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Atommüll : Bush entscheidet sich für Atomendlager in der Wüste Nevadas

  • Aktualisiert am

Nach der Entscheidung Präsident Bushs für einen schon lange angepeilten Ort in Nevada formiert sich Widerstand.

          2 Min.

          Die Entscheidung des amerikanischen Präsidenten George W. Bush für ein Atommüll-Endlager in der Wüste von Nevada wird vermutlich für Auseinandersetzungen sorgen. Schon unmittelbar nach der Entscheidung formierten sich die Kritiker.

          Erst am Freitagabend (Ortszeit) hatte das Weiße Haus einen Brief Bushs veröffentlicht, in dem er das Endlager ankündigte. „Das Lagerungsprogramm fortzusetzen ist nötig, um die Gesundheit der Bevölkerung und die Sicherheit der Nation sicherzustellen“, schrieb Bush. Es geht um ein Depot für die gut 77.000 Tonnen nuklearen Abfalls, der sich an verschiedenen Lagerstätten im ganzen Land angesammelt hat. Zur Zeit lagern Bestände auf dem Gelände von 131 Atomkraftwerken und Militäreinrichtungen im ganzen Land. Jedes Jahr fallen etwa 2.000 Tonnen neuer radioaktiver Müll an.

          Seit 14 Jahren in Planung

          Der geplante Ort in den Yucca Mountains steht als Lager schon länger zur Diskussion. Er liegt rund 150 Kilometer nordwestlich von Las Vegas in der Wüste von Nevada in einer entlegenen und menschenleeren Gegend. Bereits 1987 hatte der amerikanische Kongress den Berg als Standort für das Atomlager ausgewählt. Er liegt nahe einer Testanlage für Atomwaffen, die bereits verseucht ist. Das Energieministerium erklärte die Voruntersuchungen im Dezember für beendet und empfahl den Bau des Lagers. „Es gibt zwingende Interessen, die verlangen, dass wir die Suche nach einem Standort abschließen und mit der Entwicklung des Lagers beginnen“, hatte Energieminister Spencer Abraham damals gesagt.

          Allerdings liegt in der Nachbarschaft des geplanten Lagers ein neues Wohngebiet, das gerade in der Ausdehnung begriffen ist. Obwohl Abraham betonte, dass die Sicherheit des geplanten Lagers keinerlei Anlass zu Bedenken gebe, protestieren die Anwohner natürlich gegen den Bau. Sie befürchten durch den hoch radioaktiven Müll eine Verseuchung des Grundwassers und fürchten um das Image ihrer Stadt.

          Der Staat Nevada geht in die Offensive

          Aber auch der Bundesstaat Nevada wie auch die oppositionellen Demokraten lehnen den Standort ab. Unter anderem führen sie die hohe Erdbebengefahr als Argument gegen das Lager ins Feld. Der Gouverneur von Nevada, der Republikaner Kenny Guinn, kündigte erbitterten Widerstand an. „Ich bin entsetzt, genauso wie die Bürger von Nevada, dass diese Entscheidung getroffen wurde, obwohl noch so viele Fragen offen sind,“ sagte der Gouverneur. Mit der Weigerung des Gouverneurs, dem Bush-Plan zuzustimmen, fällt die endgültige Entscheidung dem Kongress zu.

          Nach den Terroranschlägen waren die Sicherheitsvorkehrungen an den Atomkraftwerken drastisch verschärft worden. Kritiker bezeichnen den geplanten Transport des radioaktiven Materials, wahrscheinlich mehr als 100.000 Lastwagenladungen, über hunderte von Kilometern als unverantwortlich und gefährlich. Es sei wesentlich sicherer, das Material umzulagern als es dort zu lassen, wo es sich zur Zeit befindet, konterte Abraham am Freitag.

          Die Bush-Regierung will nach mehr als 20-jähriger Pause neue Atomkraftwerke bauen, um den wachsenden Energiebedarf der Amerikaner zu decken. Ein Fünftel des Strombedarfs wird in den USA zur Zeit durch Atomstrom gedeckt.

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