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Attentat auf Olympia 1972 : „Ich wollte gewinnen, möglichst effektiv“

  • Aktualisiert am

Bild: Robert Bochennek

Willi Voss besorgte dem Drahtzieher des Olympia-Attentats Autos und Pässe. Er plante Geiselnahmen. Die in München sah er im Fernsehen.

          Herr Voss, Sie haben vor dem Anschlag in München 1972 viel Zeit mit den Palästinensern verbracht. Wie kam es zum ersten Kontakt?

          Ich hatte einen Bekannten: Udo Albrecht. Er war im Nahen Osten, hatte Kontakt zur Fatah und hat mich dort unten als zuverlässigen Mitkämpfer beschrieben. Eines Tages wurde ich in einem Brief gefragt, ob ich jemanden treffen könnte, der aus Beirut kam. Ich war begierig darauf und sagte zu.

          Wer war der Mann aus Beirut?

          Er nannte sich Wali Saad, Kriegsname Abu Daud. Er war der dritte Mann in der Fatah-Führung, zuständig für den Militärbereich. Ein charismatischer Mensch von hoher Statur. Wenn er einen Raum betrat, guckten alle sofort auf. Sein Gesicht und seine Hände hatten Folternarben. Er hatte etwas sehr Tiefes, Ernstes, vielleicht sogar Bedrohliches an sich. Ich ahnte, der kann über Grenzen gehen.

          Und Sie fanden ihn faszinierend.

          Der Kampf der Palästinenser hat mich berührt; ausgegrenzt und bekämpft, ausgerechnet von dem Volk, das selbst ein schweres Schicksal hatte. Und wenn man dann diese romantische Vorstellung von der Revolution im Kopf hat, dann findet man eine Person wie Abu Daud schlicht faszinierend. 

          Was wollte Abu Daud von Ihnen?

          Er fragte mich, ob ich in der Lage sei, ihm Autos zu besorgen, das war der Anfang der Geschichte. Außerdem wollte er wissen, ob ich jemanden finden könnte, der Dokumente drucken kann. Ich habe jemanden gefunden. Und ich habe drei Autos besorgt. Zwei davon sind angeblich in den Libanon gebracht worden.

          Wofür hat er die Autos gebraucht?

          Für sich, ganz einfach. Die Fatah ist eine konspirative Organisation. Keiner darf mehr wissen, als für seine Aufgabe nötig ist, und daran haben die sich strikt gehalten. 

          Und was geschah mit dem dritten Auto?

          Damit sind wir nach Frankfurt und Köln gefahren. Dort traf Abu Daud Palästinenser. Ich saß dabei, konnte sie aber nicht verstehen. Ich spreche kein Arabisch. In Köln haben wir elegante Leute getroffen. Rückblickend vermute ich, dass es welche von der libyschen Botschaft waren. Und ich denke, dass während dieser Zeit einiges im Vorfeld des Attentates organisiert wurde. Allerdings war mir nicht klar, um was es ging.

          Sie waren tagelang mit Abu Daud im Auto unterwegs. Da haben Sie sich doch sicherlich unterhalten.

          Ja, aber man unterhält sich über das Banale, gepaart mit dem Großen. Über den Geschmack einer Rothmans-Zigarette genauso wie über die Strategien der Revolution. Wie verhält sich die BRD? Wie wir? Immer wieder haben wir darüber gesprochen, was für mich rausspringen wird. Abu Daud sagte, er könne einen Mann wie mich in Beirut brauchen. Und er machte gute Angebote: Du bekommst Geld, Waffen, Wohnungen, alles, was du brauchst. Dazu habe ich ja gesagt.

          Waren Sie mit Abu Daud auch in München?

          Nein. Ich bin mit ihm nach Frankfurt gefahren. Und von dort mit dem Passfälscher Wolfgang Abramowski weiter nach München, und dann haben wir den Nachtzug nach Rom genommen. Aber, wenn Ihre Frage darauf abhebt, wir haben in München nichts Organisatorisches vorbereitet.

          Wenn Sie mit Abramowski eigentlich nach Beirut wollten, warum führte der Weg über Italien?

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