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Debatte um Astra-Zeneca : Pragmatisch impfen

  • -Aktualisiert am

Von manchen verschmäht, von vielen begehrt: Eine Spritze mit Astra-Zeneca-Impfstoff Bild: Reuters

Viele würden sich gerne mit Astra-Zeneca impfen lassen. Falls die EU-Arzneimittelbehörde Entwarnung gibt, sollte dies möglich sein. In die lahmende Impfkampagne muss endlich Schwung kommen.

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          Die wohl absurdeste Folge des plötzlichen Impfstopps für Astra-Zeneca ist die Entsorgung eines lebensrettenden Mittels, das Krankheit und Tod vieler Menschen durch das Coronavirus in den nächsten Wochen verhindern könnte. So geschehen am Montag im Kölner Impfzentrum mit mehr als 100 schon in Spritzen aufgezogenen verderblichen Dosen Astra-Zeneca-Impfstoff, die in den Müll wanderten.

          Kurz zuvor hatte Gesundheitsminister Spahn auch zur bösen Überraschung seiner Kollegen in den Bundesländern die sofortige Aussetzung der Impfkampagne mit jenem Präparat als medizinische Vorsichtsmaßnahme verkündet.

          Nicht nur CSU-Generalsekretär Blume und sein Chef Söder, sondern auch CDU-Bezwinger Kretschmann fordern im Fall der sehnlichst erwarteten Entwarnung der EU-Arzneimittelbehörde, der die WHO schon vorgriff, nun zu Recht endlich noch mehr Flexibilität bei der im Dezember recht starr festgelegten Impfreihenfolge.

          Angesichts der äußerst knappen Menge an Impfstoff war es zunächst richtig, zuerst die am meisten gefährdete Gruppe der Hochbetagten in Senioren- und Pflegeheimen zu impfen. Auch seinerzeit geriet Astra-Zeneca, wie sich später erwies, zu Unrecht in den Ruf eines riskanten Impfstoffs. Ein Etikett, das Astra-Zeneca schon vor dem Impfstopp vielerorts zum Ladenhüter in den Kühlschränken der Impfzentren werden ließ.

          Angesichts der sich rasant aufbauenden dritten Welle sollte Menschen nicht verwehrt werden, sich mit dem von anderen millionenfach verschmähten Vakzin impfen zu lassen, wenn sie dazu in eigener Risikoabwägung bereit sind. Und auch das massenhafte Impfen aller Bürger von 18 bis 80 in sächsischen und bayerischen Corona-Hotspots entlang der tschechischen Grenze ist in dieser Lage ein Gebot der pragmatischen Vernunft. In die mit lahm noch freundlich beschriebene Impfkampagne muss wenigstens im zweiten Quartal mehr Tempo und Schwung kommen. Für ein entspanntes Osterfest mit den leichtfertig in Aussicht gestellten Lockerungen käme der von Spahn von April an versprochene Impfstoffregen wohl dennoch zu spät.

          Thomas Holl
          Redakteur in der Politik.

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