https://www.faz.net/-gpf-8or99

Anschlagsopfer von Berlin : Wann starb Lukasz Urban?

  • Aktualisiert am

Der Cousin von Lukasz Urban zeigt auf seinem Mobiltelefon ein Foto des Lastwagenfahrers. Bild: AP

Mit einer Online-Petition wollen Tausende Unterzeichner erreichen, dass der in Berlin getötete polnische Lastwagen-Fahrer Lukasz Urban geehrt wird. Doch ein Bericht weckt nun Zweifel daran, dass er wirklich Schlimmeres verhindern konnte.

          1 Min.

          Die Idee einer Ehrung für den am Berliner Breitscheidplatz getöteten polnischen Lastwagenfahrer findet immer mehr Unterstützer. Bis zum Dienstagmorgen hatten mehr als 37.000 Menschen eine entsprechende Onlinepetition für Lukasz Urban bei „change.org“ unterzeichnet. Der Lastwagenfahrer soll dem mutmaßlichen Attentäter Anis Amri ins Lenkrad gegriffen und so eine noch größere Katastrophe verhindert haben. Lukasz Urban gehört zu den zwölf Todesopfern des Anschlags auf den Weihnachtsmarkt an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche.

          Auf der Plattform „change.org“ war deshalb wenige Tage vor Heiligabend eine Petition gestartet worden, Lukasz Urban das Bundesverdienstkreuz zuzuerkennen. Die Unterschriften sollen Bundespräsident Joachim Gauck übergeben werden.

          Die Initiatorin Constanze Stelzenmüller begründete ihren Vorstoß mit den Worten, der polnische Lastwagenfahrer habe vermutlich viele Menschenleben gerettet „und ein großes Zeichen gesetzt für die Freundschaft und Aussöhnung zwischen unserem Land und Polen, dem unsere Vorfahren Furchtbares angetan haben“. Weiter heißt es in dem Aufruf. „Alle Deutschen, nicht nur die Berliner, haben Grund, seiner zu gedenken, und seinen Hinterbliebenen (seiner Frau und seinem Sohn) zu danken.“

          Doch ein Bericht der „Bild“-Zeitung weckt nun Zweifel an dieser Darstellung. Die Obduktion habe ergeben, dass Urban früher als gedacht angeschossen wurde. Demnach erlitt der Familienvater schon zwischen 16.30 Uhr und 17.30 Uhr einen Kopfschuss und verlor viel Blut. Es sei zwar möglich, dass er zum Zeitpunkt des Attentats gegen 20 Uhr noch gelebt habe. Mediziner hätten aber ausgeschlossen, dass er dem Attentäter noch in Lenkrad greifen konnte.

          Gemeinsames Gedenken an den Lastwagenfahrer

          Urban hinterlässt seine Frau und einen 17 Jahre alten Sohn. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Lastwagen mit dem Polen entführt wurde. Wenige Tage nach dem Anschlag hatten Deutsche und Polen bei einem sehr gut besuchten Gottesdienst in der St.-Johannes-Basilika nahe dem Südstern in Kreuzberg der Opfer des Terroranschlags auf dem Breitscheidplatz gedacht. Zu dem Gottesdienst kamen etwa 200 bis 300 Besucher. Eine Collage zeigte außer Bildern vom Breitscheidplatz und dem Lastwagen ein Porträt des Fahrers. Die St.-Johannes-Basilika ist eine Anlaufstelle für Polen, die in Berlin leben.

          Als Mitglied der deutsch-polnischen Parlamentariergruppe im Bundestag nahm auch der CDU-Politiker Karl-Georg Wellmann an dem Gottesdienst teil. Über den toten Urban sagte er in einer Ansprache: „Er war ein Held. Deutschland und Polen sind in Trauer vereint. Wir werden gemeinsam dem Terror standhalten.“

          Weitere Themen

          Und wieder die Politiker!

          „Querdenken 711“ : Und wieder die Politiker!

          Eine Initiative peitscht Bürger in der Corona-Pandemie auf, um sie zu ihren Demos zu locken. Doch angebliche Belege sind gefälscht, Fotos aus dem Zusammenhang gerissen.

          Trump droht erneut mit Tiktok-Verbot Video-Seite öffnen

          Noch 1,5 Monate : Trump droht erneut mit Tiktok-Verbot

          Präsident Donald Trump hat den Druck auf den chinesischen Inhaberkonzern von Tiktok zum Verkauf der populären Videoplattform an ein amerikanisches Unternehmen massiv erhöht.

          Gekommen, um zu töten?

          Lübcke-Prozess : Gekommen, um zu töten?

          Der Hauptangeklagte im Prozess im Mordfall Walter Lübcke wollte am Mittwoch eigentlich reinen Tisch machen. Dann wurde er am Freitag abermals befragt – prompt sind neue offene Fragen aufgetaucht.

          Topmeldungen

          Demo am 1. August in Berlin

          „Querdenken 711“ : Und wieder die Politiker!

          Eine Initiative peitscht Bürger in der Corona-Pandemie auf, um sie zu ihren Demos zu locken. Doch angebliche Belege sind gefälscht, Fotos aus dem Zusammenhang gerissen.
          Mitarbeiter vom Bayerischen Roten Kreuz nehmen an einem Corona-Testzentrum an der Autobahn 8 (A8) einen Abstrich

          In Bayern : Corona-Tests für Reiserückkehrer in vielen Fällen nutzlos

          Mehr als 40.000 Reiserückkehrer haben sich an Teststationen an Autobahnen und Bahnhöfen in Bayern freiwillig auf Corona testen lassen – viele haben ihr Testergebnis aber nie erhalten. Beim zuständigen Landesamt gibt man sich zerknirscht.
          Während der Corona-Pandemie arbeitslos gewordene Amerikaner warten in der Nähe der Grenze zu Mexiko in Kalifornien darauf, einen Antrag auf staatliche Hilfe ausfüllen zu können.

          Konjunktur in Corona-Zeiten : Amerika steckt tief in der Krise

          Die Arbeitslosenquote in den Vereinigten Staaten sinkt zwar, bleibt aber auf einem hohen Niveau. Die Hilfen für die Betroffenen laufen in Kürze aus. Was kommt dann?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.