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Arbeitsmarkt : Jetzt sind auch die Deutschen Gastarbeiter

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Zwischen zwei Eisentüren ohne Licht

So ist es eben, wenn man Gastarbeiter auf Zeit ist. Pro Bett zahlen sie 350 Schweizer Franken im Monat (umgerechnet rund 230,40 Euro). Enrico Heyduck hat sich schon nach etwas anderem umgeschaut, „aber die verlangen 35 Franken pro Nacht“, sagt er. Das kommt nicht billiger. Außerdem haben sie auch im Hausflur Tageslicht, womit sie besser dran sind als ihre Stockwerks-Kollegen ein paar Schritte weiter. Italiener, Portugiesen, Deutsche und ein Somalier, zählt Heyduck auf. Deren Zimmer liegen zwischen zwei Eisentüren, die kein Licht auf den Flur hereinlassen.

Magdeburg, im Europa-Job-Center mitten in der Stadt: „Zahlen die pünktlich? Muß man nicht zwei Monate umsonst arbeiten wie hier,“ hat dort Enrico Heyduck gefragt. Das war im Sommer. Und die beiden Kumpel hatten damals darauf bestanden, zusammen vermittelt zu werden. Wobei sie da noch an Österreich dachten. Sylvia Bräsecke, Personalberaterin im Europa-Job-Center, hat sich an ihren Wunsch gehalten. Einmal abgesehen von der Schweiz. Aber die beiden hatten schließlich keine große Wahl. Enrico Heyduck weiß schon gar nicht mehr, wie oft er arbeitslos war. Hartz IV, Arbeitslosengeld II, sagt er, dann lieber weg. Walter Friedrich hat ein Haus gebaut, das noch abgezahlt werden muß.

Private Agentur vermittelt ins Ausland

Seit gut drei Jahren gibt es das Europa-Job-Center in Magdeburg, der Stadt mit einer Arbeitslosigkeit von zwanzig Prozent. Das Center ist eine private Vermittlungsstelle, die im Auftrag der Agentur für Arbeit Magdeburg und auch mit Unterstützung des Landes Sachsen-Anhalt Fachkräfte ins europäische Ausland schickt und den Kontakt zu ausländischen Arbeitgebern sucht. Von Mai 2001 bis Mitte Oktober 2004 lautet die Bilanz: 17.465 Besucher, 6397 Erstberatungen, 2386 Vermittlungen. „Ganz schön“ findet das Sylvia Bräsecke.

In Lohn und Arbeit gebracht wurden Fachleute wie Heyduck und Friedrich: Schlosser und Schweißer, Karosseriebauer, Kfz-Mechaniker oder Kellner nach Schweden, England, Österreich, in die Niederlande oder in die Schweiz. „Es wird sowieso so kommen, daß man dorthin geht, wo es Arbeit gibt“, sagt Sylvia Bräsecke. Außerdem ist der binneneuropäische Arbeitsmarkt transparenter geworden, erleichtern bilaterale Verträge wie beispielsweise mit der Schweiz die Einstellung von Fremden. „Vielleicht tut uns die Umkehrung, nämlich mal Ausländer zu sein, auch gut“, fügt die Personalberaterin hinzu. Hochmut ist nach ihrer Ansicht in der momentanen Lage der Deutschen schon gar nicht angebracht.

Exodus der Fachkräfte aus Ostdeutschland

Freilich hat das Europa-Job-Center auch Gegner. Ihr Argument lautet, es befördere den Exodus der Fachkräfte aus Ostdeutschland. „Die will ja keiner mehr haben“, hält Bräsecke dem entgegen und: Im Ausland verdienen sie Geld; erhalten ihren Wert auf dem Arbeitsmarkt und ihr Selbstbewußtsein.
Die Umkehrung: Enrico Heyduck hat das Gastarbeiterdasein beim ersten Mal nach vier Tagen wieder aufgegeben. Das war in Österreich, in Linz. Da sei er in einem Asylantenheim mit vierzig „Jugos“ untergebracht gewesen, schmutzige Duschen und Toiletten. Dagegen sei die Schweizer Unterkunft eine Luxusherberge. Und der österreichische Vorarbeiter habe ihn gepiesackt nach der Art: „Gibt es bei euch keine Arbeit?“ Das sei für ihn nicht einfach gewesen.

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