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Atommüll : Chronologie der Transporte und Proteste

  • Aktualisiert am

Seit 1995 rollen Castoren in das Zwischenlager nach Gorleben. FAZ.NET dokumentiert die wichtigsten Stationen.

          3 Min.

          FAZ.NET dokumentiert die wichtigsten Ereignisse in der sechsjährigen Geschichte der Atomtransporte nach Gorleben und des Widerstandes dagegen.

          25. April 1995: Der erste Castor mit radioaktivem Brennstoff aus dem badischen Kernkraftwerk Philippsburg trifft ohne größere Störungen in Gorleben ein. Rund 4000 Demonstranten, denen etwa 7600 Polizisten gegenüberstehen, versuchen den Transport auf der letzten Strecke zwischen dem Verladebahnhof Dannenberg und Gorleben zu verhindern. Die Transportkosten werden mit rund 55 Millionen Mark angegeben.

          8. Mai 1996: Trotz zum Teil gewaltsamen Protests von Atomkraftgegnern vor allem im Landkreis Lüchow-Dannenberg erreicht der zweite Castor-Transport mit abgebrannten Brennelementen aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague das Zwischenlager. Insgesamt sollen 19 000 Beamte im Einsatz gewesen sein. Die Kosten betragen über 46 Millionen Mark.

          5. März 1997: Unter dem Schutz des bis dahin größten Polizeiaufgebots trifft ein Transport mit sechs Castoren aus La Hague und den deutschen Atomkraftwerken Gundremmingen und Neckarwestheim in Gorleben ein. Rund 30 000 Beamte sind in ganz Deutschland zur Sicherung des 111 Millionen Mark teuren Transports im Einsatz. Dem Transport gehen Anschläge voraus. Auf der Strecke zum Verladebahnhof Dannenberg blockieren etwa 5000 Demonstranten die Schienen.

          13. Mai 1998: Bundesumweltministerin Angela Merkel (CDU) verhängt ein vorläufiges Transportverbot, nachdem an den Castoren über den zulässigen Grenzwerten liegende Oberflächenkontaminationen festgestellt worden waren. Ein Zehn-Punkte-Plan nennt die für die Wiederaufnahme der Castor-Transporte von der Atomwirtschaft zu erfüllenden Voraussetzungen.

          Anfang 1999: Die neue rot-grüne Bundesregierung weist darauf hin, dass nach geltendem Recht alle im Zusammenhang mit dem geplanten Verzicht auf Wiederaufarbeitung von abgebrannten Brennstäben in Deutschland oder der Rückführung von Atommüll aus dem Ausland stehenden Castor-Transporte erfolgen müssen.

          Mitte 1999: Die Kraftwerksbetreiber verweisen auf zunehmende Kapazitätsengpässe bei der Lagerung abgebrannter Brennstäbe auf den Kraftwerksgeländen.

          5. Januar 2000: Unter der Voraussetzung, dass die Betreiber die Sicherheit gewährleisten können, kündigt der Leiter des Bundesamtes für Strahlenschutz, Wolfram König, die Aufhebung desTransport-Stopps an. Niedersachsen wendet ein, die Transportsicherung sei wegen des zu erwartenden Widerstands kaum zu gewährleisten.

          26. Januar: Das Bundesamt für Strahlenschutz genehmigt fünf Castor-Transporte aus den Kraftwerken Biblis, Neckarwestheim und Philippsburg in das Zwischenlager Ahaus.

          22. September: Das Bundesamt für Strahlenschutz genehmigt acht Transporte aus den Kraftwerken Stade, Biblis und Philippsburg zur Wiederaufarbeitungsanlage La Hague in Frankreich.

          16. Oktober: Die Atomtransporte aus Deutschland zur Wiederaufarbeitung nach Frankreich werden bis auf weiteres verschoben. Frankreich weigert sich, weitere verbrauchte Brennstäbe aus Deutschland anzunehmen, bevor der seit Mai 1998 in La Hague gelagerte nicht wiederverwertbare deutsche Atommüll abtransportiert wird. Die Rücktransporte scheiterten bisher vor allem daran, dass keine der möglichen Routen in Deutschland genehmigt wurde.

          13. November: Das Bundesamt für Strahlenschutz genehmigt einen Rücktransport von sechs Castoren mit deutschem Atommüll von La Hague ins Zwischenlager Gorleben für das Frühjahr 2001. Der Transport könne frühestens in der letzten Märzwoche stattfinden.

          23. Januar 2001: Bundesumweltminister Trittin weist die Landesregierung von Baden-Württemberg an, das Wiederanfahren des Kernkraftwerks Neckarwestheim zuzulassen, auch wenn sich noch verbrauchte Brennelemente in Castoren auf dem Gelände befinden. Damit entfällt nach seiner Auffassung die Notwendigkeit, sie noch im März in das Zwischenlager Ahaus zu transportieren.

          30. Januar: Trittin warnt die niedersächsischen Grünen in einem Brief vor Demonstrationen gegen die bevorstehenden Castor-Transporte.

          1. Februar: Bundeskanzler Schröder und der französische Premierminister Jospin verständigen sich darauf, dass Ende März der schon genehmigte Atommüll-Transport von La Hague nach Gorleben rollen soll.

          10. März: Die fünf größten deutschen Umweltverbände rufen dazu auf, gewaltfrei gegen den Castor-Transport zu demonstrieren.

          11. März: Der Parteitag der Grünen in Stuttgart beschließt, dass die Partei "nicht zu Aktionen, Demonstrationen oder Blockaden aufrufen (werde), die sich gegen den Atomkonsens wenden". Für einen "schnelleren Atomausstieg" werde aber demonstriert.

          26. März: Erstmals unter der rot-grünen Bundesregierung sollen Castoren durch das Wendland rollen. Der Transport soll um 6.30 Uhr den Verladebahnhof Valognes bei La Hague verlassen und am Abend um 23.00 Uhr an dem elsässischen Grenzbahnhof Lauterbourg ankommen.

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