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Arbeitsmarkt : Hochkonjunktur für Schwarzarbeit

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Die Schattenwirtschaft wächst Bild: dpa

Deutsche Jobs tauchen ab in die Schattenwirtschaft zum Schaden der Gesellschaft. Analyse (5).

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          „Für diesen Job erhalten Sie 1.000 Euro auf die Hand!“ - dieses Angebot kann Max Ehrlich wahrlich nicht ablehnen und wird sich mit dem Bauunternehmer Friedhelm Lange schnell einig. Mit einem Augenzwinkern verabschieden sich schließlich die Männer und wissen, an den Fiskus oder das Sozialversicherungssystem werden sie keinen müden Pfennig abführen. Das kommt für beide günstiger und erspart ein Haufen Formulare. Solche oder ähnliche Gespräche spielen sich in Deutschland täglich zuhauf ab - Schwarzarbeit gehört in vielen Branchen inzwischen zur Normalität.

          Erhebungen zum Thema Schwarzarbeit sprechen eine deutliche Sprache: Seit 1975 hat sich das Volumen der Schattenwirtschaft hierzulande um das elffache erhöht und betrug 2001 geschätzte 658 Milliarden Mark. Davon geht zumindest Professor Friedrich Schneider von der Johannes-Kepler-Universität in Linz aus. Gleichzeitig habe der Anteil der Schattenwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt einen Spitzenwert erreicht, so der Experte. Betrug er 1975 noch 5,75 Prozent, so ist er 2001 auf geschätzte 16 Prozent angestiegen. Damit wäre im langfristigen Trend die Schwarzarbeit sicherlich der am stärksten wachsende „Wirtschaftszweig“ in Deutschland. Und Schneider ist überzeugt: diese Entwicklung dürfte auch 2002 anhalten.

          Bereitschaft zur Schwarzarbeit wächst

          Viele deutsche Arbeitnehmer scheinen an Schwarzarbeit nichts Ehrenrühriges zu finden. Umfragen zufolge wächst die Akzeptanz in großen Schritten: Über die Hälfte der Bevölkerung wäre beispielsweise grundsätzlich dazu bereit, Schwarzarbeit nachzufragen, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet. Glaubt man der Studie von Friedrich Schneider, dann leistet inzwischen etwa ein Drittel der in Deutschland lebenden Menschen selber Schwarzarbeit, sei es in Form eines Ganztagsjobs oder nebenberuflich. Und würde man davon ausgehen, dass all diese Tätigkeiten Ganztagsbeschäftigte ausführen, dann ergäbe sich eine Zahl von über fünf Millionen „Vollzeitschwarzarbeitern“.

          Besonders betroffen: die Baubranche

          Von Schwarzarbeit betroffen sind nahezu alle Wirtschaftszweige. Am besten floriert sie allerdings im Bau- und Handwerksgewerbe. Denn hier ist der Unterschied zwischen dem Verdienst eines Schwarzarbeiters und eines rechtmäßig Beschäftigten besonders hoch. Werden pro Schwarzarbeiterstunde zwischen 10 und 12 Euro bezahlt, so kostet die offizielle Handwerkerstunde 40 bis 50 Euro. Aber auch im Dienstleistungsgewerbe greift die Schattenwirtschaft im zunehmenden Maße um sich. Babysitten, das Geben von Nachhilfestunden sowie Gärtnerarbeiten - all das sind Tätigkeiten, für die in vielen Fällen keine Steuern und Sozialabgaben abgeführt werden.

          Deutschland liegt im Mittelfeld

          Mit diesem Problem steht Deutschland keineswegs alleine da. In den meisten Industrieländern ist in den letzten 25 Jahren ein Anwachsen der Schattenwirtschaft zu verzeichnen. Einem Vergleich von 21 untersuchten OECD-Ländern zufolge befindet sich Deutschland dabei im Mittelfeld. Die Spitzengruppe bilden Griechenland, Italien und Spanien, in denen 1999/2000 der Anteil der Schattenwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt zwischen 23 und 29 Prozent lag. In der Schweiz, den USA und Großbritannien hingegen wird weit weniger schwarz gearbeitet.

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