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Nach Weihnachtsmarkt-Attacke : Wie Muslime auf den Anschlag reagieren

  • Aktualisiert am

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek Bild: dpa

Muslimische Gemeinden und Verbände verurteilen Berlin ebenso wie die Regierungen Saudi-Arabiens und der Türkei. Ein türkischer Abgeordneter warnte vor der Instrumentalisierung des Anschlags.

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          Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) hat seine tiefe Bestürzung über die Attacke auf den Berliner Weihnachtsmarkt ausgedrückt. Der ZMD wolle sich mit allen Mitteln dafür einsetzen, „dass die böse Saat, Panik, Hass und Zwietracht zwischen den gesellschaftlichen Gruppen und Religionen zu stiften, niemals aufgeht“, sagte der Verbandsvorsitzende Aiman Mazyek am Dienstag in Berlin.

          Die Tat erinnere an die Attentate von Brüssel, Paris und Istanbul, „was uns Muslime zutiefst betroffen macht“, fügte er hinzu. Den Täter müsse „die volle Härte unserer Gesetze treffen“. „Wir stehen in dieser schweren Zeit fest und solidarisch an der Seite unseres Landes. Wir beten für Deutschland und Berlin.“ Der ZMD wolle dafür einstehen, „dass unsere Weltstadt Berlin mit ihren Menschen eine weltoffene, lebensfrohe und tolerante Stadt ist und bleibt“, sagte der Vorsitzende Mazyek weiter.

          Mazyek kündigte an, in den Moscheen in Berlin und ganz Deutschland würden die in Deutschland lebenden Muslime die Opfer und Verletzten der Tat sowie ihre Angehörigen „in ihre Gebete mit aufnehmen“. Der ZMD rief auch zu gemeinsamen Mahnwachen mit anderen Kirchen und Religionsgemeinschaften auf. Über den Kurznachrichtendienst Twitter kündigte der ZMD für Dienstagabend eine Mahnwache an.

          Am Montagabend war ein Lastwagen in den Weihnachtsmarkt an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche gefahren. Zwölf Menschen starben, 48 wurden zum Teil schwer verletzt. Die Polizei sprach am Dienstagmorgen von einem „vermutlich terroristischen Anschlag“.

          Ahmadiyya-Gemeinde: Tat „eines irregeleiteten Einzelnen“

          Die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde in Erfurt verurteilte den Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt als Tat „eines irregeleiteten Einzelnen, der ohne Reue und Skrupel handelte“. Die Staatsgewalt müsse mit aller Härte gegen hasserfüllte und menschenverachtende Anschläge vorgehen, um die „gesellschaftzersetzende Wirkung von Anschlägen und Terror einzudämmen“, verlangte ihr Sprecher Mohammad Suleiman Malik am Dienstag. „Das Ziel solch entsetzlicher Taten besteht einzig darin, den Frieden in der Gesellschaft nachhaltig zu zerstören.“

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          Auch der Koordinationsrat der Muslime verurteilte den Anschlag scharf. „Terror hat wieder einmal sein schreckliches Gesicht gezeigt. Er macht keinen Halt vor unschuldigen Menschen und vor dem, was den Menschen heilig ist“, erklärte der Sprecher des Koordinationsrates, Erol Pürlü, am Dienstag. In einer für Christen sehr bedeutenden und besinnlichen Zeit sei Trauer und Leid in die Familien gekommen. „Wir sind zutiefst erschüttert und verurteilen den feigen Anschlag auf das Schärfste. Wir sind mit unseren Gedanken bei den Opfern und ihren Angehörigen“, sagte Pürlü.

          Der Koordinationsrat der Muslime wurde im März 2007 von den vier großen Religionsgemeinschaften Ditib, dem Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ), Islamrat und dem ZMD gegründet. Er soll die Vertretung der Muslime in Deutschland organisieren und ein Ansprechpartner für Politik und Gesellschaft sein.

          Reaktionen aus islamischen Ländern

          Saudi-Arabien verurteilte den Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt scharf. Das Königreich spreche den Menschen in Deutschland und der Regierung sein Beileid angesichts der vielen Opfer aus, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Riad am Dienstag nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Spa. Die Tat zeige die Notwendigkeit, die Bekämpfung aller Arten von Kriminalität und Terrorismus zu intensivieren.

          Auch die türkische Regierung äußerte deutlich ihre Ablehnung des Terroranschlags und Deutschland Solidarität zugesichert. „Die Türkei und das türkische Volk, die frischen Schmerz aus ähnlichen Vorfällen verspüren, fühlen mit Deutschland und dem deutschen Volk“, hieß es in einer am Dienstag verschickten Mitteilung des Außenministeriums in Ankara. Der grausame Anschlag sei „ein Beispiel dafür, dass der Terror eine Plage ist, die nicht zwischen Personen, Orten und Nationen unterscheidet“. Der Terrorismus könne nur gemeinsam bekämpft werden.

          Der deutsch-türkische AKP-Abgeordnete Mustafa Yeneroglu sicherten den Deutschen die uneingeschränkte Solidarität der Türken zu. „Das türkische Volk steht Berlin und Deutschland angesichts des schrecklichen Blutbades solidarisch und bedingungslos bei“, teilte der Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses im Parlament in Ankara am Dienstag mit. „Das türkische Volk trauert mit Berlin.“ Yeneroglu warnte zugleich davor, die Tat für „rechtspopulistische Politik zu instrumentalisieren“.

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