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Anschlagspläne in Washington : Operation Chevrolet

  • -Aktualisiert am

„Wie ein Hollywood-Drehbuch“: FBI-Direktor Robert Mueller und Justizminister Eric Holder am Dienstag nach ihrem Auftritt vor der Presse in Washington Bild: dpa

Die iranischen Verschwörer waren wild entschlossen, ein Attentat gegen den saudischen Botschafter in Washington zu verüben. Dabei stimmten sie sich eng mit einem Offizier der Revolutionsgarden in Teheran ab.

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          Der iranischstämmige Gebrauchtwagenhändler und Restaurantbetreiber Mansur Arbabsiar, wohnhaft in der texanischen Stadt Corpus Christi, hat öfter auch geschäftliche Kontakte ins nahe Mexiko. Er lebt, getrennt von seiner Frau Esperanza, in einer Wohnanlage in einer beschaulichen Sackgasse. Hin und wieder besuchen ihn seine beiden Kinder aus der geschiedenen Ehe. Von Nachbarn wird er bald als ordentlich, aber wenig umgänglich, bald als richtig netter Kerl beschrieben, der meistens guter Laune gewesen sei. Manche nennen ihn „Jack“, weil ihnen der Name Mansur zu kompliziert ist.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Plötzlich steht der 56 Jahre alte Mann mit amerikanischem und iranischem Pass in New York vor Gericht, weil er nach Überzeugung der Behörden gemeinsam mit einem Mitverschwörer in Teheran einen Terroranschlag ausgeheckt haben soll, der einer offenen Kriegserklärung Irans gegen den Rivalen Saudi-Arabien gleichgekommen wäre. Als die Pläne so weit fortgeschritten sind, dass der seit Monaten geplante Mordanschlag eines gedungenen Auftragskillers aus Mexiko gegen den saudischen Botschafter in Washington endlich verübt werden kann, sagt Arbabsiar seinem Auftraggeber in Teheran am Telefon in verschlüsseltem Gestammel „Der Chevrolet ist fertig ... ähm ... also er ist jetzt so weit, dass er gemacht werden kann.“ Es klingt nach einem Drehbuch für einen Agentenfilm - und dazu nach einem schlechten. Das findet auch der Direktor der amerikanischen Bundespolizei FBI, Robert Mueller. Die Anklageschrift, die in der Nacht zum Mittwoch veröffentlicht wurde, lese sich gewiss „wie ein Hollywood-Drehbuch, doch die Folgen wären sehr real gewesen und hätten vielen das Leben gekostet“, sagte Mueller, als er in der Nacht zum Mittwoch gemeinsam mit Justizminister Eric Holder in Washington die Einzelheiten der Verschwörung vorstellte.

          Danach ergibt sich in etwa folgender Ablauf. In diesem Frühjahr wird Arbabsiar von einem Vetter in Teheran beauftragt, einen Auftragskiller zur Ermordung des saudischen Botschafters Adel al Dschubeir zu finden. Nach dem Mordanschlag in einem von dem saudischen Diplomaten sowie von Washingtoner Politikern frequentierten Restaurant sollen weitere Attentate verübt werden, etwa auf die israelische Botschaft in Washington sowie auf die saudischen und israelischen Vertretungen in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. Als Budget für die Anschläge stehen 1,5 Millionen Dollar zur Verfügung. Verbindungsmann für Arbabsiar und dessen Vetter in Teheran ist nach Überzeugung der amerikanischen Ermittler Gholam Shakuri, ein ranghohes Mitglied der Al-Quds-Kommandoeinheit der allmächtigen iranischen Revolutionsgarden.

          Am 24. Mai trifft sich Arbabsiar bei einer Reise nach Mexiko mit einem Verbindungsmann des Drogenkartells „Las Zetas“, um mit ihm die Pläne zur Ermordung al Dschubeirs zu besprechen. Die „Zetas“ sind für ihre besonders grausamen Morde an Mitgliedern konkurrierender Kartelle sowie an Polizisten bekannt: Die enthaupteten oder anders verstümmelten Leichen werden etwa von Brücken gehängt oder gleich dutzendweise in Lastwagen „entsorgt“, die am helllichten Tag auf vielbefahrenen Stadtautobahnen abgestellt werden.

          Bei dem vermeintlichen Mittelsmann der „Zetas“ handelte es sich aber um einen Informanten der amerikanischen Drogenfahndung in Mexiko, der seine Führungsbeamten sogleich von dem seltsamen Treffen mit dem Iraner in Kenntnis setzte. Unklar ist - und wird wohl bleiben -, ob der Informant gezielt auf Arbabsiar angesetzt war oder zufällig von dem Iraner mit dem amerikanischen Pass angesprochen wurde.

          Nach dem Treffen in Mexiko vom Mai wird Arbabsiar vom FBI rund um die Uhr überwacht, seine Telefongespräche werden abgehört, seine E-Mails mitgelesen. Bald nach der konspirativen Zusammenkunft mit dem vermeintlichen Auftragsmörder von „Las Zetas“ fliegt Arbabsiar direkt von Mexiko nach Iran, wo er erstmals mit Gholam Shakuri von der Al-Quds-Einheit zusammenkommt. Später folgen weitere Treffen Arbabsiars mit Shakuri, der weiter gesucht wird und sich in Iran aufhalten dürfte.

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