https://www.faz.net/-gpf-8diyo

Frauke Petry in Augsburg : Provinzkonflikte in der Stadt des Friedens

  • -Aktualisiert am

„Augsburg ist bunt“: Protest gegen Frauke Petrys Rede im Saal Bild: dpa

Erst hatte sie Hausverbot, dann durfte AfD-Chefin Petry doch ins Augsburger Rathaus. Draußen wurde sie kritisiert, drinnen unterbrochen, aber am Ende konnten alle irgendwie zufrieden sein.

          2 Min.

          Eigentlich ist es ein Auftritt als Trümmerfrau: Der Neujahrsempfang der AfD-Stadtratsmitglieder in Augsburg wäre unter normalen Bedingungen ein Moment voller schmerzhafter Erinnerungen für Frauke Petry geworden. 2014 hatte die Partei bei den Kommunalwahlen noch respektable 5,9 Prozent geholt. Aber mit dem Konflikt zwischen Petry und Lucke kam es auch in Augsburg zur Spaltung. Jetzt gibt es nur noch zwei Vertreter der Partei, und wäre der Augsburger Oberbürgermeister Kurt Gribl von der CSU nach Petrys Schusswaffenäußerung nicht auf die Idee verfallen, ihr im Rathaus demonstrativ ein Hausverbot zu erteilen, wäre ihr Auftritt in der schwäbischen Provinz bei ihrer Restfraktion allenfalls ein lokales Thema.

          Aber das Hausverbot erwies sich als peinlicher Fehlschlag: Gribl, der selbst Jurist ist und sich in diesem Metier auskennen sollte, kassierte gegen Petry vor Gericht eine krachende Niederlage. Weil der Empfang in den repräsentativen Räumen im zweiten Stock des Rathauses nicht mehr verhindert werden konnte, setzte Gribl lieber symbolisch eins drauf: Über den von der AfD gebuchten Räumen befindet sich der berühmte Goldene Saal von Elias Holl, und gewissermaßen auf dem Köpfen der AfD fand eine öffentliche Sondersitzung des Stadtrates statt. Thema war unter anderem eine Resolution zum Frieden, was die AfD empörte. Sie legte das, sicher nicht falsch, als unfriedlichen Akt gegen sich aus und blieb mit anderen Vertretern der Opposition fern.

          Etwa 2000 Gegendemonstranten

          Dabei wurde Petry in Augsburg sehr wohl willkommen geheißen: Gegenüber des Rathauses hatten sich rund 2000 Menschen versammelt, um weitgehend friedlich gegen die Politik der AfD zu demonstrieren. Auf einem Spruchband stand in Erinnerung an die Rolle der Stadt bei der Durchsetzung des Religionsfriedens in Deutschland „Augsburg – Wir sind Friedensstadt“.

          Als Mensch, so ein Sprecher des Stadtjugendrings, sei Frau Petry in Augsburg willkommen, nicht aber die Politik und die Ansichten, für die sie stehe. Als Zeichen des Protest stiegen hunderte Luftballons mit der Aufschrift „Amore statt Peng Peng“ in die Luft, während hinter dem Rathaus eine kleine Gruppe linker Demonstranten Klassiker der umfassend staatsfeindlichen Slogans intonierte. Auf manchen Plakaten wurde auch der bayerische Ministerpräsident Seehofer für seine Asylpolitik hart angegangen.

          Störer im Saal

          Petry verzichtete darauf, Augsburg an weniger friedfertige, aber symbolträchtige und der AfD mehr zusagende historische Momente zu erinnern: Auf dem Lechfeld vor der Stadt wurden im zehnten Jahrhundert die Ungarn nach Jahrzehnten der Invasionen vernichtend geschlagen. Statt dessen blieb Petry auch betont gelassen, als rund 20 Personen im Saal demonstrierten, und bot ihnen im Anschluss persönliche Gespräche an.

          „Amore statt Peng Peng“: Luftballons steigen vor dem Augsburger Rathaus auf
          „Amore statt Peng Peng“: Luftballons steigen vor dem Augsburger Rathaus auf : Bild: Rainer Meyer

          Als versucht wurde, ihre Rede massiv zu stören, wurden die Angehörigen der Antifa aus dem Saal geleitet. Offensichtlich durch die Nachwirkungen ihrer Schusswaffeneinlassung vorsichtig geworden, übte sich Petry vor dem belagerten Publikum in Mäßigung und stellte ihre Partei lieber als Garant des Rechtsstaates und als Opfer von Verfolgung und Beleidigung dar. Draußen vor den Fenstern, auf dem Platz, konnte man tatsächlich manches harte Wort auf Plakaten lesen.

          Letztlich konnte sich jeder an diesem Abend als Sieger fühlen: Petry hat sich durchgesetzt und im historischen Rathaus eine Rede gehalten. Gribl hat ihr gezeigt, dass sie trotzdem nicht erwünscht ist und unten zu bleiben hat. Die Demonstranten haben ein klares Zeichen gesetzt, und die AfD, die sich im zweiten Stock von einem massiven Polizeiaufgebot schützen lassen musste, kennt die neuesten Umfragen aus Bayern: Dort steht die Partei trotz der internen Querelen bei nun schon acht Prozent.

          Unbenanntes Dokument

          Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS

          Die ganze F.A.Z. in völlig neuer Form, mit zusätzlichen Bildern, Videos, Grafiken, optimiert für Smartphone und Tablet. Jetzt gratis testen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Corona-Teststation am Flughafen Dresden International

          Corona-Liveblog : 1345 Neuinfektionen – R-Wert steigt

          Scheuer: Staat muss auch Flughäfen helfen +++ Quarantänepflicht und hohe Strafen in England +++ Infektionszahlen in München steigen weiter +++ Mehrere europäische Länder melden Rekorde bei Neuinfektionen +++ Alle Entwicklungen im Liveblog.
          Es sieht so aus, dass amerikanische Nutzer Tiktok auch weiterhin aufrufen können.

          Trump ist einverstanden : Neuer Deal soll Tiktok in Amerika retten

          Eigentlich sollte heute das Ende der chinesischen Video-App auf dem amerikanischen Markt eingeläutet werden. Nun haben sich gleich zwei Unternehmen gefunden, die gemeinsam eine Lösung bieten wollen. Washington reagiert positiv.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.