https://www.faz.net/-gpf-365f

Anti-Terror-Einsatz : Vorauskommando startet frühestens nächste Woche nach Kabul

  • Aktualisiert am

In Potsdam koordiniert die Bundeswehr den Einsatz der deutschen UN-Soldaten Bild: ddp

Die ersten 200 deutschen Soldaten als Teil eines Vorauskommandos für den UN-Friedenseinsatz in Afghanistan werden frühestens Anfang nächster Woche nach Kabul verlegt.

          2 Min.

          Das Vorauskommando für den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan wird frühestens nächste Woche starten. Das sagte Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) am Mittwoch in Berlin. Erst müsse das Erkundungsteam, das in der Nacht zu Mittwoch in Kabul landete, die Einsatzbedingungen vor Ort klären.

          Dieses Erkundungsteam von rund 30 Offizieren aus 17 Staaten - darunter befinden sich neun Bundeswehroffiziere - bereitet die Stationierung der 4500 Mann starken internationalen Schutztruppe für Afghanistan (ISAF) vor.

          Suche nach Flughäfen

          Scharping kündigte an, dass zusätzlich zu dem internationalen noch ein deutscher Erkundungstrupp nach Zentralasien geschickt werde. Aufgabe dieses Teams sei es, mögliche Flughäfen in Usbekistan, Tadschikistan, Turkmenistan oder Aserbaidschan zu finden, die für die Versorgung des deutschen Kontingents im Laufe des Einsatzes genutzt werden können. Bei den afghanischen Flughäfen gebe es nach wie vor Engpässe.

          Abschied von Deutschland
          Abschied von Deutschland : Bild: dpa

          Bei dem Vorauskommando, dem neben den 200 deutschen noch 50 dänische Soldaten angehören, könne hingegen davon ausgegangen werden, „dass in dieser Woche einschließlich Sonntag mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Verlegung erfolgt“, sagte Scharping weiter. Vor einer Entscheidung müssten zunächst die Ergebnisse des Erkundungskommandos abgewartet werden. Dann müsse Großbritannien als Führungsnation einen „Verlegegplan“ erarbeiten.

          Übernimmt Türkei das Kommando?

          Das Kommando über die ISAF führt für drei Monate Großbritannien, anschließend übernimmt nach Angaben des französischen Verteidigungsministers Alain Richard die Türkei die Führung. Aus dem türkischen Außenministerium verlautete dagegen, für ein türkisches Kommando gebe es keinen offiziellen Beschluss. Zunächst müsse der UN-Sicherheitsrat eine entsprechende Entscheidung fällen.

          Marineverband ausgelaufen

          Zugleich lief am Mittwoch ein Verband der deutschen Marine von Wilhelmshaven aus zum Anti-Terror-Einsatz in Richtung Horn von Afrika aus. Unter der Führung der Fregatte „Emden“ legten die sechs Schiffe mit rund 750 Soldaten an Bord vom Stützpunkt Wilhelmshaven ab.

          In etwa drei Wochen sollen sie ihr Einsatzgebiet am Horn von Afrika erreicht haben. „Das ist ein Routineauftrag, aber nicht ohne Risiko“, erklärte den Befehlshaber der Flotte, Vizeadmiral Lutz Feldt, vor dem Auslaufen der Schiffe. Nach Marineangaben soll der Verband die Seewege sichern sowie Nachschub und Fluchtwege terroristischer Organisationen unterbrechen.

          Der Einsatz sei auf sechs Monate konzipiert. Insgesamt richte sich die Marine auf einen Einsatz von 8 bis 12 Monaten mit bis zu 1800 Soldaten ein, darunter auch Luftwaffen- und Heereskräfte. Eine Landbasis zur Unterstützung der Marineeinheiten werde vorbereitet, der genaue Ort stehe jedoch derzeit nicht fest.

          "Vieles ist noch offen"

          Die Operation trägt den Titel „Unterstützung Enduring Freedom“, an der Fahrt nehmen die Fregatten „Emden“ und „Köln“, der Versorger „Freiburg“, der Tanker „Spessart“ sowie die Tender „Main“ und „Donau“ teil. Am Freitag folgt die Verladung von fünf Schnellbooten, die mit Spezialschiffen zum Horn von Afrika gebracht werden. Vizeadmiral Feldt sagte, der Einsatz sei „nicht in allen Teilen“ planbar. „Vieles ist noch offen“, meinte er.

          Weitere Themen

          Meuthen startet Angriff auf rechtes Lager Video-Seite öffnen

          AfD-Parteitag : Meuthen startet Angriff auf rechtes Lager

          Auf dem AfD-Bundesparteitag hat Parteichef Jörg Meuthen einen Frontalangriff auf das rechte Lager gestartet. In seiner Rede in Kalkar kritisierte er eine zunehmend radikale Wortwahl und warnte vor der Nähe zur Querdenken-Bewegung.

          Topmeldungen

          Der belgische Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke bei einer Pressenkonferenz in Brüssel am 20. November

          Corona-Einschränkungen : Warum Belgien den deutschen Corona-Kurs kritisiert

          Belgien hat kaum noch mehr Infektionen als Deutschland, hält aber an strengen Einschränkungen fest. Der Gesundheitsminister verteidigt das – er hält den deutschen Kurs für zu lax. Dabei war die Bewunderung noch vor kurzem groß.
          Plädoyer vor dem Ethikrat: Matthias Habich und Lars Eidinger in „Gott von Ferdinand von Schirach“.

          Streit um von Schirachs „Gott“ : Mediziner gegen Mediziner

          Der Film „Gott von Ferdinand von Schirach“ beschwört eine heftige Kontroverse herauf. Palliativmediziner und Psychologen werfen ihm vor, er stelle die Frage nach dem Recht auf assistierten Suizid falsch. Andere Palliativmediziner und Juristen sagen nun, die Kritiker verzerrten alles von A bis Z.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.