https://www.faz.net/-gpf-qdlq

Asien : Die Anziehungskraft des „Fortschrittlichen“

Übergriffe gegen Christen sind in Asien keine Seltenheit Bild: picture-alliance / dpa

Die liberale Diskussionskultur der 150 bis 200 Millionen asiatischen Christen liegt dem raschen Wachstum des dortigen Christentums zugrunde. Doch aufgrund regionaler Unterschiede hat sich noch kein „asiatischer Katholizismus“ herausgebildet.

          4 Min.

          Immer zu Weihnachten bietet Asien ein erstaunliches Schauspiel. Im muslimischen Indonesien hängen Sternenketten über den Straßen, in den Kaufhäusern von Bangkok und Singapur locken Männer mit roten Zipfelmützen und weißen Bärten die Kunden an.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Die Inder - Hindus wie Muslime - nehmen sich über den 25. Dezember frei und kochen fast so festlich wie zu Diwali oder Idul Fitri. Die panasiatische Weihnachtsbeleuchtung erhellt einmal im Jahr eine durchaus erstaunliche Entwicklung: den Eingang einer Minderheitenreligion in die asiatische Alltagskultur.

          Die christliche Gemiende wächst

          150 bis 200 Millionen Menschen zwischen Hindukusch und Pazifik bekennen sich zu Jesus Christus - das sind fünf bis sieben Prozent der Bevölkerung. Nur auf den Philippinen, dem spanisch und amerikanisch kolonisierten Archipel im Pazifik, befinden sich die Christen in der Mehrheit, in ganz Kontinentalasien dominieren andere Volksreligionen.

          Daß Papst Johannes Paul II. zur Millenniumwende ins „Jahrtausend Asiens für die Kirche“ blickte, hing nicht so sehr mit der absoluten Größe der christlichen Gemeinde zusammen, sondern mit ihrem raschen Wachstum. Allerdings wird im Vatikan zuweilen übersehen, daß andere Religionen in Asien ebenfalls Zulauf haben - nicht selten mehr als die christliche.

          Der indische Jesuitenpater Leonard Fernando hat für sein unlängst in Delhi erschienenes Buch „Christentum in Indien“ Statistiken gewälzt und herausgefunden, daß die christliche Gemeinde auf dem Subkontinent in den Jahren 1981 bis 1991 um 17 Prozent gewachsen ist. Im selben Zeitraum nahm die Zahl der Buddhisten um 36 Prozent zu, die der Muslime um 33 Prozent und die der Hindus um 23 Prozent. Die an die dreißig Millionen Gläubige zählende Christengemeinde hat, gemessen am indischen Bevölkerungswachstum von 24 Prozent in der beobachteten Dekade, sogar Anteile verloren.

          Keine Aufforderung zu Übertritten

          Fernando hat diese Zahlen nicht zuletzt veröffentlicht, um den Vorwurf zu entkräften, christliche Missionare würden Hindus in Massen zum Übertritt auffordern. Als Papst Johannes Paul II. 1999 zum zweitenmal nach Indien reiste, begegnete er dieser - vor allem von hindunationalistischer Seite vorgetragenen - Beschuldigung auf Schritt und Tritt. Nicht nur Fernando ist der Auffassung, daß der Papst darauf diplomatischer hätte reagieren können.

          Seine Aufforderung, „im dritten Jahrtausend in Asien das Kreuz einzupflanzen“, irritierte viele. Manche warfen dem Papst sogar vor, mit seinen Äußerungen die nicht immer einfache Lage der christlichen Minderheit erschwert zu haben.

          Christen leiden unter Repressionen

          Nicht nur in Indien, auch in anderen Ländern Asiens leiden Christen immer wieder unter Repression oder Übergriffen. Während sie in kommunistischen Ländern wie China und Vietnam systematischer staatlicher Unterdrückung ausgesetzt sind, müssen sie in Ländern mit muslimischen Bevölkerungen Angriffe radikaler Islamisten befürchten. Traurige Aufmerksamkeit erlangte Indonesien, wo während des Weihnachtsfests im Jahr 2000 mehrere Kirchen auf Java in Flammen aufgingen und islamistische Gruppen gegen Christen auf den Molukken und Sulawesi vorgingen.

          Die etwa 15 Millionen Christen Indonesiens - etwa die Hälfte von ihnen Katholiken - sind überwiegend gut integriert in die mehrheitlich muslimische Gesellschaft. Gerade junge Christinnen stellen ihren Glauben gerne offensiv mit einem Kreuz um den Hals zur Schau.

          Weitere Themen

          CDU in Hamburg nur noch auf Platz 3 Video-Seite öffnen

          Drohendes Wahldebakel : CDU in Hamburg nur noch auf Platz 3

          Der Hamburger CDU-Spitzenkandidat Marcus Weinberg hat es schwer, die rotgrüne Koalition mit einem inhaltlichen Wahlkampf in Bedrängnis zu bringen. Aktuelle Umfragen sehen seine Partei nur noch auf dem dritten Platz in der Hansestadt

          Geschichten der Ohnmacht

          Assads Vormarsch in Idlib : Geschichten der Ohnmacht

          Die syrischen Truppen rücken in Idlib ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung vor. Die Türkei hält mit Unterstützung für die Rebellen dagegen – aber nur, solange das Moskau nicht zu sehr verärgert.

          Topmeldungen

          Ein türkischer Militärkonvoi inmitten von Fahrzeugen flüchtender Zivilisten im Norden der Provinz Idlib.

          Assads Vormarsch in Idlib : Geschichten der Ohnmacht

          Die syrischen Truppen rücken in Idlib ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung vor. Die Türkei hält mit Unterstützung für die Rebellen dagegen – aber nur, solange das Moskau nicht zu sehr verärgert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.