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Atomkonflikt : Nordkorea droht Südkorea mit Krieg

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Nordkoreas Volksarmee: Pjöngjang droht sie gegen Südkorea marschieren zu lassen Bild: dpa

Die kommunistische Führung Nordkoreas hat Südkorea vor einem möglichen Krieg gewarnt. Wenn die Regierung in Seoul die internationalen Sanktionen gegen den Norden umsetze, werde dies zu einem Krieg auf der koreanischen Halbinsel führen.

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          In der Krise um das nordkoreanische Atomprogramm hat die Führung in Pjöngjang ihre Drohungen verschärft und Südkorea vor einem Krieg gewarnt. Wenn die Regierung in Seoul die internationalen Sanktionen gegen den Norden umsetze, führe dies zu einem Krieg auf der koreanischen Halbinsel, erklärte ein Mitglied der kommunistischen Führung des Landes einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA zufolge am Mittwoch.

          Der amerikanische Präsident George W. Bush kündigte trotz der Drohung an, sich weiter um eine diplomatische Lösung der Krise zu bemühen. Eine südkoreanische Beteiligung an den Strafmaßnahmen werde als ernsthafte Provokation betrachtet, erklärte der Sprecher des nordkoreanischen Komitees für eine friedliche Wiedervereinigung des Vaterlandes.

          Verbindliche Sanktionen

          Die vom UN-Sicherheitsrat beschlossenen Sanktionen sind für alle Mitglieder der Vereinten Nationen (UN) verbindlich. In Reaktion auf den Atomwaffentest am 9. Oktober verhängte die internationale Gemeinschaft ein umfassendes Rüstungsembargo und ordnete an, die nordkoreanischen Ein- und Ausfuhren auf Bestandteile für Waffenprogramme zu kontrollieren. Über die Umsetzung dieser Maßnahmen wird derzeit im UN-Sicherheitsrat beraten.

          Rice in Peking : Rice fordert Nordkorea zu bedingungslosen Verhandlungen auf

          Bush sagte vor Journalisten, der nordkoreanische Machthaber wolle mit seiner Drohung die Entschlossenheit der Länder im Atomstreit auf die Probe stellen. Die Reise der amerikanischen Außenministerin Condoleezza Rice in die Region habe gezeigt, daß alle Länder eng zusammenarbeiten müßten, um das Problem friedlich zu lösen.

          Rußland mahnt zur Mäßigung

          An den derzeit festgefahrenen multinationalen Atomgesprächen sind neben den Vereinigten Staaten sowie Nord- und Südkorea auch Rußland, China und Japan beteiligt. Südkorea kündigte als Reaktion auf den Atomtest an, seine bisher großzügige Unterstützung des verarmten Nordens zu überdenken. Die beiden Staaten haben zum Ende ihres Krieges 1953 lediglich einen Waffenstillstand, aber keinen Frieden geschlossen. An der hoch aufgerüsteten Grenze sind zehntausende Soldaten stationiert. Südkorea wird auch militärisch massiv von den Vereinigten Staaten unterstützt.

          Rußland mahnte indes eine Mäßigung im Umgang mit Nordkorea an und verlangte, daß der internationale Druck auf das Land nicht weiter erhöht werde. Präsident Wladimir Putin warnte davor, Nordkorea durch übermäßigen Druck zu isolieren. Dies werde die diplomatischen Bemühungen zur Lösung der Krise nur zusätzlich erschweren. Indirekt warf Putin zugleich den Vereinigten Staaten vor, die Eskalation mit ihrem Verhalten bei den Sechs-Länder-Verhandlungen über das Atomprogramm Nordkoreas mitverschuldet zu haben. Einer der Gründe, warum die Führung in Pjöngjang zu dem Mittel des Atomwaffentests gegriffen habe, sei, daß zuvor „nicht alle Verhandlungsteilnehmer in der Lage waren, den richtigen Ton zu treffen“.

          Nordkorea hat zuletzt als Voraussetzung für eine Wiederaufnahme der Verhandlungen das Ende der Finanzsanktionen der Vereinigten Staaten gefordert, die seit einem Jahr gelten. Die Vereinigten Staaten haben unter anderem ausländische Konten der stalinistischen Führung Nordkoreas eingefroren. Rußland und China fordern von den Vereinigten Staaten mehr Flexibilität, um das abgeschottete kommunistische Land zurück an den Verhandlungstisch zu bringen.

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