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Attentate in Norwegen : Anwalt: Breivik plante noch weitere Anschläge

Auf dem Weg zum zweiten Verhör: Anders Breivik auf dem Rücksitz eines Polizeiwagens Bild: AFP

Nach Angaben des Anwalts hatte der Attentäter Pläne für weitere Terroranschläge. Aus dem zweiten Verhör mit Breivik wurde indes nichts bekannt. Inzwischen gab die Polizei bekannt, dass offiziell 77 Menschen ums Leben kamen.

          Anders Behring Breivik wollte am vergangenen Freitag offenbar nicht nur den Doppelanschlag auf das Regierungsviertel von Oslo und das Sommerlager der norwegischen Jungsozialisten auf der Insel Utøya im Tyrifjord verüben, sondern auch Bombenattentate auf mindestens zwei weitere Gebäude in der norwegischen Hauptstadt. „Er hatte verschiedene konkrete Pläne“, zitierte die Zeitung „Aftenposten“ am Freitag Breiviks Anwalt Geir Lippestad.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Polizei hat diese Darstellung inzwischen bestätigt, ohne Details zu nennen. Staatsanwalt Pl-Jørgen Hjort-Kraby bekräftigte überdies, dass Breivik auf Utøya die frühere Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland töten wollte, die dort am Freitagvormittag voriger Woche eine Rede gehalten hat. Breivik erreichte die Insel am Nachmittag und erschoss dort 69 Besucher des Sommerlagers, bevor er von einer Spezialeinheit der Polizei festgenommen wurde. Durch die vorherige Bombenexplosion im Zentrum von Oslo wurden acht Menschen getötet. Diese Zahlen bestätigte die Polizei inzwischen endgültig. Zudem wurden am Freitag auch die letzten noch offenen Namen der Opfer veröffentlicht. Fast alle Toten von Utøya waren Teenager im Alter zwischen 14 und 19 Jahren. Zu den Opfern dort gehörte auch eine 21-jährige Frau aus Georgien.

          Eine Woche nach dem Doppelattentat wehten die Flaggen in ganz Norwegen abermals auf Halbmast. Im kleinen Ort Nesodden wurde das erste jugendliche Opfer des Massakers auf Utøya beigesetzt. Die Arbeiterpartei hielt am Mittag in Oslo eine Gedenkveranstaltung in der Zentrale des norwegischen Gewerkschaftsbunds ab. Ministerpräsident Jens Stoltenberg sagte, die Schüsse auf die Jugend der Partei hätten die ganze Nation getroffen. Auch zum Platz vor der Domkirche von Oslo strömen weiterhin Tausende, um der Opfer zu gedenken.

          Keine neuen Erkenntnisse aus zweitem Verhör mit Breivik

          Die Behörden haben inzwischen mit der Zustimmung der Angehörigen die Namen von mehr als 40 Opfern veröffentlicht. Auch die anderen Getöteten seien nun zweifelsfrei identifiziert, sagte der Stabschef der Osloer Polizei am Freitag. Die am Donnerstag noch anhaltenden Suchaktionen im Tyrifjord sollen deshalb beendet werden. Unklar sei nur der Verbleib einer Person aus dem Ausland, die sich womöglich auf Utøya befunden haben könnte. Die Hinweise darauf seien aber nicht eindeutig.

          Neue Erkenntnisse aus dem zweiten Verhör seit seiner Festnahme, dem Breivik am Freitag in Oslo unterzogen wurde, gelangten zunächst nicht an die Öffentlichkeit. Breivik, der zurzeit in Isolationshaft gehalten wird, habe am Vormittag wie schon zuvor einen ruhigen Eindruck gemacht, teilte Hjort-Kraby mit.

          Erdogan rügt „rassistische Strömung“

          Christen in aller Welt sollten nach Ansicht des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan Lehren aus den Anschlägen in Norwegen ziehen. So müssten sie sich fragen, warum niemand von „christlichem Terror“ rede, obwohl das Wort vom „islamistischen Terror“ in aller Munde sei, sagte Erdogan laut türkischen Presseberichten vom Freitag. „Sie drücken sich davor“, kritisierte er. Eine „rassistische Strömung“ in ganz Europa habe zu dem Massaker beigetragen, so Erdogan. Unter anderem in Frankreich und den Niederlanden werde das Christentum vor allem gegen die Türken in Stellung gebracht.

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