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Attentat auf Henriette Reker : Mentalität des Bösen

  • -Aktualisiert am

Der Angeklagte Frank S. zeigt am 13.05.2016 in Düsseldorf ein Papier, mit dem er nach einem neuen Anwalt sucht. Bild: dpa

Wie sich Frank S. nach seinem Mordanschlag auf die Kölner Oberbürgermeisterin weiter als Opfer präsentiert – und sich nun einen neuen Anwalt suchen will.

          Suche mutigen ‚rechten‘ Pflichtverteidiger“, steht auf einem Zettel, den Frank S. am Freitag vor Beginn der Hauptverhandlung hoch hält. Frank S. hat am 17. Oktober auf einem Kölner Wochenmarkt Henriette Reker mit einem großen Kampfmesser so schwer am Hals verletzt, dass die tags darauf zur neuen Kölner Oberbürgermeisterin gewählte Politikerin nur knapp dem Tod entkam. Der 44 Jahre alte Mann gibt an, er habe Reker nicht töten, sondern nur ein Zeichen gegen die „verfehlte Flüchtlingspolitik“ setzen wollen. Seit Mitte April muss er sich vor dem 6. Senat des Oberlandesgerichts Düsseldorf verantworten. Die Bundesanwaltschaft, die den Fall „wegen des spezifischen staatsgefährdenden Charakters“ übernommen hatte, ist überzeugt, dass der Angeklagte die Politikerin umbringen wollte. Sie wirft S. versuchten Mord und zudem schwere Körperverletzung vor, weil er auch noch mehrere Wahlhelfer Rekers attackiert hat.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Dass S. am vierten Verhandlungstag seinen Verteidigern das Vertrauen entziehen will, ist eine Überraschung. Bisher versuchten seine Anwälte, ihn ohne übertriebene Rücksicht auf ihren eigenen Ruf zu verteidigen. So hieß es beispielsweise in einer Stellungnahme, die einer der Juristen zu Beginn des Verfahrens vorlas, es müsse berücksichtigt werden, dass die Tat zu einer Zeit stattgefunden habe, in der viele Bürger „einschließlich namhafter Verfassungsrechtler“ von der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung „mehr als irritiert waren“.

          Messerattentat als Spielart der Meinungsfreiheit verstanden

          Solche Argumente sind ganz nach dem Geschmack von Frank S., der seine Tat abwechselnd zu rechtfertigen oder kleinzureden sucht. Dass er sich nun dezidiert einen „rechten“ Pflichtverteidiger wünscht, ist seltsam. Denn bisher legte S. Wert darauf, selbst keinesfalls als „Rechter“ wahrgenommen zu werden. Er sei ein „freiheitsliebender Mensch“, toleranter als viele andere. Das suchte S. auch mit Hilfe skurriler Bastel-Botschaften zu unterstreichen. Einmal erschien er mit einem Aktenordner zur Hauptverhandlung, auf den er ein Bild von Mel Gibson in der Rolle des Freiheitskämpfers William Wallace im Film „Braveheart“ geklebt hatte. S. bezeichnet sich selbst als „wertkonservativen Rebell“.

          Sein Geständnis lief schließlich darauf hinaus, dass S. sein Messerattentat als Spielart der Meinungsfreiheit verstanden haben will. Aus akuter Notwehr will er am 17. Oktober gehandelt haben. Es sei darum gegangen, die „organisierte Selbstzerstörung Deutschlands“ zu verhindern. Als damalige Kölner Sozialdezernentin war Reker auch für die Unterbringung der Flüchtlinge in der Stadt zuständig und deshalb für S. „eine Schuldige“. Der Angriff auf Reker sei für ihn die letzte Möglichkeit gewesen, etwas zu bewegen. Mit der Frage der Vorsitzenden Richterin Barbara Havliza, warum er sich am 17. Oktober nicht einfach auf eine Marktkiste gestellt und seine Meinung gesagt habe, schien S. nicht gerechnet zu haben. Vielleicht war das der Moment, in dem S. zu dämmern begann, dass das Gericht seinen Darlegungen möglicherweise nicht folgen würde. Offensichtlich rechnet Frank S. nun damit, im Sinne der Anklage verurteilt zu werden. Denn einen „mutigen ‚rechten‘ Pflichtverteidiger“ sucht S. ausdrücklich schon „auch für Revision“, wie am Freitag auf seinem Zettel steht.

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