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Attentate in Norwegen : Tote bei Bombenanschlag in Oslo - Schießerei in Jugendlager

  • Aktualisiert am

Schwere Zerstörungen im Regierungsviertel von Oslo Bild: dpa

Bei einem Bombenanschlag in Oslo hat es Tote gegeben. Regierungsgebäude wurden beschädigt, in denen sich das Büro von Ministerpräsident Stoltenberg sowie das Ölministerium befinden. Ein Bewaffneter eröffnete das Feuer in einem Jugendlager nahe Oslo - daran hatte auch Stoltenberg teilnehmen sollen.

          Bei einer Bombenexplosion am Sitz der norwegischen Regierung in Oslo sind nach Polizeiangaben zwei Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. Die Detonation sei von „einer oder mehreren“ Bomben ausgelöst worden, teilte die Polizei mit. Sie forderte die Bevölkerung zum Verlassen der Innenstadt auf.

          Unter anderem wurden Regierungsgebäude beschädigt, in denen sich das Büro von Ministerpräsident Jens Stoltenberg, das Ölministerium und das Finanzministerium befinden.

          Ein Bewaffneter eröffnete wenige Stunden später das Feuer auf ein Jugendlager der norwegischen Sozialdemokraten. Dabei sollen fünf Menschen verletzt worden sein, berichtete der Sender BBC. Der Angreifer soll eine Polizeiuniform getragen haben. Ministerpräsident Stoltenberg sagte im Sender TV2, es gebe in dem Ferienlager auf der Insel Utøya „eine ernste Lage“. Stoltenberg sollte seinem Büro zufolge an dem Treffen teilnehmen, zu dem 560 Menschen erwartet worden waren. Stoltenberg sagte, die Polizei habe ihm geraten, nicht zu verraten, von wo aus er anrufe.

          Trümmer vor einem Regierungsgebäude

          Im norwegischen Fernsehen aus Oslo übertragene Bilder zeigten verwüstete Häuser, über denen teilweise Rauch stand, die Fußwege waren zudem mit Glasscherben übersät. Mehrere Krankenwagen standen auf den Straßen des Regierungsviertels. In dem Bezirk befindet sich auch die Redaktion der „Verdens Gang“, der größten Boulevardzeitung des Landes.

          Eine Journalistin des öffentlich-rechtlichen Radiosenders NRK berichtete, sie habe Menschen gesehen, die „im Blut auf der Straße“ lägen. Überall lägen Glasscherben. „Das ist das totale Chaos“, sagte die Journalistin.

          Stoltenberg in Sicherheit

          Die Explosion ereignete sich gegen 15 Uhr 20 in der Nähe des Finanzministeriums und in unmittelbarer Nähe des Regierungssitzes. Der Sender CNN berichtete, die Straße sei zum Zeitpunkt der Explosion sehr voll gewesen. Mitarbeiter der Tageszeitung „Aftenposten“ berichteten von Menschen, die blutend auf der Straße lagen.

          Polizei und Rettungskräfte versuchen, sich einen Überblick über die Situation zu verschaffen. Straßen in der Umgebung wurden gesperrt, da weitere Explosionen befürchtet wurden. Die Polizei ordnete auch eine Räumung des Osloer Hauptbahnhofs an. Am Osloer Flughafen Gardermoen kontrollieren bewaffnete
          Polizisten alle ankommenden und abfahrenden Autos.

          Des Anschlags hat sich bislang niemand bezichtigt. Norwegen sieht sich derzeit mit Terrorplänen im eigenen Land konfrontiert, die mit dem Terrornetzwerk al Qaida in Verbindung gebracht werden. Zwei Verdächtige befinden sich derzeit in Haft.

          Vergangene Woche erhob die norwegische Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen im Irak geborenen Geistlichen, der norwegische Politiker mit dem Tod bedroht haben soll, falls er abgeschoben wird. Norwegen ist derzeit mit etwa 700 Soldaten in Afghanistan stationiert und beteiligt sich am Nato-Einsatz in Libyen.

          Sehen Sie hier ein Video der norwegischen Tageszeitung „Aftenposten“:

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          Bislang kaum Anschläge in Skandinavien

          Terroranschläge hat es in Skandinavien bislang kaum gegeben. Kein einziger ist mit dem aktuellen in Oslo vergleichbar. Aus Norwegen selbst ist bislang kein großer Anschlag bekannt.

          11. Dezember 2010: In Stockholm sprengt sich ein Selbstmordattentäter mitten in der Fußgängerzone in die Luft. Der größte Teil des Sprengstoffs detoniert nicht, der Attentäter ist der einzige Tote. Kurz zuvor war etwa 200 Meter entfernt in einer belebten Einkaufsstraße sein Auto explodiert. Dabei wurden zwei Passanten leicht verletzt. Es ist der erste islamistische Anschlag in Schweden. Der Mann soll Ausbildungslager für Terroristen in Pakistan besucht haben.

          10. September 2003: Die schwedische Außenministerin Anna Lindh wird in einem Stockholmer Kaufhaus von einem unbekannten Attentäter mit einem Messer schwer verletzt. Einen Tag später stirbt sie. Der Täter wird wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Das oberste schwedische Gericht teilt 2004 mit, die psychischen Probleme des Mannes reichten nicht aus, um seine Unterbringung in der Psychiatrie zu rechtfertigen.

          28. Februar 1986: Schwedens Ministerpräsident Olof Palme wird auf offener Straße in Stockholm erschossen. Er war mit seiner Ehefrau zu Fuß und ohne Leibwächter durch die Stockholmer Innenstadt gegangen.
          Der Fall ist bis heute nicht abgeschlossen. (dpa)

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