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Griechische Ansprüche : Versöhnung statt Basta

Generalfeldmarschall Walther von Brauchitsch (4.v.l.) besichtigt die Akropolis nach der Eroberung Griechenlands durch die Wehrmacht im April 1941. Bild: Picture-Alliance

Die Griechen wissen, dass ihre Reparationsforderung unrealistisch ist. Ein schlechter Rat wäre jedoch, sie mit der Attitüde des Mächtigen vom Tisch zu wischen.

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          Es gibt Deutsche, die machen sich keinen Begriff davon, wie sehr in einigen Ländern Europas die Erinnerung an die Verbrechen der nationalsozialistischen Besatzer bis heute präsent ist – Griechenland eingeschlossen. Zudem brauchte das Land länger als andere, um sich von der deutschen Schreckensherrschaft zu erholen.

          Ein Wunder war daher die Deutschlandfreundlichkeit, wie sie bald wieder selbstverständlich wurde. Damit verbunden war aber nicht ein Vergessen dessen, was in nahezu jeder Familie erzählt werden kann.

          Nun wissen die Griechen selbst, dass ihre jüngste Reparationsforderung unrealistisch ist. Ein schlechter Rat wäre jedoch, die Verbalnote an die Bundesregierung mit der Attitüde des Mächtigen vom Tisch zu wischen.

          Zur Aufarbeitung des Dritten Reiches gehört eben auch, sich weiter für Versöhnung einzusetzen und enger zusammenzuarbeiten. Denn im griechischen Parlament unterstützen alle Parteien die Forderung nach Reparationen. Abgelehnt hat sie allein die faschistische „Goldene Morgenröte“. Mit ihr sollten sich Demokraten nicht gemein machen.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

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