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Arbeitsmarkt : Jetzt sind auch die Deutschen Gastarbeiter

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Bild: F.A.Z.

Zwei Maurer in der Schweiz: Immer mehr verzweifelte Handwerker gehen ins Ausland. Private Arbeitsagenturen haben sich auf die Vermittlung von Deutschen spezialisiert.

          „Schweiz ganz natürlich“. Die Eidgenossen haben sich einen doppelsinnigen Werbespruch für ihr Land einfallen lassen. Ohne nachzudenken, in die Schweiz, wo es noch so viel Natur gibt. Zum Beispiel in Klosters in Graubünden, im Winter schneesicher, im Sommer herrlich und im Herbst laubbunt. Ideal fürs Skifahren, Wandern oder Pferde-Trekking.

          Enrico Heyduck und Walter Friedrich pfeifen auf all das. Sie können sich ohnehin nur das Wandern leisten, zu Fuß auf den Berg, nicht mit der Seilbahn. Sonst wird's gleich teuer. Klosters ganz natürlich? Keine Spur. Trotzdem sind die beiden Magdeburger froh, dort zu sein. Sie malochen in dem Edel-Ferienort, denn er bietet ihnen, was sie in Sachsen-Anhalt nicht finden: Arbeit.

          100.000 Franken Kaution

          „Unser Baukran steht an einem Hang, ganz leicht zu finden.“ Enrico Heyduck und Walter Friedrich sind Maurer, der eine ist 27, der andere 46 Jahre alt. Der Jüngere hat eine gute Portion Selbstbewußtsein, zieht den Älteren mit. Der gibt sich dem Schicksal drein. Eigentlich sind beide auf Klinkerstein spezialisiert. Klinkerstein ist jedoch in der Schweiz nicht sehr gefragt. „Die machen hier alles anders“, sagt Enrico Heyduck. Also ziehen sie nun Mauern aus Stahlbeton hoch, verputzen Wände, haben es sich zeigen lassen müssen - „wie einem Lehrling“.

          Die Zeiten haben sich geändert. Früher holte sich Deutschland Gastarbeiter ins Land, heute sind Deutsche Gastarbeiter. „Im Saisongeschäft könnten die Deutschen einmal das werden, was bei uns die Italiener in den sechziger und siebziger Jahren waren“, sagt Rico Birchler, der Geschäftsführer der „Gross Arbeit AG“, eines schweizerischen Unternehmens, das Personal für Industrie und Bau vermittelt. Es hat seinen Sitz in Buchs, knapp sechzig Kilometer von Klosters entfernt, und die höchstamtliche Bewilligung zur „grenzüberschreitenden Verleihtätigkeit“. Erfahrung in der Personalbranche, ein guter Leumund und eine Kaution von 100.000 Franken zur Absicherung der Löhne sind dafür die Voraussetzung.

          Leben auf zwölf Quadratmetern

          Rico Birchler ist seit mehr als zwanzig Jahren in diesem Geschäft. In seiner Begrüßungsrede vor neuen Mitarbeitern erzählt er immer, wie er sagt, von seinen Kindheitserinnerungen an die Italiener. Sie logierten damals bei ihm daheim im Dreifamilienhaus in der Wohnung der Großmutter. Nach der Saison waren sie weg, und wenn sie wiederkamen, „hat man sich gefreut“. Die Schweiz hat in jenen Jahren die Italiener nicht immer freundlich behandelt. Ja, sagt Birchler, „manche wohnten in Holzbaracken“.

          Enrico Heyduck und Walter Friedrich logieren zwar nicht in einer Holzbaracke, sondern in Schiers in einem rosaroten, mehrstöckigen Neubau. Schiers ist ein beschaulicher Ort, bis nach Klosters sind es zwanzig Kilometer. Zur Arbeit fahren die beiden mit dem eigenen Auto. Aber selbst Schiers hat ein Industriegebiet, unten auf der anderen Seite der Umfahrungsstraße. Dort steht das mehrstöckige Haus neben einem großen Strommast und einem Lagerplatz. Luxuriös kann man das Zimmer nicht gerade nennen, auch wenn es eine eigene Dusche hat: zwölf Quadratmeter, zwei Betten, Schrank, Tisch, Stühle; den Fernseher haben sie von zu Hause mitgebracht.

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