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Anschlag von Berlin : Generalbundesanwalt bestätigt Tod Amris

  • -Aktualisiert am

Italienische Polizisten und Einsatzkräfte der Spurensicherung am Ort der Schießerei in Mailand. Bild: AFP

Der mutmaßliche Berliner Attentäter Anis Amri ist in Mailand getötet worden. Er war bei einer Routinekontrolle aufgefallen und hatte ohne Vorwarnung das Feuer auf Polizisten eröffnet. Die Ermittlungen konzentrieren sich nun auf mögliche Unterstützer.

          Bundesinnenminister Thomas de Mazière (CDU) hat den italienischen Behörden zu ihrem Fahndungserfolg im Fall Anis Amri gratuliert. Die italienische Polizei hatte Amri in der Nacht zu Freitag bei einer Routinekontrolle aufgegriffen und erschossen. De Mazière sagte, er habe mit dem italienischen Innenminister Marco Minniti telefoniert und sich über den Hergang des Polizeieinsatzes informiert. Er sagte, er sei „sehr erleichtert“, dass von Amri keine Gefahr mehr ausgehe.

          Amri wird dringend verdächtigt, einen gestohlenen Lkw am Montagabend in einen Weihnachtsmarkt in Berlin gelenkt und dabei 12 Menschen getötet und Dutzende verletzt zu haben. De Mazière sagte, nach dem Fahndungserfolg von Mailand sei es auch an der Zeit, um über die Konsequenzen zu sprechen, die aus dem Fall Amri gezogen werden müssten. Der Innenminister verwies in diesem Zusammenhang auf die von ihm vorgelegte Gesetzesvorlage zu Änderungen bei der Abschiebehaft für Gefährder und zur Duldung.

          Generalbundesanwalt Peter Frank hatte zuvor den Tod des mutmaßlichen Berliner Attentäters Amri bestätigt, nachdem das italienische Innenministerium bereits erklärt hatte, dass der Tunesier bei einer Schießerei in Mailand getötet worden sei. Das stehe „ohne Zweifel“ fest, sagte der Innenminister Marco Minniti am Freitagvormittag bei einer Pressekonferenz in Rom.

          Es gehe nun darum, zu klären, ob Amri ein Unterstützernetzwerk hatte und wie dessen Fluchtweg konkrete ausgesehen habe, sagte der Generalbundesanwalt in Karlsruhe. Dafür werde man weiter mit den italienischen Behörden zusammenarbeiten. „Für uns gehen die Ermittlungen jetzt mit hoher Intensität weiter“, sagte Frank. Geklärt werden soll auch, ob die Waffe, die Amri in Mailand bei sich hatte, die selbe ist, mit der in Berlin der polnische Fahrer des Anschlagslastwagens getötet worden war.

          Amri war in der Nacht von Donnerstag auf Freitag bei Mailand gefasst und getötet worden. Der 24 Jahre alte Tunesier habe bei einer Routinekontrolle eine Waffe gezogen und geschossen, sagte der italienische Innenminister. Warum Amri nach Italien gekommen ist und ob er Kontakt zur italienischen Islamistenszene hatte, konnte bislang nicht geklärt werden.

          Während die Ermittlungen in Deutschland und Italien weiterlaufen, teilte der Chef des Landeskriminalamtes, Christian Steiof, am Freitag in einer Sitzung des Berliner Innenausschusses mit, dass die am Donnerstag bekanntgewordenen Fotos einer Überwachungskamera vor einer Moschee in Berlin nicht Amri zeigen. Nach Aussagen der Polizeibeamten, die den Tunesier kennen oder zeitweise observiert haben, „ist die Person auf diesen veröffentlichten Bildern nicht Anis Amri“, sagte er. Am Donnerstagabend hatte der Rundfunk Berlin-Brandenburg Bilder einer Überwachungskamera gezeigt und berichtet, darauf sei Amri vor einem Moschee-Verein zu sehen, der als Salafisten-Treffpunkt gilt. Gezeigt wurden Fotos, die vor und nach dem Anschlag gemacht wurden.

          Bundesinnenminister Thomas de Maizière kündigte für Freitagmittag eine Stellungnahme an. Er will um 14.15 Uhr vor die Presse treten. Die italienische Tageszeitung „Corriere della Sera“ zitiert de Maizière mit den Worten, der Tod Amris sei „eine Erleichterung“. Deutschland sei Italien dankbar.

          Gentiloni: „Der Staat ist präsent, Italien ist präsent“

          Der italienische Ministerpräsident Paolo Gentiloni sagte in einer Stellungnahme, die Operation in Mailand habe gezeigt: „Der Staat ist präsent und Italien ist präsent.“ Dennoch dürfe man die Bedrohungslage nicht unterschätzen. Die Sicherheitsbehörden seien weiterhin wachsam, sagte Gentiloni in Rom. Er habe Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitagmorgen über die Erschießung Amris in Kenntnis gesetzt.

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