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Ariel Scharon : Der Vollstrecker

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Premier Ariel Scharon, der ehemalige Rechtsaußen der israelischen Politik, hat Ernst gemacht, und den Gazastreifen räumen lassen. Fraglich, ob er damit doch noch als Friedenspolitiker in die Geschichte eingehen wird.

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          Als er vor knapp zwei Jahren mit dem Plan herausrückte, wollten und konnten es viele nicht glauben; doch jetzt ist das damals gesteckte Ziel Wirklichkeit geworden.

          Ariel Scharon, der israelische Ministerpräsident, der ehemalige Rechtsaußen der israelischen Politik, hat den Gazastreifen geräumt, die Siedlungen aufgelöst und auch mit der Auflösung von vier kleinen Siedlungen im Norden des Westjordanlandes Ernst gemacht. Er hat darüber Krach mit seiner Partei, dem Likud, riskiert und sich einstweilen von den Siedlern entfremdet, die früher in ihm ihren wichtigsten Schutzpatron sahen.

          Wieder einmal ist bestätigt worden, daß in manchen Situationen Politiker der Rechten unpopuläre Maßnahmen besser durchsetzen können als solche der Linken. In Israel war es einer von Scharons rechten Vorgängern, Menachem Begin, der den Frieden mit Ägypten schloß.

          Friedenspolitiker Scharon?
          Friedenspolitiker Scharon? : Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

          Ob Scharon schließlich doch noch als Friedenspolitiker in die Geschichte eingehen wird, ist ungewiß. Einmal ist er schon 76 Jahre alt; und zum andern hat er wissen lassen, der Rückzug aus Gaza sei es jetzt erst einmal gewesen. Nun seien die Palästinenser an der Reihe.

          Schwerfällig und vierschrötig

          Scharon, ein Mann, der körperlich immer etwas schwerfällig, ja vierschrötig wirkte, war in seiner Jugend für sein gestörtes Verhältnis zu den Arabern bekannt. Biographien berichten von Prügeleien mit Araberjungen. Später erwarb er in den Kriegen Israels den Ruf eines Haudegens und wurde zur Geißel der arabischen Armeen. Einen Tiefpunkt seiner Karriere erreichte er allerdings, als er im Jahre 1982, unter dem Ministerpräsidenten Begin, die treibende Kraft des Libanon-Krieges wurde. So erfolgreich er zuvor gewesen war, so sehr verzettelte sich sein Land damals in den libanesischen Wirren.

          Das berüchtigte Massaker von Sabra und Schatila, bei dem libanesische christliche Milizen etwa tausend Palästinenser unter den Augen der israelischen Besatzer ermordeten, wird für immer als ein „menschlicher Makel“ an der Person Ariel Scharons haftenbleiben. Das hat sogar ein israelischer Richter festgestellt, der dem damaligen Verteidigungsminister eine Mitschuld zuwies.

          Ein Mann der Mitte?

          In den vergangenen Jahren haben sich die Koordinaten in Israel so verschoben (oder Scharon hat sich so geändert), daß man ihn nun mehr als einen Mann der Mitte ansieht. Zwar wollte er mit Arafat bis zu dessen Tod nicht mehr sprechen, und er tat alles, um ihn zu isolieren; doch mit dessen Nachfolger Mahmud Abbas pflegt er ein normales Verhältnis, dem sogar Spuren eines gewissen Vertrauens nicht fremd sind. In Scharm al Scheich, dem ägyptischen Badeort an der Südspitze der Halbinsel Sinai, traf man sich im Februar dieses Jahres, um den erstorbenen Friedensprozeß wiederzubeleben.

          Eine „Roadmap“ wurde entworfen. Ob es nun, da Scharon den Rückzug vollstreckt hat, dazu kommen wird, diesen Plänen auf mittlere Frist neues Leben einzuhauchen, wird nicht allein von Ariel Scharon abhängen. Die Palästinenser müssen ihr Teil dazu ebenso beitragen wie der amerikanische Präsident und jenes Nahost-Quartett, zu dem auch die Europäer gehören. Deren Repräsentanten empfängt Scharon gerne auf seiner Farm im Negev, wo er sich einst niedergelassen hat - als Siedler, der Äcker fruchtbar macht und bestellt.

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