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Atomkatastrophe in Japan : Einschnitt für die Welt

  • -Aktualisiert am

Bundeskanzlerin Merkel äußert sich am Samstag nach einem Krisengipfel zur Lage in Japan. Bild: dapd

Wie Kanzler Kohl auf die Tragödie von Tschernobyl reagierte, so reagiert Kanzlerin Merkel auf das Unglück von Fukushima. Sie spricht von einem „Einschnitt für die Welt“. Damit öffnet sie absichtsvoll eine Schleuse - wenn es sein muss, sogar für den Ausstieg aus der deutschen Kernkrafterzeugung unter ihrer Regie.

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          Die Globalisierung hat die Welt zwar nicht zu einem Dorf gemacht, aber jeder ist des andern Nachbar. Nicht die Unterschiede zwischen Europäern und Japanern fallen angesichts der Katastrophe im Inselstaat ins Gewicht, sondern die Gemeinsamkeiten. Zu diesen gehört die höchst fachkundige Nutzung der Atomenergie. Erfolge der Kerntechnik hier ziehen Nachahmung in allen Teilen der Welt nach sich, Katastrophen in der Ferne entscheiden über die Zukunft hierzulande.

          Wie Bundeskanzler Kohl auf die Tragödie von Tschernobyl reagiert hat, so reagiert Kanzlerin Merkel auf das Unglück von Fukushima. Sie spricht von einem „Einschnitt für die Welt“. Damit öffnet sie absichtsvoll die Schleuse - vorerst nur für eine gesellschaftliche Diskussion und für die Verschärfung der Auflagen für Kernkraftwerke, wenn es sein muss aber sogar für den Ausstieg aus der deutschen Kernkrafterzeugung unter ihrer Regie.

          Ist es eine Technologie wert, eine Bundestagswahl zu verlieren?

          Frau Merkel, die zuletzt im Fall Guttenberg vorgeführt hat, mit welcher Eiseskälte sie über die Bande zu spielen vermag, wird den erst kürzlich mit den Kernkraftwerksbetreibern vereinbarten Ausstieg aus dem rot-grünen Atomausstieg nicht zum Schlussakt ihrer Regierungsfähigkeit werden lassen, falls unter dem Eindruck des augenblicklichen - und wer weiß welches künftigen - Katastrophenausmaßes in Japan die deutschen Wähler den endgültigen Ausstieg aus dem schwarz-gelben Ausstieg verlangen.

          Die Landtagswahlen werden die ersten Gradmesser sein, die Bundestagswahl könnte die Entscheidung bringen. Dabei wird nicht nur Frau Merkel, sondern die Union insgesamt wägen, ob eine vielleicht - wohlgemerkt: politisch - vollends inakzeptabel gewordene Technologie es wert ist, die ganze Gestaltungsmacht an Rot-Grün zu verlieren.

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