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Prozess in Norwegen : Breivik plante weitere Anschläge in Oslo

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Wie mit einem Massenmörder umgehen? Darüber rätseln viele in Norwegen auch nach dem Urteil weiter Bild: AFP

Anders Behring Breivik wollte nach eigener Aussage zwei weitere Bombenanschläge sowie ein zusätzliches Massaker in Oslo verüben. Jahrelang habe er für sein mörderisches Vorhaben trainiert - mit Computerspielen und in einem Schießklub.

          Der norwegische Attentäter Anders Behring Breivik hat nach eigenen Angaben ursprünglich drei Bombenanschläge sowie eine weitere Schießerei in Oslo verüben wollen. Neben der Bombe im Regierungsviertel, bei deren Explosion im vergangenen Juli acht Menschen getötet und Hunderte verletzt wurden, habe er weitere Anschläge auf den Sitz der regierenden Arbeiterpartei und ein drittes Ziel geplant, sagte Breivik am Donnerstag vor Gericht in der norwegischen Hauptstadt. Geplant hatte er demnach eine „sehr umfangreiche Operation“.

          Das dritte Ziel sei noch unklar gewesen, ins Auge gefasst habe er unter anderem den Sitz der Zeitung „Aftenposten“, das Parlament, das Rathaus oder das königliche Schloss, sagte Breivik. Zwar habe er kaum damit gerechnet, alle drei Anschläge zu überleben. Doch für diesen Fall habe er vorgesehen, anschließend das Feuer auf die Bewohner des bekannten Besetzer-Gebäudes Blitz sowie auf die Zentralen der Zeitung „Dagsavisen“ und der Sozialistischen Linkspartei zu eröffnen. Alle Gebäude liegen in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander.

          „Bombenbau kompliziert“

          Den Plan habe er aber verworfen, als er gemerkt habe, dass schon das Herstellen von nur einer Bombe „viel komplizierter war, als ich es gedacht hatte“. Stattdessen erschoss Breivik auf der Insel Utøya 69 Menschen in einem Ferienlager der Sozialdemokraten.

          Bei seinen Anschlägen vom 22. Juli 2011 habe er kaum damit gerechnet, Oslo lebend verlassen zu können, sagte Breivik weiter. Er habe erwartet, dass er auf dem Weg aus der Stadt zum Jugendlager auf Utøya auf bewaffnete Polizisten stoßen werde. „Ich schätzte meine Überlebenschance auf weniger als fünf Prozent.“

          Jahrelang trainiert mit Computerspielen

          Bereits seit dem Jahr 2006 bereitete sich Breivik nach eigenen Angaben auf die Massaker in Oslo und Utøya vor. Er sei damals im Alter von 27 Jahren zu seiner Mutter zurückgekehrt, um sich ganz seinen Plänen zu widmen, sagte Breivik auf Fragen der Staatsanwaltschaft.

          Schließlich habe er sich eine einjährige Auszeit genommen, um sich täglich mehr als 16 Stunden dem Online-Computerspiel „World of Warcraft“ zu widmen. Ab 2010 habe er dann gezielt mehrere  Stunden in der Woche mit dem Ego-Shooter-Spiel „Modern Warfare“ verbracht, um ein besseres Gefühl für den Umgang mit Schusswaffen zu bekommen. Der damit verbundene Abbruch sozialer Kontakte habe es ihm erleichtert, sich auf die als Selbstmord-Operation geplanten Anschläge vorzubereiten. Eigentlich könne er „Modern Warfare“ wenig abgewinnen, sagte Breivik, „doch zum Trainieren war es sehr gut“.

          Darüber hinaus habe er für den Anschlag in einem Schießklub trainiert und sich echte Waffen besorgt, denen er Namen aus der nordischen Mythologie gegeben habe. Seit damals habe er gewusst, dass es eines Tages zu einer „Selbstmord-Operation“ kommen werde, sagte Breivik an seinem vierten Prozesstag. Er habe nicht sterben wollen, ohne den „Traum eines ganzen Lebens“ verwirklicht zu haben.

          Breivik wurde noch am Abend der Anschläge von Oslo und Utøya von der Polizei festgenommen und hat die Anschläge bereits gestanden. Die entscheidende Frage in dem auf zehn Wochen terminierten Verfahren wird die Schuldfähigkeit des Angeklagten sein. Zwei Gutachten kamen hier zu gegensätzlichen Ergebnissen.

          Am Donnerstag wurde bekannt, dass Norwegen offenbar eine deutsche Breivik-Sympathisantin ausgewiesen hat. Wie der norwegische Fernsehsender TV2 auf seiner Internetseite berichtete, versuchte die Frau zum Prozessauftakt am Montag in das Gerichtsgebäude in Oslo zu gelangen.

          Sie sei am Vortag aus Stuttgart angereist und habe für 14 Tage ein Hotel gebucht, um den Prozess zu verfolgen, hieß es. Die Frau soll Briefe an Breivik geschrieben und behauptet haben, dessen Freundin zu sein. Der deutschen Polizei soll sie bekannt sein.

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