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Atomstreit mit Iran : Lösung vertagt

  • -Aktualisiert am

In den Verhandlungen über das iranische Atomprogramm gibt es nicht die erhoffte Einigung. Das ist aber keine schlechte Nachricht.

          Dass die Wiener Verhandlungen über das iranische Atomprogramm noch nicht zu einem endgültigen Abkommen geführt haben, spiegelt die Interessen der Beteiligten wider. Auf der einen Seite möchte niemand zurück in eine Phase der offenen Konfrontation: die Iraner nicht, weil sie die Sanktionen loswerden wollen, und ihre Verhandlungspartner nicht, weil sie die Chance nicht vertun wollen, nach mehr als zehn Jahren endlich zu einer Lösung des Streits zu gelangen.

          Vor allem in den Vereinigten Staaten ist die Bereitschaft gewachsen, Iran ein Atomprogramm zuzugestehen, sofern dessen zivile Natur durch internationale Kontrolle sichergestellt ist.

          Auf der anderen Seite muss man von solchen Gesprächen mit einem Ergebnis abreisen, das zu Hause vertretbar ist. Das war offenbar in Wien nicht zu erreichen – ein Streitpunkt war und ist die Zahl der Zentrifugen –, weshalb die Verhandlungen nun noch einmal verlängert werden.

          Das ist keine schlechte Nachricht. Manche Beobachter, vor allem in Israel, werden mit Unbehagen sehen, dass Iran weitere finanzielle Zugeständnisse erhält. Aber ein Abbruch der Verhandlungen wäre schon aus übergeordneten Gründen nicht wünschenswert. Am Verhandlungstisch werden die diversen geopolitischen Faktoren in der Regel ausgeklammert, eine Rolle spielen sie dennoch.

          Im Augenblick haben der Westen und Iran ein gemeinsames Interesse an der Eindämmung des sogenannten „Islamischen Staats“. Die Expansion dieser Terrorbande in zwei arabischen Kernländern hat das stärkste Motiv seit Jahren für eine Annäherung zwischen Washington und Teheran geschaffen, auch wenn es bisher offenbar keine förmliche Zusammenarbeit gibt.

          Russland wiederum scheint den Atomstreit aus wohlverstandenem Eigeninteresse nicht als eine weitere Bühne zu sehen, auf der es den Westen herausfordern kann.

          In den nächsten Monaten wird es weiter um die wesentlichen Einzelheiten einer möglichen Einigung gehen. Unter westlichen Regierungen gilt als Ziel, das iranische Atomprogramm so weit einzuhegen, dass das Land mindestens ein Jahr brauchte, um eine Kernwaffe zu bauen; nur so bliebe genug Zeit für eine internationale Antwort.

          Mit weniger sollte man sich bei Vertragsabschluss jedenfalls nicht zufrieden geben.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für die Frankfurter Allgemeine Woche und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik (F.A.Z.).

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