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Kommunistische Staaten : Das Geheimnis der Macht

Kriege formten die kommunistischen Staaten

Der Krieg änderte alles. Hatte der Erste Weltkrieg den Bolschewiki in Russland zur Macht verholfen, so führte der Zweite nun dazu, dass die Kommunisten an der Spitze nationaler Widerstandsbewegungen zur Kraft im Weltmaßstab wurden. Überhaupt sind ihre Erfolge untrennbar mit dem Schlachtfeld verbunden. Aus dem Feuer von Kriegen und Bürgerkriegen entstanden die kommunistischen Staaten. Durch den Vormarsch der Roten Armee konnte die Sowjetunion eine Reihe kommunistischer „Volksdemokratien“ im östlichen Europa errichten. Wenig später gelang auch den Kommunisten in China durch eine Volksbefreiungsarmee der Sieg im Bürgerkrieg, wurde eine Volksrepublik China ausgerufen. Wie schon im Fall Russlands spielten auch hier der Zustand des Landes und die nationale Kultur eine entscheidende Rolle, gingen eine ganz eigene Mischung mit der sozialistischen Ideologie ein. Das Nationale überwog auch bei der Revolution von Mao, der, wie Koenen sagt, als Mitbegründer der Kommunistischen Partei von Marxismus und Kommunismus kaum eine Ahnung hatte. „China hat sich wieder erhoben“ – so begann Mao 1949 seine Rede zur Proklamation der Volksrepublik. Es ging um China, auch wenn die Sache mit dem Kommunismus, ganz wie bei den russischen Kommunisten, mit dem Anspruch der Menschheitsbeglückung vorgetragen wurde. „Letzten Endes sind alle kommunistischen Parteien Nationalkommunisten gewesen“, sagt Koenen.

Sowjetunion auf dem Weg zur Supermacht: Ein Rotarmist zelebriert 1943 den Sieg von Stalingrad.

Der Krieg war auch für den Aufstieg der chinesischen Kommunisten wichtig. Zunächst führte das rote China von 1950 an in Korea mit einer Million Soldaten faktisch einen Krieg gegen die Vereinigten Staaten – es war der eigentliche Gründungskrieg der Volksrepublik. Dann gewannen die Kommunisten auch den langen Krieg in Vietnam. „Das Militärische ist die stärkste Leistung der Kommunisten überall, wo sie die Macht ergriffen haben“, sagt Koenen. Der Aufbau eines militärischen Machtstaates war stets Kernelement des kommunistischen Projekts. Fast immer gewannen die Kommunisten ihre Kriege. „Im Felde waren sie unbesiegt“, folgert der Historiker – die Invasion der Sowjets in Afghanistan in den achtziger Jahren sieht er als Ausnahme von der Regel.

Tiefgreifenden Selbstzerstörung der Gesellschaften

Es erscheint folgerichtig, dass der Kommunismus in einer Zeit des Friedens seinen Kollaps erlitt: den Zusammenbruch des Ostblocks 1989 und der Sowjetunion ein Jahr später. Ein Land, das 20 bis 30 Prozent seines Sozialprodukts in die militärische Rüstung gesteckt hatte, konnte nicht weiter bestehen. Koenen: „Das Jahr 1989 ist wahrscheinlich der friedlichste Moment des gesamten 20. Jahrhunderts. Genau in dem Moment bricht die Sowjetunion auseinander, weil die innere Spannung weg ist.“ Nicht zuletzt war der Feind weg, der Westen schien nicht mehr bedrohlich. Damit fehlte die Klammer, die vieles zusammengehalten hatte.

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