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Arbeitspapier für Bischofssynode : Vatikan will an Familienmoral festhalten

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Der Vatikan will die bestehende Familienmoral zur Grundlage der Bischofssynode machen - und legt nur behutsame Aktualisierungen nahe. Oft sei „Unkenntnis“ Ursache für die Kluft zwischen Lebenspraxis und Morallehre.

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          Die katholische Kirche plant allenfalls geringfügige Änderungen ihrer Familienmoral. Das geht aus einem 90 Seiten langen Arbeitspapier hervor, das Lorenzo Kardinal Baldisseri am Donnerstag in Vorbereitung der für Oktober geplanten außerordentlichen Bischofssynode vorgestellt hat. Für die Erstellung des Papiers hatte die Kirche Bischöfe aus aller Welt befragt. Im deutschsprachigen Raum hatte die Umfrage eine große Kluft zwischen der Lebenspraxis der Gläubigen und der kirchlichen Morallehre offenbart.

          Aus dem „Instrumentum Laboris“ genannten Papier wird deutlich, dass der Vatikan die bestehende Familienmoral zur Grundlage der Bischofssynode machen will – und allenfalls behutsame Aktualisierungen nahelegt. Oft sei Unkenntnis eine Ursache für die Distanz zur Lehre, heißt es in dem Papier. Darum müsse die Kirche den Menschen besser begleiten, um ihm in „pastoraler Liebe“ zu helfen, in der „Gnade Christi“ zu leben. Die Kirche sei aber nicht Richter, sondern wie eine „Mutter, die ihre Kinder immer wieder annimmt“, wird Papst Franziskus zitiert.

          Zum Problem der wiederverheirateten Geschiedenen nennt das Papier den Vorschlag, „eine zweite oder dritte Ehe mit Bußcharakter“, also in Enthaltsamkeit wie bei orthodoxen Kirchen möglich zu machen. Vielen Betroffenen sei die „öffentliche Wiederzulassung“ zu den Sakramenten wichtig. Zu gleichgeschlechtlichen Partnerschaften gebe es bei den Bischofskonferenzen „ein breites Zeugnis in Bezug auf die Suche nach einem Gleichgewicht zwischen der Lehre zur Familie und einer respektvollen, nicht verurteilenden Haltung“. Das Papier beharrt auf dem Verbot von Verhütungsmitteln und fordert von den Gläubigen, den „tiefen anthropologischen“ Sinn der Ehe neu zu entdecken.

          Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) begrüßten das Arbeitspapier am Donnerstag. Insgesamt sei ein wichtiger Text entstanden, der Auskunft über Fragen der Ehe- und Familienpastoral weltweit gebe, sagte der Vorsitzende der DBK, Reinhard Kardinal Marx. Von dieser „globalen Perspektive“ könne die Kirche in Deutschland lernen. Auch der Präsident des ZdK, Alois Glück, lobte das Papier. „Es wird deutlich ausgesprochen, dass viele Christen – auch da, wo die Lehre der Kirche über Ehe und Familie bekannt ist – Schwierigkeiten haben, sie anzunehmen“, sagte Glück. Klar benenne das Arbeitspapier etwa den Widerstand vieler Katholiken gegen die kirchliche Lehre bei Themen wie Abtreibung, Wiederheirat, Homosexualität, Treue und Empfängnisverhütung.

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