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Anschlag in London : Erste Erkenntnisse über zwei der drei Attentäter

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Die beiden Attentäter von London: Khuram Shazad Butt (links) und Rachid Redouane (rechts) Bild: AFP

Zwei Tage nach dem Terroranschlag in London hat die britische Polizei zwei der drei mutmaßlichen Attentäter identifiziert. Einer der beiden ist den Behörden bereits vorher bekannt gewesen. Wer waren diese Männer?

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          Nach dem Anschlag von London hat die britische Polizei am Montag erstmals die Namen von zwei der drei Täter genannt. Danach handelt es sich um einen in Pakistan geborenen 27-jährigen Briten, Khuram Shazad Butt, und einen 30 Jahre alten Mann, Rachid Redouane, der angegeben hatte, Marokkaner und Libyer zu sein. Der 27-Jährige sei dem Inlandsgeheimdienst MI5 und der Polizei bekannt gewesen, allerdings habe es keine Geheimdienstinformationen gegeben, dass er einen Anschlag geplant habe, erklärte die Polizei. Ob die Täter weitere Helfer hatten, sei noch nicht vollständig geklärt.

          Beide waren zuletzt im Londoner Stadtteil Barking aktiv. Dort nahm die Polizei bei Durchsuchungen am Sonntag und Montag insgesamt zwölf Menschen fest. Laut Polizei seien aber alle wieder freigelassen worden.

          Wer waren die Männer? Viel ist noch nicht bekannt, aber nach und nach sickern ein paar Informationen durch: Khuram Shazad Butt, 27, soll ein Unterstützer der verbotenen  Islamistengruppe „Al-Muhajiroun“ gewesen sein. Die radikale Vereinigung konnte von 1986 an in Großbritannien agieren, am Anfang relativ ungehindert. 2005 wurde sie dann schließlich verboten.

          Die Eltern des 27-Jährigen stammen laut einem Bericht des Guardian aus einem pakistanischen Dorf. Butt soll ein Anhänger des englischen Fußball-Klubs Arsenal London gewesen sein. Er soll in zwei Moscheen verkehrt haben und zwei Kinder haben, einen Sohn von drei Jahren und ein neugeborenes Baby. Angeblich hat er bei den Londoner Verkehrsbetrieben und in einem Schnellrestaurant gearbeitet. In den vergangenen Jahren soll er sich im Umfeld von „Al-Muhajiroun“ radikalisiert haben, wobei er mehrfach in Moscheen durch seine besonders stark ausgeprägte Radikalität aufgefallen sein soll.

          Über den zweiten Attentäter, Rachid Redouane, 30, ist weniger bekannt. Er soll laut „Guardian“ pakistanisch-libyscher Herkunft gewesen sein, als Koch in Irland gearbeitet und seit fünf Jahren in Dublin gelebt haben. Im Gegensatz zu Butt war er den Behörden wohl nicht bekannt.

          Aufruf an die Bevölkerung

          Die beiden namentlich genannten und ein weiterer Mann, zu dessen Identität die Behörden bislang keine Angaben machten, waren nur Minuten nach ihrer Tat am Samstag von der Polizei erschossen worden. Die Polizei rief die Bevölkerung auf, Hinweise zu den Männern zu geben. Besonders interessiert sei man an Informationen darüber, welche Orte sie aufgesucht hätten und ob sie in den Tagen und Stunden vor dem Anschlag aufgefallen seien.

          Der Chef der nationalen Anti-Terror-Polizei, Mar Rowley, führte aus, dass die Polizei und der MI5 derzeit rund 500 Ermittlungen gegen 3000 „Subjekte von Interesse“ führten. Zudem untersuchten „der MI5 und seine Partner“ das Risiko, das von rund 20.000 früheren Verdächtigen womöglich weiterhin ausgehe. Laut Rowley durchkreuzten die britischen Sicherheitsbehörden seit 2013 18 Anschlagspläne, davon fünf in den vergangenen beiden Monaten.

          Die Extremisten-Miliz „Islamischer Staat“ (IS) reklamierte am Sonntagabend das Attentat in der Londoner Innenstadt für sich, bei dem sieben Menschen starben und rund 50 verletzt wurden. Bei dem Anschlag rasten drei Angreifer am Samstagabend auf der London Bridge mit einem Transporter in eine Menschenmenge und stachen dann im Ausgehviertel Borough Market wahllos mit Messern auf Menschen ein. Zeugen zufolge riefen sie: „Das ist für Allah.“

          „Isis wird verlieren, die Liebe wird siegen“ steht auf einem Plakat in der Londoner Innenstadt.
          „Isis wird verlieren, die Liebe wird siegen“ steht auf einem Plakat in der Londoner Innenstadt. : Bild: EPA/REX/Shutterstock

          Von den Verletzten befanden sich nach Polizeiangaben am Montagabend noch 18 in einem kritischen Zustand. Unter den Verletzten sind nach Angaben der Bundesregierung auch zwei Deutsche. Einer davon gehöre zu den Schwerverletzten.

          Tausende haben am Montagabend bei einer Mahnwache in London der Opfer des Terroranschlags gedacht. „Das ist unsere Stadt, das sind unsere Werte, und das ist unsere Lebensart“, rief Bürgermeister Sadiq Khan der Menge in einem Park an der Themse unweit des Tatorts zu. Mutige Londoner seien Verletzten selbstlos zur Hilfe gekommen – „Ihr seid die Besten von uns!“, sagte Khan. Er kündigte an, dass der Terrorismus besiegt werden würde. An der Mahnwache mit einer Schweigeminute nahmen auch der Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, sowie weitere Vertreter verschiedener Religionen teil.

          Mahnwache für die Opfer des Anschlages: Londons Bürgermeister Sadiq Khan (am Rednerpult) und die britische Innenministerin Amber Rudd (links) gedenken der Toten.
          Mahnwache für die Opfer des Anschlages: Londons Bürgermeister Sadiq Khan (am Rednerpult) und die britische Innenministerin Amber Rudd (links) gedenken der Toten. : Bild: dpa

          Bereits am Sonntag stellte die britische Premierministerin wenige Tage vor der Parlamentswahl einen Vier-Punkte-Plan vor, der sich mit aller Härte nicht nur gegen Terroristen, sondern gegen den radikalen Islamismus richtet. „Wir müssen viel stärker daran arbeiten, ihn zu erkennen und ihn aus dem öffentlichen Dienst und der Gesellschaft auszurotten.“ Mit dem Begriff „öffentlicher Dienst“ spricht May vermutlich das Schulwesen an. Es gebe „viel zu viel Toleranz für Extremismus in unserem Land“, sagte sie. „Wir werden den Terroristen nicht erlauben, dass sie uns besiegen. Wir werden sie besiegen.“ May plant unter anderem eine schärfere Überwachung von Internet- und Messengerdiensten. Auch längere Haftstrafen gehören zum Paket.

          Ihr Herausforderer Jeremy Corbyn von der oppositionellen Labour-Partei forderte May zum Rücktritt auf. Er verwies darauf, dass May in ihrer Zeit als Innenministerin mitverantwortlich dafür gewesen sei, dass es heute 20.000 weniger Polizisten gebe als 2010. Später ruderte Corbyn aber zurück und betonte, die Wahl sei eine gute Gelegenheit, um May loszuwerden.

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