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In Psychiatrie untergebracht : Urteil gegen Attentäter von Waldkraiburg

  • Aktualisiert am

Ein Zellentrakt der JVA Werl Bild: Edgar Schoepal

Der 27-jährige Muharrem D. wurde in München wegen verschiedenen Taten schuldig gesprochen. Eine Haftstrafe muss er aber wegen der Unterbringung in der Psychiatrie zunächst nicht antreten.

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          Der Attentäter von Waldkraiburg wird in der Psychiatrie untergebracht. Eine Schizophrenie habe zu der Anschlagsserie im vergangenen Jahr geführt, sagte der Vorsitzende Richter am Freitag vor dem Oberlandesgericht München. Dazu komme eine islamistische Radikalisierung. Neben der Unterbringung verurteilte das Gericht den 27 Jahre alten Muharrem D. wegen vielfachen versuchten Mordes und weiterer Taten zu neuneinhalb Jahren Haft. Die Haftstrafe muss er aber wegen der Unterbringung in der Psychiatrie zunächst nicht antreten.

          Mit der Haftdauer blieb das Gericht unter der Forderung der Bundesanwaltschaft, die dreizehn Jahre und sechs Monate Haft verlangt hatte. Die Verteidigung hatte sieben Jahre Haft gefordert. Auch die Anklage forderte die Unterbringung des Mannes in der Psychiatrie. D., der sich selbst als Anhänger der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) bezeichnete, sorgte in der türkischen Gemeinde der oberbayerischen Kleinstadt Waldkraiburg mit mehreren Anschlägen und Anschlagsversuchen für Angst und Schrecken. Die folgenreichste Tat war ein Brandanschlag auf einen türkischen Supermarkt, der vollständig ausbrannte und auch das Leben von 26 Bewohnern der über dem Markt liegenden Wohnungen gefährdete. Der Vorsitzende Richter sagte: „Ohne die Schizophrenie sind die von dem Angeklagten verübten Anschläge in Waldkraiburg nicht denkbar.“ Allerdings seien die Taten ebenso wenig ohne die religiöse Radikalisierung des Mannes zum Islamisten denkbar. Wie es dazu gekommen ist, ist laut Gericht schwer erklärlich. D. sei „gut integriert“ gewesen. Offenbar spielten Internetvideos eine Rolle, übers Netz hatte er auch Kontakt zu einschlägig bekannten Salafisten aufgenommen. So sei er zu einem „ausgeprägten dschihadistischen Weltbild“ gekommen. Dabei habe der Sohn kurdischer Eltern einen „Türkenhass“ entwickelt. Der Richter sagte, D. habe „sich selber als IS-Kämpfer gesehen. Er hat die Scharia als die einzige legitime Grundlage des Zusammenlebens angesehen.“ Laut Gutachten ist D. außerdem cannabissüchtig. Damit lagen nach Ansicht des Gerichts die Grundlagen für eine Einweisung vor. Bereits während seiner Untersuchungshaft war D. aus der Justizvollzugsanstalt in die Psychiatrie gekommen.

          Der 27 Jahre alte Mann war nur zufällig bei einer Kontrolle beim Schwarzfahren aufgefallen. Dabei hatte er eine Reihe Rohrbomben bei sich. Nach eigenen Angaben plante er weitere Anschläge, unter anderem auf Imame und Moscheen. Seine Brand- und Sprengsätze hatte sich D. dem Urteil zufolge selbst gebaut. Er begann ab Sommer 2017 damit, diese zu produzieren. Außerdem hatte er sich eine halbautomatische Kurzwaffe besorgt.

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