https://www.faz.net/-gpf-9bakw

Afghanistan : Anschlag überschattet denkwürdige Waffenruhe mit den Taliban

  • Aktualisiert am

Umjubelte Gäste: Taliban fahren winkend durch Jalalabad, im Osten Afghanistans Bild: AFP

Erstmals seit 2001 lassen die radikalislamischen Taliban die Waffen schweigen. In mehreren Städten kommt es zu Verbrüderungsszenen mit erklärten Gegnern.

          Bei einem Selbstmordanschlag auf ein Friedenstreffen zwischen radikalislamischen Taliban, Sicherheitskräften und Zivilisten in Ostafghanistan sind nach offiziellen Angaben mindestens 20 Menschen getötet worden. 16 weitere seien verletzt worden, sagte der Sprecher der Provinz Nangarhar, Attaullah Chogiani, am Samstag. Der Anschlag fiel auf den zweiten Tag einer landesweiten Feuerpause zwischen Taliban und Regierung. Wer hinter der Tat steckte, blieb zunächst unklar. Doch ist Nangarhar die Hauptbasis der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS), die mit den Taliban verfeindet ist.

          Nach Monaten blutiger Kämpfe zwischen radikalislamischen Taliban und afghanischer Regierung verlebten in anderen Landesteilen Millionen Menschen einen friedlichen Beginn ihrer wichtigen Eid-Feiertage - mitunter in Gesellschaft ihrer erklärten Feinde. In sozialen Medien tauchten Bilder auf von Sicherheitskräften, die Taliban-Kämpfern die Hände schüttelten oder gemeinsam für Selfies posierten.

          „Ich habe persönlich sechs Talibankämpfer im Zentrum von Metarlam getroffen (der Hauptstadt der ostafghanischen Provinz Laghman) – sie waren sehr glücklich, dass sie in die Stadt kommen konnten, um Sicherheitskräfte und ihre Familien zu treffen“, sagte Polizeichef Ahmed Abdali. Im normalerweise stark umkämpften Dschalres-Bezirk der Provinz Wardak hätten Taliban und Polizisten Seite an Seite in einer Moschee gebetet, wie Provinzratsmitglied Ahmed Dschafari erzählte.

          Die Taliban hatten die Feuerpause über die drei Feiertage am Samstag ausgerufen. Zuvor hatte die Regierung bereits am 12. Juni einen einseitigen Waffenstillstand bis zum 20. Juni verfügt. Auch in besonders umkämpften Provinzen wie Kundus im Norden oder Helmand im Süden blieb es ruhig.

          In einer Rede zum Beginn des Eid-Fests sagte Präsident Aschraf Ghani laut afghanischen Medien, er beglückwünsche das Volk zum ersten Waffenstillstand in seiner jüngeren Geschichte. „Wir hoffen, dass er weitergeht und wir kein Blutvergießen mehr erleben müssen.“ Im Februar hatte er den Taliban ein umfassendes Friedensangebot gemacht. Die hatten daraufhin aber ihre Offensiven nur ausgeweitet. Nach Militärangaben sollen sie wieder 14,5 Prozent des Landes kontrollieren. 30 Prozent sollen umkämpft sein.

          Ghani kündigte am Samstag ebenfalls an, den Waffenstillstand verlängern zu wollen. Er forderte die Taliban aufdasselbe zu tun.

          Weitere Themen

          Entlastung für Moskau

          Einflussnahme auf den Brexit : Entlastung für Moskau

          Während und nach dem Brexit-Referendum wurde immer wieder über eine Einflussnahme von außen gemunkelt. Russland soll über Facebook versucht haben, in die Abstimmung einzugreifen. Ein Remainer glaubt nicht daran.

          Ein Sieg für die Demokratie Video-Seite öffnen

          Bürgermeisterwahl in Istanbul : Ein Sieg für die Demokratie

          Bei der Wiederholung der Bürgermeisterwahl hat der Kandidat der Republikanischen Volkspartei (CHP) mit 54 Prozent eine deutliche Mehrheit errungen. Die Abstimmung galt als Test, ob es in der Türkei noch einen Machtwechsel durch freie Wahlen geben kann.

          Chinas Kulturkämpfer

          Westlicher Einfluss : Chinas Kulturkämpfer

          Xi Jinping hat seinem Volk mehr kulturelles Selbstbewusstsein verordnet. Deshalb sollen jetzt ausländische Namen aus dem öffentlichen Raum verdrängt werden. Doch die Elite wohnt lieber im „Victoria Garden“ als im „Mao Inn“.

          Topmeldungen

          Unser Sprinter-Autor: Patrick Bernau

          FAZ.NET-Sprinter : Elektroautos ohne Ladesäulen

          Widersprüche soweit das Auge reicht: In der E-Mobilität soll es voran gehen, doch es fehlt an Ladesäulen und in der Jugendbewegung Fridays for Future geben Erwachsene den Ton an. Was sonst noch wichtig wird, steht im FAZ.NET-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.