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Asylbewerber aus dem Kosovo : Die Mittelschicht flieht

  • Aktualisiert am
Flucht aus der Armut: Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit bringen die Kosovaren in die EU.

Nach Angaben des bayerischen Innenministeriums warteten momentan 5000 Kosovaren an der serbisch-ungarischen Grenze auf ihren Grenzübertritt, mehr als 8000 befänden sich auf dem Weg nach Deutschland. „Das dürfen wir nicht hinnehmen“, äußerte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Die Flüchtlinge aus dem Kosovo blockierten die Unterbringungsplätze, auf die man für andere Flüchtlinge, etwa aus Syrien und dem Irak, dringend angewiesen sei. Zudem kosteten sie den Staat „unnötigerweise eine Stange Geld“, äußerte Herrmann. Der bayerische Innenminister kritisierte abermals die Dauer der Asylverfahren und forderte den Bund auf, dem BAMF mehr Personal zur Verfügung zu stellen.

Der kosovarische Innenminister bittet um Hilfe

Auch der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sprach sich dafür aus, das BAMF personell zu verstärken und die Asylverfahren deutlich zu beschleunigen. „Wir können die Flüchtlingsaufnahme kaum noch bewältigen - weder personell noch vom Platz her. Unser Ziel müssen deshalb rechtskräftige Entscheidungen von Asylverfahren innerhalb von drei Monaten sein. Im Moment dauert es - ohne Einspruchsverfahren - noch sechs bis sieben Monate, das ist viel zu lang“, sagte Kretschmann dieser Zeitung. Ob das Kosovo zu einem sicheren Herkunftsland erklärt werden könne, müsse man prüfen. „Aber dass Serbien und Montenegro sichere Herkunftsstaaten sind, hat den Flüchtlingsstrom und die Dauer der Verfahren nicht spürbar verringert“. In der Landeserstaufnahmestelle Karlsruhe trafen allein am vergangenen Wochenende 678 Personen ein, nach einem Bericht des zuständigen Regierungspräsidiums ist das die höchste Zahl seit zwanzig Jahren. Allein im Januar stellten 1306 Eingereiste aus dem Kosovo einen Asylantrag, aber nur 291 aus Syrien.

Bloß weg: Kosovaren besteigen in Pristhina Busse Richtung Serbien.

Auch in Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der Asylbewerber aus dem Kosovo stark gestiegen. Stellten im Dezember noch rund 902 Personen aus dem Land einen Asylantrag, waren es im Januar 2733. Seit Jahresbeginn verzeichne man einen weiteren sprunghaften Anstieg, hieß es vom Innenministerium in Düsseldorf. Innerhalb weniger Tage habe sich die Zahl der freien Plätze in Flüchtlingsunterkünften von mehr als 1000 auf nur noch 200 verringert. Innenminister Ralf Jäger (SPD) rechnet damit, dass über die sonstigen Flüchtlinge hinaus monatlich mehr als 6000 Personen vom Westbalkan zusätzlich einen Asylantrag stellen werden. Der Innenminister hatte einen Brief an die Regierungspräsidien in Nordrhein-Westfalen geschrieben, darin heißt es, es müssten alle Anstrengungen darauf gerichtet werden, „in den nächsten Tagen und Wochen weitere Notunterkünfte für mehrere tausend Flüchtlinge zu akquirieren“.

Das Kosovo bat derweil die europäischen Staaten um Hilfe, die Massenauswanderung seiner Bürger aufzuhalten. EU-Staaten wie Österreich sollten illegale Migranten aus dem Kosovo so bald wie möglich zurückschicken, sagte der kosovarische Innenminister Skender Hyseni bei einem Treffen mit der österreichischen Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) am Donnerstag in Wien. „Wir alle wissen, dass das Kosovo nicht die besten Bedingungen zum Leben bietet“, es handele sich aber um ein „sicheres Land“, äußerte Hyseni.

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