangenen zwischen Israel und der libanesischen Hizbullah. Die Frage nach seiner Fortune im Amt wird aber womöglich anhand eines ganz anderen Vorhabens entschieden: des Umzuges der Behörde von Pullach nach Berlin. Hanning hat als erster darauf gedrungen, die Sicherheitsagenturen der Bundesrepublik müßten am Regierungssitz versammelt sein, und er hat die Verlegung seines Amtes geschickter vorbereitet als andere. Erfolgreich abgeschlossen ist sie noch nicht.

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