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Anis Amri : Der hochmobile Islamist

Amri saß bereits in Abschiebehaft

Amri wurde zwar angeblich registriert, hatte aber keine Papiere dabei, wie viele Asylsuchende. Eine Registrierung im sogenannten Easy-System erfolgt ohnehin zunächst nicht mit Namen. Amri soll sich erst als Ägypter ausgegeben haben. Dann wurde aber bei einer Befragung klar, dass das nicht stimmen konnte – solche Täuschungsversuche sind nach den Reformen des Asylrechts ein Grund, das Verfahren abzubrechen. Damals war das nicht möglich.

Zu den Geschwistern Walid (links), Hanan (hinten) und Abdelkader (rechts) hatte Anis noch Kontakt. Zum Vater Mustapha (Mitte), nach dessen Angaben, nicht.
Zu den Geschwistern Walid (links), Hanan (hinten) und Abdelkader (rechts) hatte Anis noch Kontakt. Zum Vater Mustapha (Mitte), nach dessen Angaben, nicht. : Bild: AFP

Einen Monat nach dem Ablehnungsbescheid, am 30. Juli, soll Amri bei einer Routinekontrolle in Friedrichshafen aufgegriffen worden sein und kam in Ravensburg in Abschiebehaft. Da es Hinweise gibt, dass er nicht nur einmal von Italien nach Deutschland kam, sondern sich anschließend noch zwischen beiden Ländern bewegt haben könnte, ist es denkbar, dass er damals auf dem Weg nach Italien war.

Keine Papiere, keine Abschiebung

Nach nur zwei Tagen wurde er aber wieder aus der Haft in Ravensburg entlassen, weil die Ausländerbehörde in Kleve über den Stand der Dinge Auskunft gegeben hatte – Abschiebehaft ist ohnehin nur befristet möglich (in diesem Fall wäre das bis Ende August gewesen) und nicht zulässig, wenn die Abschiebung mangels Papieren vorläufig nicht vollzogen werden kann.

Es folgte also die Ausstellung der Duldungspapiere, die jetzt im Lastwagen in Berlin gefunden wurden. Seither bemühte sich die Ausländerbehörde in Kleve um einen Passersatz – also Ausweisdokumente, die eine Abschiebung möglich gemacht hätten. Sie trafen aus Tunesien aber erst am Mittwoch dieser Woche ein.

Mit verschiedenen Identitäten in Europa unterwegs

Schon zum Zeitpunkt des Asylbescheids war zumindest den Sicherheitsbehörden bekannt, dass sich Amri unter verschieden Identitäten in Deutschland bewegte. Was die Daten zu seiner Person angeht, so ist manches für die Sicherheitsbehörden aber offenbar noch immer nur schwierig zu verifizieren. Noch am Mittwochnachmittag, als Bundesinnenminister Thomas de Maizière und die Präsidenten der Sicherheitsbehörden die Mitglieder des Innenausschusses über den Stand der Ermittlungen informierten, gab der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, der CSU-Abgeordnete Stephan Mayer, das Alter des Tunesiers mit „21 oder 23“ an.

Wenige Stunden später, als der Generalbundesanwalt Amri europaweit zur öffentlichen Fahndung ausschrieb, teilte er mit, der Mann sei 24 Jahre alt. 178 soll er groß sein, etwa 75 Kilogramm wiegen, schwarze Haare und braune Augen haben. Der Mann hielt sich anscheinend unter zahlreichen Identitäten in Deutschland auf. Auf dem Fahndungsplakat werden allein sechs andere Identitäten aufgeführt, mal änderte er den Namen, mal die Nationalität, mal den Geburtsort, mal das Geburtsdatum.

Kontakte zu salafistischem Netzwerk

Innenminister Jäger sagte schon am Donnerstag, der Tunesier sei „hochmobil“ gewesen – offenbar in jeder Beziehung und nahezu ungehindert. Zuletzt, seit Februar, also noch vor seinem Asylbescheid, habe er seinen Lebensmittelpunkt in Berlin „gesucht“ und sei nur für „kurze Unterbrechungen“ wieder in Nordrhein-Westfalen gewesen, sagte Jäger. Dort soll er zuletzt in der Asylbewerberunterkunft in Emmerich gemeldet gewesen sein.

Die „kurzen Unterbrechungen“ könnten sich auf Aufenthalte beziehen, über welche die „Ruhrnachrichten“ am Donnerstag berichteten. In Dortmund soll Amri zeitweise bei dem Deutsch-Serben Boban S. untergekommen sein. Die Zeitung berichtet, Zeugen hätten ihn dort zuletzt vor rund zehn Monaten gesehen. Boban S. ist seit dem 8. November in Haft, weil er laut der Generalbundesanwaltschaft im Verdacht steht, den „Islamischen Staat“ (IS) zu unterstützen. Er gehörte zum salafistischen Netzwerk um den Prediger „Abu Walaa“ aus Hildesheim, zu dem auch Amri Kontakt gehabt haben soll. In dessen Kreis soll er laut „Focus“ auch von Attentatsplänen gesprochen haben.

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