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Anschlag in Berlin : Der Albtraum ist wahr geworden

Rettungskräfte und Ermittler der Polizei im Einsatz nach dem mutmaßlichen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin. Bild: Reuters

Der mutmaßliche Terroranschlag macht aus der Weihnachtszeit eine Trauerzeit. Der Schock über so viel Grausamkeit wird so schnell nicht vergehen.

          Der Albtraum ist wahr geworden: ein Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt. In ersten Reaktionen wurde das Wort Terror gar nicht oder nur zurückhaltend gebraucht. Aber unverkennbar ist, dass jemand in Berlin zu Füßen der Gedächtniskirche den Terroranschlag von Nizza nachahmen wollte, der am 14. Juli, am französischen Nationalfeiertag, 84 Menschen tötete. Auch damals fuhr ein Lastwagen in die Menschenmenge einer Feier. Der Attentäter konnte erst nach Hunderten von Metern seiner Todesfahrt von der Polizei gestoppt werden.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          In Berlin kamen die Attentäter nicht so weit. Das ist für die Opfer kein Trost. Aber es konnte noch Schlimmeres verhütet werden, damit „Berlin“ nicht vollends zu „Nizza“ wurde. War es Glück? Seit der Amokfahrt in Frankreich war klar, dass Märkte und Feste besonders zu sichern sind, dass bei derartigen Gelegenheiten künftig besondere Beton-Absperrungen zum Standard gehören sollten, gehören mussten.  Wie konnte es also in Berlin soweit kommen?

          Die erste Bewährungsprobe nach dem Anschlag von Nizza war in Deutschland das Oktoberfest. Es hat diese Probe bestanden. Für Weihnachtsmärkte, die in ganz Deutschland, in kleineren und größeren Städten stattfinden, in Berlin gleich an mehreren Orten, gelten sicher andere Maßstäbe. Nicht überall lässt sich jederzeit jegliches Risiko ausschließen. Das ist es, wovor Politik, Polizei und Verfassungsschutz immer wieder warnen. Der Satz, man lasse sich vom Terror seinen Lebensstil nicht nehmen, lasse sich nicht vorschreiben, in welcher Atmosphäre Feste und Feiern stattfinden, wird so auf bedrückende Weise auf die Probe gestellt.

          Vor allem auf den Weihnachtsmärkten, weil für sie auch gilt, dass es nicht irgendwelche Märkte sind. Bei allem Kitsch und Kommerz breiteten sie eine Stimmung aus, die einer Gegenwelt des Terrorkriegs entspringt, der dem Westen mit solchen Attentaten erklärt wird. Tun sie das nun nicht mehr? Soll man jetzt, in den Tagen bis Heiligabend, ein trotziges Christbaumleuchten gegen Mord, Tod und terroristische Finsternis setzen?

          Es war richtig, nach den vergangenen Terroranschlägen nur einzelne Großveranstaltungen abzusagen, ansonsten sich aber nicht aus der Fassung bringen zu lassen. In Frankreich aber hat sich die Angst schon festgefressen. In Deutschland wird das nun nicht anders werden. Kann noch jemand so einfach sagen: Frohe Weihnacht? Nach dem Anschlag von Berlin fällt das schwer, ist es für viele unmöglich. Trost spendet in solchen Zeiten vielleicht nicht mehr der Weihnachtsmarkt, wohl aber die Botschaft der Weihnachtsgeschichte.

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