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Armenien und Aserbaidschan : Aussöhnung ausgeschlossen

Aserbaidschan schießt mit schweren Waffen Bild: AP

Im Konflikt um Nagornyj Karabach treffen mit Armenien und Aserbaidschan zwei unversöhnliche Gegner aufeinander. Beide Seiten sind hochgerüstet, Zehntausende Soldaten stehen sich gegenüber.

          Wie eine Lösung des Konflikts zwischen Armenien und Aserbaidschan um Nagornyj Karabach aussehen könnte, ist völlig unklar. Das grundierte die internationalen Besorgniserklärungen und Mäßigungsappelle vom Wochenende mit einer gewissen Ratlosigkeit. Schon wer die jüngste Eskalation angefangen hat, blieb offen.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Hervorgehoben wurde nun einerseits, dass Aserbaidschan allgemein mehr Grund hätte, eine Änderung des Status quo anzustreben – schließlich würde ein Friedensschluss auf dessen Grundlage den Verlust von fast einem Siebtel des aserbaidschanischen Staatsgebiets zementieren. Präsident Alijew, der 2003 die Macht von seinem Vater gleichsam erbte, bekräftigt stets den Anspruch auf Nagornyj Karabach und einige angrenzende, ebenfalls von Armenien kontrollierte Gebiete.

          Armenische Freiwillige erhalten Kampfausrüstung, bevor sie in Bussen an die Frontlinie gefahren werden.

          Eine Aussöhnung mit dem Erzfeind scheint für ihn ausgeschlossen; Kritiker seines Regimes, die sich dafür einsetzen, wurden in Schauprozessen verurteilt. Zudem wurde nun auf die zuletzt angespannte Lage in Aserbaidschan hingewiesen, wo die Wirtschaft aufgrund des Ölpreisverfalls eingebrochen ist und Alijew Sozialproteste mit gewohnt harter Hand unterdrückte. Eine aserbaidschanische Militäroffensive erschiene aus dieser Sicht wie ein Versuch, das Volk hinter dem repressiven und von Clanwirtschaft geprägten Regime zu sammeln.

          Dagegen wird argumentiert, dass ein schneller Erfolg in dem Konflikt – ein „Blitzkrieg“, wie ein russischer Kaukasusfachmann formulierte – militärisch nicht möglich sei, was auch Alijew klar sein dürfte. An der Kontaktlinie sollen einander jeweils rund 20.000 Soldaten gegenüberstehen; aus Stepanakert, der „Hauptstadt“ von Nagornyj Karabach, wird zudem von vielen jungen Männern berichtet, die freiwillig kämpfen wollten. Beide Seiten sind hochgerüstet: Aserbaidschan hat die bis vor kurzem üppigen Öl-Einnahmen genutzt, um moderne Waffen zu kaufen, Drohnen, Kampfhubschrauber und -flugzeuge. Das Gerät kam vielfach aus Russland, zum Verdruss der armenischen Führung, die ihrerseits zu reduzierten Preisen Waffen von der Schutzmacht erwirbt.

          Im Rahmen der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) wäre Russland zu Beistand verpflichtet, sollte Armenien angegriffen werden; im Norden des Landes liegt ein großer russischer Armeestützpunkt, der im Zuge des neuen Konflikts zwischen Russland und der Türkei verstärkt worden ist. Manche wollten angesichts der geopolitischen Verwicklungen hinter der jüngsten Eskalation einen „langen Arm“ Moskaus respektive Ankaras erkennen. Dagegen wurde hervorgehoben, dass die Präsidenten Armeniens wie Aserbaidschans ihr jeweiliges Militär bis hin zu den Truppen an der Kontaktlinie kontrollierten.

          Russlands Präsident Wladimir Putin hatte im August 2014, nachdem wieder einmal etliche Soldaten beider Seiten bei Gefechten getötet worden waren, Alijew und Sarkisjan in Sotschi an einen Tisch gebracht. Auch in Moskau, wo am Wochenende Krisentelefonate nach Baku und Eriwan geführt wurden, ist man sich bewusst, dass jede Militäroperation zu einer noch größeren Eskalation führen könnte. So sagte Nikolaj Bordjoscha, der russische Generalsekretär der OVKS, bei einer Fortsetzung des Konflikts drohe die „Destabilisierung der gesamten Kaukasus-Region“.

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