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Arabische Christen in Israel : Bedrängte Verbündete

Arabische Christen sind in Nazareth in der Minderheit Bild: (c) AMMAR AWAD/Reuters/Corbis

Arabische Christen, die in Israels Armee Wehrdienst leisten, werden von anderen Arabern angefeindet und als Verräter beschimpft. Am Wochenende erhalten sie Unterstützung: Der Papst kommt ins Heilige Land.

          Im Internet ist schon ein Kopfgeld ausgesetzt. Es kursieren Fotos von Gabriel Nadaf. Aber der griechisch-orthodoxe Priester lässt sich nicht einschüchtern. „Für uns ist das ein heiliger Kampf. Wir müssen unsere Heimat zusammen mit den Juden verteidigen. Wir haben kein anderes Land“, sagt der Geistliche aus Nazareth. Deshalb fordert Nadaf alle jungen arabischen Christen auf, wie ihre jüdischen Altersgenossen Wehrdienst zu leisten - in der israelischen Armee, die die Palästinensergebiete kontrolliert und im Ernstfall gegen die arabischen Nachbarstaaten in den Krieg zieht. Mit seinem Appell hat der Priester aus Galiläa kurz vor dem Besuch von Papst Franziskus im Heiligen Land eine heftige Debatte entfacht.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Die arabische Minderheit in Israel, die 20 Prozent der Bevölkerung ausmacht, ist vom Wehrdienst freigestellt. Trotzdem steigt die Zahl der arabischen Christen, die sich freiwillig melden und dafür von anderen Arabern als „Verräter“ beschimpft werden. Der Streit nahm noch einmal an Schärfe zu, als das israelische Verteidigungsministerium ankündigte, bald Briefe an junge Christen im wehrpflichtigen Alter zu schreiben. Dabei handelt es sich um keine Einberufung, sondern um die freundliche Einladung, sich über die Möglichkeiten zu informieren, die der Armeedienst bietet.

          „Briefe der Armee sofort verbrennen“

          Priester Gabriel Nadaf steht unter Polizeischutz. Sein Sohn wurde schon zusammengeschlagen, weil er israelischer Soldat werden will. 66 Jahre nach der Gründung Israels sucht die kleine christliche Minderheit, die nur zwei Prozent aller Israelis ausmacht, immer noch ihren Platz in dem Land und neben ihren muslimischen Mitbürgern: In Nazareth, wo die arabischen Christen früher 60 Prozent der Einwohner stellten, sind sie zur Minderheit geworden.

          „Es war der Wunsch der Kirche, die sich als ein Teil Israels versteht. Wenn mehr junge Christen mehr über die Armee wissen, werden sich mehr von ihnen melden“, sagt Oberst Gil Ben Schaul, der im israelischen Verteidigungsministerium für die Rekrutierung zuständig ist. Er meint damit nicht die Amtskirche, sondern das „Forum der israelischen Christen für die Einberufung“, das vor zwei Jahren in Nazareth gegründet wurde und an dessen Spitze Gabriel Nadaf steht. Die Gruppe ist klein, die Reaktion auf ihre Aktivitäten war umso größer. Alle Christen sollten sofort die Briefe der Armee verbrennen, forderte empört der arabische Knesset-Abgeordnete Basel Ghattas. Die Regierung wolle die christlichen Araber von der restlichen arabischen Minderheit „abspalten“. Bald werde sie die Wehrpflicht für alle Christen einführen.

          Mehr Rechte durch Staatsdienst?

          Obwohl Ghattas der kommunistischen Hadasch-Partei angehört, hat er einen Brief an den Papst geschrieben und ihn gebeten einzugreifen, um das zu verhindern. Der größte Dachverband arabischer Organisationen warnte vor einem israelischen Versuch, junge Christen in den „Sumpf der Besatzung zu stürzen und Streit unter Arabern zu säen“. Aber die israelischen Araber würden ihre Identität sicherlich nicht für ein paar Schekel verkaufen, hieß es in einer Erklärung.

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