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Atomstreit : „Amerika kann uns gar nicht angreifen“

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Iranische U-Boote: „Sehr einfach für uns, die Straße von Hormus zu schließen” Bild: AFP

Teheran fürchtet im Atomstreit mit dem Westen anscheinend weder Sanktionen noch einen Militärschlag. Im Interview mit Hussein Schariatmadari, einem Sprachrohr der iranischen Führung, zeigt der konservative Hardliner keine Angst vor den Amerikanern.

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          Hussein Schariatmadari gilt in Iran als Exponent der konservativen Hardliner um den religiösen Führer Ali Chamenei. Der 56 Jahre alte langjährige Herausgeber der Zeitung „Keyhan“ (auf deutsch: „Universum“) ist als deren Vordenker bekannt für seine scharfen, antiwestlichen Kolumnen. Seit der Wahl von Mahmud Ahmadineschad zum Präsidenten begleitet „Keyhan“ die Regierungspolitik mit uneingeschränkt positiver Berichterstattung. Zum Verlagsimperium von „Keyhan“ gehören zahlreiche Buchverlage, Zeitungen und Zeitschriften, einige von ihnen in englischer und arabischer Sprache. Der Streit Ahmadineschads mit dem Westen um die Urananreicherung des Landes sorgt in Iran für eine Polarisierung zwischen Reformern und Konservativen.

          Nachdem in den Gesprächen zwischen dem EU-Außenbeauftragten Solana und dem iranischen Unterhändler Laridschani in den vergangenen Wochen keine Fortschritte erzielt wurden, will der Westen jetzt im Sicherheitsrat auf Sanktionen hinarbeiten. Wäre es nicht im Interesse Irans, nun einen Kompromiß zu suchen, bevor der Atomstreit weiter eskaliert?

          Seit der letzten Resolution im Sicherheitsrat sind drei Monate vergangen. Seither gab es Sitzungen in London, Moskau, Paris und New York. Aber seit drei Monaten können sie nichts entscheiden. Das jüngste Außenministertreffen am Freitag abend in London habe ich eine technologische Niederlage genannt, weil die amerikanische Außenministerin aufgrund von technischen Problemen mit ihrem Flugzeug verspätet aus Bagdad kam. Der russische Außenminister Lawrow ließ sich entschuldigen und schickte nur seinen Stellvertreter. In der Diplomatensprache ist das ein Zeichen des Protests. Die Amerikaner und Briten wollen Sanktionen, aber Rußland und China sind dagegen. Frankreich hat seine Meinung in letzter Zeit geändert und ist auch dagegen. Deutschland ist schon lange dagegen. Ich bin überzeugt, daß es keine Sanktionen geben wird.

          Wird vom Verlagsimperium „Keyhan” unterstützt: Ayatollah Ali Chamenei

          Und wenn es doch zu Sanktionen käme - wie würde Iran dann reagieren?

          Sanktionen schaffen vor allem für den Westen Schwierigkeiten. Ich glaube nicht, daß Europa sich einen Ölpreis von 100 Dollar pro Barrel leisten kann. Ich glaube auch nicht, daß Europa es sich leisten kann, den iranischen Markt zu verlieren. Wir dagegen können auf andere Märkte ausweichen.

          Es geht nicht nur um Sanktionen. In den Vereinigten Staaten wird auch die Möglichkeit eines Militärschlags gegen die iranischen Atomanlagen diskutiert.

          Unsere Politik zeigt, daß wir davor keine Angst haben. Diese Drohungen sind nicht neu. Wir sind vom ersten Tag der Islamischen Revolution bis heute mit den Vereinigten Staaten im Konflikt. Wir glauben, daß die Amerikaner nicht in der Lage zu einem Angriff auf uns sind. Im Irak stecken sie fest, in Afghanistan sind sie in eine Sackgasse geraten. Sie sind nicht mächtig genug, um uns anzugreifen. Wir glauben einfach nicht, daß sie so dumm sein werden.

          Wie würde Iran auf einen amerikanischen Militärschlag reagieren?

          Die Amerikaner würden das bereuen. Es ist selbstverständlich, daß wir dann gegen die Interessen der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten in der Region aktiv werden. Wir haben Freunde in aller Welt, die Widerstand leisten werden. Und es ist sehr einfach für uns, die Straße von Hormus zu schließen.

          Der ehemalige Präsident Rafsandschani, der mächtigste Gegenspieler von Präsident Ahmadineschad, hat in der vergangenen Woche einen Brief von Revolutionsführer Ajatollah Chomeini aus dem Jahr 1988 veröffentlicht. Chomeini begründet darin, warum er damals im Krieg mit dem Irak einem Waffenstillstand zustimmte. Man hat Rafsandschani so verstanden, daß er sagen wollte: Auch heute im Nuklearstreit sollten wir - wie damals Chomeini - pragmatisch sein und den Weg des Kompromisses gehen, auch wenn Chomeini den Waffenstillstand als Giftkelch bezeichnete . . .

          Das ist Rafsandschanis Standpunkt, aber nicht jener der Regierung und des iranischen Volkes. Was den Brief betrifft, so hat Chomeini darin auch betont, daß wir, solange Amerika uns unter Druck setzt und mit Gewalt bedroht, immer zum Krieg bereit sein müssen. Er wollte, daß wir unseren heiligen Zorn bewahren. Der Brief hat dem Volk gezeigt, daß Imam Chomeini will, daß wir jetzt wachsam sind, damit wir nicht wieder den Giftkelch leeren müssen.

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