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Astra-Zeneca : Der Zweifel kennt auch keine Grenzen

  • -Aktualisiert am

Gibts gerade nicht: Am 4. März wurden in Hannover Polizisten mit dem Präparat von Astra-Zeneca geimpft - vor den Augen von Innenminister Boris Pistorius (SPD). Bild: dpa

Gut möglich, dass die Ema den Astra-Zeneca-Impfstoff schon am Donnerstag für unbedenklich erklärt. Wird das die Leute beruhigen? Wohl kaum. Zu viele Politiker haben die EU-Skepsis geschürt.

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          Die EU-Arzneimittelagentur Ema hat schon versucht, die jüngste Aufregung um Astra-Zeneca zu dämpfen. Sollte sie tatsächlich schon am Donnerstag verkünden, dass der Corona-Impfstoff des Herstellers ohne Angst vor Hirnvenenthrombosen verabreicht werden könne, und sollten die EU-Regierungen einer solchen Empfehlung einmütig folgen, so wären die unmittelbaren Folgen der Impfpause überschaubar: Was hierzulande diese Woche an Immunisierungen versäumt wurde, könnte rasch nachgeholt werden. Die Knappheit, nicht die vermeintliche Gefährlichkeit des Mittels, wäre wieder der Fluchtpunkt aller Impfdebatten.

          Doch die mittelbaren Folgen könnten verheerend sein. Kaum war die von vielen Missverständnissen und Übertreibungen genährte Mär vom angeblich für ältere Menschen unwirksamen Vakzin halbwegs vergessen, hat die Aussetzung der Impfungen neue Verunsicherung erzeugt. Gesundheitsminister Spahn stand unter Zugzwang, weil ein Nachbarland nach dem anderen die Impfungen gestoppt hatte. Als sich Deutschland dann Dänen, Niederländern und anderen anschloss, erhöhte das wiederum den Druck auf weitere Länder.

          Ein Dominoeffekt ersetzt keine europäische Abstimmung

          Der Dominoeffekt ist aber die denkbar unglücklichste Art, für europäischen Gleichschritt zu sorgen. Wird die EU-Bürokratie nun in der Lage sein, die Sorgen mit einem Machtwort zu entkräften? Das ist unwahrscheinlich. Jeder Politiker, der zuletzt alle Impfstoffübel dem Brüsseler Sündenbock anhängte, hat dazu beigetragen, dass jedes Ema-Verdikt auf großes Misstrauen stoßen wird.

          Die Regierungen wären aber gut beraten, wieder auf einen gemeinsamen Weg einzuschwenken. Nicht nur das Virus, auch der Zweifel kennt keine Grenzen. Ohnehin werden die Fachleute noch lange nicht definitiv klären können, was die Blutgerinnsel im Einzelnen verursacht hat.

          Für den Befund der Ema, dass „der Nutzen einer Astra-Zeneca-Impfung die Risiken eindeutig überwiegt“, wäre allerdings keine Pause nötig gewesen: Angesichts so vieler Corona-Toter und so weniger Thrombosefälle fällt die epidemiologische Abwägung leicht. Der Rest sind Plausibilitäten.

          Andreas Ross
          Verantwortlicher Redakteur für Nachrichten und Politik Online.

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