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Atomabkommen mit Iran : Goldene Zeiten?

Es wird sich zeigen, ob und wie schnell die hochfliegenden Erwartungen an das Atomabkommen mit Iran erfüllt werden. Ohne einen wirklichen Modernisierungsschub in dem Land geht es nicht.

          In der Geschichte Irans werde ein neues Kapitel aufgeschlagen, hat Präsident Rohani gesagt. Damit hat er ins Schwarze getroffen. Jetzt, da die Wirtschafts- und Finanzsanktionen gegen Iran aufgehoben werden und das Land in die Weltwirtschaft zurückkehrt, sehen viele sogenannte iranische Reformer im Ende der Isolation einen historischen Wendepunkt – und viele Unternehmen im Westen goldene Zeiten anbrechen: Iran, das neue Eldorado am Golf, das westliche Ausrüstungsgüter dringend braucht, um seine marode Wirtschaft wieder auf Vordermann zu bringen, und diese wieder beziehen kann. Es wird sich zeigen, ob und wie schnell die hochfliegenden Erwartungen erfüllt werden, zumal es den notwendigen Modernisierungsschub nicht ohne innere Reformen geben wird. Diese Reformen werden mehr als schöne Worte Auskunft über die Machtverhältnisse in Iran und über dessen Zukunftsaussichten geben.

          Dass mit der Aufhebung der Sanktionen Iran international Einfluss zuwächst, ist offenkundig. Es ist ebenso klar, dass dies einigen Akteuren im Nahen Osten sowie nicht unbedeutenden Kräften in den Vereinigten Staaten großes Unbehagen bereitet. Saudi-Arabien wird das Verhältnis zum schiitischen Iran jetzt erst recht unter dem Gesichtspunkt machtpolitischer Rivalität sehen und, zum Beispiel, seine Ölfördermenge als Waffe einsetzen. Schließlich dürfte Iran seinen Öl- und Gasexport zu einem Zeitpunkt ausweiten, zu dem der Ölpreis so niedrig ist wie seit vielen Jahren nicht mehr.

          Israel erwartet von der Rückkehr sowieso nichts Gutes; es wertet den Umstand, dass Iran wieder Zugang zu den Finanzmärkten hat, als Belohnung für einen Terrorsponsor, der künftig über noch mehr Mittel verfügen werde. Wird er! Das fundamentale Misstrauen wird nicht verschwinden, auch die Aussichten auf eine iranisch-arabische Zusammenarbeit sind bei weitem nicht so hell wie von vielen erhofft. Ein schöner Testfall wäre ja Syrien.

          Immerhin: Die Wiener Atombehörde hat Iran bescheinigt, dass es seinen Teil der Vereinbarungen vom vergangenen Sommer erfüllt und sein Atomprogramm massiv zurückgebaut hat. Folglich werden die Sanktionen aufgehoben; das zu erreichen war das überragende Ziel der iranischen Diplomatie. Was in 15 Jahren geschehen wird, wenn die Auflagen für das Atomprogramm auslaufen, steht auf einem anderen Blatt. Zumindest die Zeit bis dahin hat man gewonnen.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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