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Erdgas für Europa : Hilfe aus Baku

Uferpromenade am kaspischen Meer mit Blick auf die Skyline Bakus Bild: dapd

Das Erdgas aus dem kaspischen Meer könnte Europas Abhängigkeit von Moskau mindern. Neben Aserbaidschan und der Türkei sind an dem Gasleitungsprojekt „Südlicher Korridor“ zahlreiche weitere Länder beteiligt.

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          „Südlicher Korridor“ nennt sich das Projekt, und es ist alles andere als bescheiden: Aus dem Gasfeld „Schah Deniz 2“ im Kaspischen Meer soll aserbaidschanisches Erdgas durch eine 3.500 Kilometer lange Leitung nach Georgien, in die Türkei sowie von dort über Griechenland und Albanien nach Italien gepumpt werden – unabhängig von russischen Einflüssen. Die Idee gibt es seit Jahren, aber durch die aggressive russische Expansionspolitik in der Ukraine hat sie für alle Beteiligten an Aktualität gewonnen. Aserbaidschan, Georgien und die Türkei arbeiten bei dem Projekt eng zusammen. Vor kurzem haben sich die Staatspräsidenten der drei Länder in Tiflis getroffen, um die Arbeiten am Korridor zu fördern.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Der „Südliche Korridor“ besteht aus drei Teilen – einer südkaukasischen Verbindung vom aserbaidschanischen Ufer des Kaspischen Meeres über Georgien in die Türkei, dem türkischen Abschnitt sowie der sogenannten transadriatischen Leitung, kurz Tap genannt. Zwar könnte Gas aus dem „Südlichen Korridor“ Lieferungen aus Russland keinesfalls vollständig ersetzen. Anfangs ließen sich daraus sogar höchstens fünf Prozent des europäischen Bedarfs decken. Doch in Aserbaidschan werden weitere Felder erschlossen, und die Hoffnung ruht darauf, auch Turkmenistan als Lieferanten zu gewinnen. Turkmenistan könnte angesichts seiner Vorkommen theoretisch sogar der Hauptlieferant werden. Russland versucht das jedoch mit Drohungen und Lockungen zu verhindern – bisher erfolgreich. Durch die auf russisches Betreiben erfolgte Nichtbeteiligung Turkmenistans scheiterte schon das europäische Gasleitungsprojekt „Nabucco“.

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          Dass es bei dem Vorhaben des „Südlichen Korridors“ um sehr viel Geld und sehr viel Politik geht, versteht sich von selbst. Das Herzstück des Korridors ist die „Transanatolische Leitung“, nach dem Akronym aus dem Englischen Tanap genannt. Haupteigner soll der staatliche aserbaidschanische Energiekonzern Socar werden, mit Minderheitenbeteiligungen des ebenfalls staatlichen türkischen Gas- und Ölkonzerns Botas sowie von BP. Aus Sicht Ankaras sollen die Tanap und vor allem mögliche spätere Erweiterungen dazu beitragen, die Türkei endlich zu einem Drehkreuz der Energiewirtschaft zwischen Europa, dem Kaukasus, Zentralasien und dem Nahen Osten zu machen – denkbar sind Verknüpfungen der Tanap mit dem Nordirak und Iran, aber auch mit den israelischen und zyprischen Gasfeldern im Mittelmeer. Dem stehen zwar alte politische Hindernisse entgegen (die Teilung Zyperns ist nur eines), aber die Aussicht auf wirtschaftlichen Wohlstand könnte alle Beteiligten Lösungen näherbringen, die früher nicht denkbar schienen. Die Türkei erwartet, sollte das Gas wie geplant ab 2019 fließen, zunächst ein Viertel ihres eigenen Bedarfs daraus decken zu können, später mehr.

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