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Anschlagsopfer von Berlin : Wann starb Lukasz Urban?

  • Aktualisiert am

Der Cousin von Lukasz Urban zeigt auf seinem Mobiltelefon ein Foto des Lastwagenfahrers. Bild: AP

Mit einer Online-Petition wollen Tausende Unterzeichner erreichen, dass der in Berlin getötete polnische Lastwagen-Fahrer Lukasz Urban geehrt wird. Doch ein Bericht weckt nun Zweifel daran, dass er wirklich Schlimmeres verhindern konnte.

          Die Idee einer Ehrung für den am Berliner Breitscheidplatz getöteten polnischen Lastwagenfahrer findet immer mehr Unterstützer. Bis zum Dienstagmorgen hatten mehr als 37.000 Menschen eine entsprechende Onlinepetition für Lukasz Urban bei „change.org“ unterzeichnet. Der Lastwagenfahrer soll dem mutmaßlichen Attentäter Anis Amri ins Lenkrad gegriffen und so eine noch größere Katastrophe verhindert haben. Lukasz Urban gehört zu den zwölf Todesopfern des Anschlags auf den Weihnachtsmarkt an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche.

          Auf der Plattform „change.org“ war deshalb wenige Tage vor Heiligabend eine Petition gestartet worden, Lukasz Urban das Bundesverdienstkreuz zuzuerkennen. Die Unterschriften sollen Bundespräsident Joachim Gauck übergeben werden.

          Die Initiatorin Constanze Stelzenmüller begründete ihren Vorstoß mit den Worten, der polnische Lastwagenfahrer habe vermutlich viele Menschenleben gerettet „und ein großes Zeichen gesetzt für die Freundschaft und Aussöhnung zwischen unserem Land und Polen, dem unsere Vorfahren Furchtbares angetan haben“. Weiter heißt es in dem Aufruf. „Alle Deutschen, nicht nur die Berliner, haben Grund, seiner zu gedenken, und seinen Hinterbliebenen (seiner Frau und seinem Sohn) zu danken.“

          Doch ein Bericht der „Bild“-Zeitung weckt nun Zweifel an dieser Darstellung. Die Obduktion habe ergeben, dass Urban früher als gedacht angeschossen wurde. Demnach erlitt der Familienvater schon zwischen 16.30 Uhr und 17.30 Uhr einen Kopfschuss und verlor viel Blut. Es sei zwar möglich, dass er zum Zeitpunkt des Attentats gegen 20 Uhr noch gelebt habe. Mediziner hätten aber ausgeschlossen, dass er dem Attentäter noch in Lenkrad greifen konnte.

          Gemeinsames Gedenken an den Lastwagenfahrer

          Urban hinterlässt seine Frau und einen 17 Jahre alten Sohn. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Lastwagen mit dem Polen entführt wurde. Wenige Tage nach dem Anschlag hatten Deutsche und Polen bei einem sehr gut besuchten Gottesdienst in der St.-Johannes-Basilika nahe dem Südstern in Kreuzberg der Opfer des Terroranschlags auf dem Breitscheidplatz gedacht. Zu dem Gottesdienst kamen etwa 200 bis 300 Besucher. Eine Collage zeigte außer Bildern vom Breitscheidplatz und dem Lastwagen ein Porträt des Fahrers. Die St.-Johannes-Basilika ist eine Anlaufstelle für Polen, die in Berlin leben.

          Als Mitglied der deutsch-polnischen Parlamentariergruppe im Bundestag nahm auch der CDU-Politiker Karl-Georg Wellmann an dem Gottesdienst teil. Über den toten Urban sagte er in einer Ansprache: „Er war ein Held. Deutschland und Polen sind in Trauer vereint. Wir werden gemeinsam dem Terror standhalten.“

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