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Atomenergie : Brunsbüttel: Bisher gravierendster Atom-Störfall

  • Aktualisiert am

Das AKW Brunsbüttel ist derzeit vom Netz Bild: dpa

Im Dezember gab es im AKW Brunsbüttel eine Explosion. Wie jetzt bekannt wurde, handelt es sich wohl um den bisher schlimmsten Störfall in Deutschland.

          Wie erst jetzt bekannt wurde, ist ein Störfall im Atomkraftwerk Brunsbüttel vom 14. Dezember nach Ansicht der Atomaufsicht in Kiel vermutlich der bisher gravierendste in der Bundesrepublik. „Sowohl in seiner Art als auch in der Mächtigkeit der Explosion hat es so etwas in Deutschland bisher nicht gegeben“, sagte der schleswig-holsteinische Energiestaatssekretär Wilfried Voigt (Grüne) am Dienstag in Kiel.

          Energieminister Claus Möller (SPD) bemerkte zum Ort der Explosion innerhalb der Anlage: „Drei Meter weiter und Brunsbüttel wäre nie wieder ans Netz gegangen.“ Die Explosion in dem Rohr hätte nach Aussage von Voigt zu einem Kühlmittelverlust-Störfall geführt, wenn das Rohr drei Meter weiter geplatzt wäre. Ob dann Radioaktivität freigesetzt worden wäre, könne derzeit nicht gesagt werden, erklärte Voigt.

          Die Atomaufsicht des Landes habe vor einer Wiederanfahr-Genehmigung dem Betreiber, der Kernkraftwerk Brunsbüttel GmbH (KKB), einen umfangreichen Fragenkatalog geschickt. Erst wenn diese Fragen schlüssig beantwortet und die Zweifel an der Zuverlässigkeit des Betreibers ausgeräumt seien, könne das Wiederanfahren des Reaktors genehmigt werden, teilten die Politiker mit.

          Atommeiler bleibt länger vom Netz

          „Wir gehen davon aus, dass uns das Ereignis noch eine Weile beschäftigen wird“, sagte Voigt und deutete an, dass der Atommeiler möglicherweise für einen längeren Zeitraum nicht ans Netz gehen werde. Das Kraftwerk war bereits in den 90er Jahren einmal für drei Jahre außer Betrieb genommen worden. Möller begrüßte die Zusage der Betreiber zur Zusammenarbeit mit der Atomaufsicht.

          Der Betreiber sicherte in Brunsbüttel zu, alle vom Energieministerium erhobenen Forderungen zu erfüllen und damit die Voraussetzungen für einen ordnungsgemäßen und sicheren Weiterbetrieb der Anlage zu schaffen. Die KKB ist eine Tochtergesellschaft der Hamburgischen Electricitäts-Werke (HEW). Schleswig-Holstein will auch die Zuverlässigkeit des Betreibers klären. Je nach dem, wie das Ergebnis dieser Prüfung ausfällt, sind Konsequenzen für verantwortliche Mitarbeiter bis hin zum Entzug der Betriebserlaubnis möglich.

          Wer hat etwas wie und wann über den Störfall gewusst?

          Zu den Fragen an den Betreiber gehöre beispielsweise, wer etwas wann und wie über den Störfall vom 14. Dezember gewusst hat und warum erst durch beharrliches Nachfragen des Ministeriums aufgedeckt werden konnte, dass sich eine „spontane Dichtungsleckage“ als Explosion einer Rohrleitung im Sicherheitsbehälter entpuppte. Auf Druck des Ministeriums erklärte sich die KKB bereit, die Anlage am 18. Februar vom Netz zu nehmen.

          „Im Grundsatz geht Sicherheit vor Wirtschaftlichkeit“, meinte Energieminister Möller zu Gerüchten, die KKB habe das Atomkraftwerk nicht vom Netz nehmen wollen, weil in den beiden ersten Monaten des Jahres die Strompreise sehr hoch gewesen seien. Dies wurde zurückgewiesen. Möller hingegen betonte, er sehe eine Tendenz der Kraftwerksbetreiber, im Sicherheitsbereich zu sparen.

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