https://www.faz.net/-gpf-8oqxu

Reaktion auf Berlin-Anschlag : Weitere mutmaßliche Extremisten in Tunesien festgenommen

  • Aktualisiert am

Tunesische Sicherheitskräfte haben in einem Randgebiet der Hauptstadt eine „gefährliche“ Gruppe ausgehoben. Sie soll für die Rekrutierung von Kämpfern verantwortlich sein. Eine Verbindung zu Anis Amri gibt es bisher nicht.

          Tunesische Sicherheitskräfte haben fünf weitere mutmaßliche Dschihadisten festgenommen. Zunächst gab es aber keine Hinweise, dass die Festnahmen in Zusammenhang mit dem Anschlag in Berlin und dem mutmaßlichen Täter Anis Amri stehen. Man habe in einem Randgebiet der Hauptstadt Tunis eine „gefährliche“ Gruppe ausgehoben, die für die Rekrutierung und Entsendung von Kämpfern ins Ausland verantwortlich sei, teilte das tunesische Innenministerium am Sonntag mit. Die Festgenommenen seien zwischen 25 und 40 Jahre alt.

          Am Samstag hatten Ermittler in Tunesien drei Männer in Gewahrsam genommen, die mit Admri in Verbindung stehen sollen. Einer der Verdächtigen sei sein Neffe. Amri habe gewollt, dass dieser der Terrormiliz „Islamischer Staat“ die Treue schwöre.

          Nach Angaben des Innenministeriums sind bereits 800 Dschihadisten in ihre Heimat zurückgekehrt. Sie sollen sich zuvor in Ländern wie Libyen, Syrien oder dem Irak aufgehalten haben und stehen nun in Tunesien unter Sicherheitsüberwachung. Nach Schätzungen einer UN-Arbeitsgruppe kämpfen mehr als 5000 Tunesier in extremistischen Gruppen vor allem im Irak und in Syrien.

          Die nationale Gewerkschaft der inländischen Geheimdienste erklärte am Sonntag, es sei mit einer massenhaften Rückkehr tunesischer Dschihadisten in ihre Heimat zu rechnen. Wenn die Regierung diese nicht mit „außergewöhnlichen Maßnahmen“ bekämpfe, drohe Tunesien zu einem neuen Somalia zu werden, hieß es weiter.

          Proteste gegen Rückführung von Extremisten in Tunis

          Bei Einsätzen im Irak, in Syrien oder in Libyen hätten die Dschihadisten eine militärische Ausbildung erhalten und könnten jegliche Arten von hochentwickelten Kriegswaffen bedienen, warnte die Gewerkschaft. Zurück in Tunesien könnten sich die Islamisten „Schläferzellen“ anschließen. „Ihre Rückkehr zu akzeptieren (...) wird dazu beitragen, dass sich der Kreis des Terrorismus vergrößert“, hieß es in der Erklärung. Die Regierung müsse daher dringend „außerordentliche“ Maßnahmen ergreifen, etwa den Entzug der Staatsangehörigkeit.

          „Nein zu Terrorismus“ – Tunesier demonstrierten am Samstag gegen die Pläne zur Rückführung mutmaßlicher Extremisten.

          Am Samstag hatten hunderte Menschen vor dem Parlament in Tunis gegen eine Rückkehr von Dschihadisten in ihr Land protestiert. Mehrere Nichtregierungsorganisationen hatten zu der Demonstration aufgerufen, an der laut den Veranstaltern rund 1500 Menschen teilnahmen. Anlass waren Äußerungen von Präsident Béji Caid Essebsi, wonach die Behörden die Rückkehr von Dschihadisten nicht verhindern könnten.

          Ein Tunesier gilt auch als mutmaßlicher Attentäter des Berliner Weihnachtsmarkts. Der Mann war mit einem Lastwagen über den Markt an der Gedächtniskirche gerast und hatte zwölf Menschen getötet sowie fast 50 weitere verletzt. Auf der Flucht wurde der europaweit gesuchte Anis Amri am Freitag von der italienischen Polizei in Sesto San Giovanni bei Mailand erschossen.

          Weitere Themen

          Das Ende der Einsamkeit Video-Seite öffnen

          Insel Sokotra im Jemen : Das Ende der Einsamkeit

          Der Artenreichtum der Insel Sokotra hat sie zum Weltkulturerbe gemacht. Doch das Paradies ist von politischen Verwerfungen bedroht: Die Hilfe aus Saudi-Arabien und den Emiraten ist auch ein Zeichen von Autoritätsverlust.

          Topmeldungen

          Ehemaliger Lebensmittelladen in Loitz: Der Solidaritätszuschlag dient in erster Linie zur Finanzierung der Kosten, die die deutsche Wiedervereinigung verursacht hat. (Archiv)

          Wortbruch der Union : Soli-Schmerzen

          Dass ein Teil des Soli bleibt, dürfte für die Betroffenen finanziell zu verschmerzen sein. Nicht aber der Wortbruch der Union – und das bittere Gefühl, dass ihr Sondereinsatz für das Land nicht einmal wertgeschätzt wird.
          Trotz Sanktionen: Schweißer arbeiten Anfang April im Karosseriebau des Mercedes-Benz Werks im Industriepark Jessipowo bei Moskau

          Russland-Sanktionen : Der Preis des Zurückweichens

          Die Russland-Sanktionen waren ein Signal. Deren Aufhebung wäre es erst recht – die EU würde damit demonstrativ vor Moskaus Politik der Gewalt und Drohung zurückweichen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.