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Arnsdorf in Sachsen : Selbsternannte Bürgerwehr fesselt Asylbewerber an Baum

  • Aktualisiert am

Eine Szene aus dem Video, das in sozialen Netzwerken verbreitet wird Bild: YouTube/Screenshot F.A.Z.

Nach Problemen mit seiner SIM-Karte bedrohte ein psychisch kranker Iraker das Personal eines Supermarkts in Arnsdorf in Sachsen. Daraufhin fesselten ihn mehrere Männer mit Kabelbindern. Die Polizei ermittelt gegen beide Seiten.

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          Im sächsischen Arnsdorf hat eine selbsternannte Bürgerwehr einen irakischen Asylbewerber aus einem Supermarkt gezerrt und an einen Baum gefesselt. Ein entsprechendes Video wurde in sozialen Onlinenetzwerken verbreitet. Ein Sprecher der Polizeidirektion Görlitz sagte am Donnerstag, bislang seien vier Tatverdächtige identifiziert worden.

          Der Vorfall ereignete sich bereits am 21. Mai in einem Supermarkt in Arnsdorf im Landkreis Bautzen, wie die Polizei am Mittwoch mitteilte. In dem Video, das vor allem in asylfeindlichen Foren kursiert, ist eine Diskussion zwischen Mitarbeitern und einem jungen Mann mit Flasche zu sehen. Plötzlich tauchen mehrere Männer auf und gehen zielstrebig auf den Iraker zu. Einer ballt die Faust, ein anderer entwendet ihm eine Flasche, die er in der Hand hält, packt ihn und führt ihn in Richtung Ausgang. Der junge Mann wehrt sich, wird geschubst und geschlagen und schließlich brutal vor die Tür gebracht. Das Video endet mit den Worten einer Frau im Geschäft, die sagt: „Ist schon schade, dass man ’ne Bürgerwehr braucht.“

          In den sozialen Netzwerken wird der Vorfall so dargestellt, als habe der Asylbewerber geklaut. Doch die Polizei stellte klar, dass es keinen Diebstahl gegeben und der Mann niemanden verletzt und nichts beschädigt habe. Gegen ihn wird aber wegen des Verdachts der Bedrohung ermittelt.

          Der Polizei zufolge ist der Iraker psychisch krank und in einer Fachklinik im sächsischen Arnsdorf untergebracht. Nach Unklarheiten um eine von ihm gekaufte SIM-Karte sei er wütend geworden und habe Mitarbeiter bedroht. Die Polizei berichtet weiter, dass der Mann bereits am Vortag zwei Mal in dem Supermarkt erschienen war, um das Problem zu klären, sich aber nicht mit Mitarbeitern verständigen konnte. In beiden Fällen sei die Polizei hinzu gerufen und der Mann zurück ins Krankenhaus gebracht worden. Bei seinem dritten Erscheinen sei die Situation jedoch eskaliert. Nachdem die Filialleiterin festgestellt habe, dass die SIM-Karte aufgebraucht war, sei der Iraker wütend geworden und habe die Mitarbeiter mit einer Flasche Wein bedroht.

          CDU-Gemeinderatsmitglied soll beteiligt gewesen sein

          Als die Polizei eintraf, fanden sie den jungen Mann mit Kabelbindern an einen Baum auf dem Parkplatz des Supermarkts gefesselt. Die Männer der selbsternannten Bürgerwehr gaben demnach an, sie hätten den Iraker an der Flucht hindern wollen. Die Polizisten forderten sie den Angaben zufolge auf zu gehen - ohne ihre Personalien aufzunehmen. Inzwischen wird gegen vier Männer, die im Zusammenhang mit dem Fall bislang bekannt sind, wegen des Verdachts auf Freiheitsberaubung ermittelt. Der Staatsschutz wurde eingeschaltet. Bei einem der Männer handelt es sich laut der „Sächsischen Zeitung“ um ein CDU-Gemeinderatsmitglied.

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